Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1877)
- Date
- 1877-11-20
- Page
- Seite 750 (sequence 10)
- Language
- German
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750 terie durch Geschenke und Entnahme von Loosen von christlicher Seite eine besonders rege, wahrend die städtischen Behörden einen reichen Geldbeitrag zum Bau gespendet haben. Diese rege Theilnahme und confessionelle Eintracht zeigte sich auch bei der Einweihuugsseier selbst, welcher die Spitzen sämmtlicher Behörden, insbesondere auch Vertreter der evangelischen Geistlichkeit und der Magistrat in corpore beiwohnten, in hervorragender Weise in der thätigen Mitwirkung christlicher Mitbürger. Bereitwillig hatte der hiesige Gesangverein unter Leitung eines Lehrers der hiesigen evangelischen Bürgerschule die Ausführung der Gesänge übernommen, während der hiesige evangelische Cantor die Orgel spielte. Die Weiherede hielt in sehr rühmenswerther Weise der Prediger der jüd. Gemeinde, Herr Blumenfeld, über 1 Mos. 28, 17. Jeuilleton. Rabbi Len-Lphraim's Schatz. (Zeit: das fünfzehnte Jahrhundert.) Gedicht von Robert Lytton, jetzigem Bicekönig von Indien. Ans dem Englischen übertragen von Johanna Cohn-Philippson. In Nacht und Graus aus Cordova Floh vor dem Henker Ben-Ephraim, Der schon ein halbes Jahrhundert sah — Jetzt droht das herbste Geschick auch ihm! Stund' auf Stunde sieht er den bitt'ren Trank Im Kelch des Weh's sich mehren und steigen, Stund' auf Stunde kämpft er bang,. Dem Schrecken der Zeit nicht muthlos zu weichen. Dem Schrecken der Zeit! Denn Jehovah's Blick Wich vom erkornen Volke zurück; Und Juda's Tochter in Kummer und Schande Wird gejagt von Ort zu Ort, Dem Tode verfallen hier und dort, Bon Blut gefärbt im zerriff'nen Gewände — Die Schreckenszeit, die des Propheten Mund In alter Zeit that Israel schon kund Daß Seine Hand einst schwer auf ihm wird ruh'n Und rächen hart sein zötzendien'risch Thun, Nicht rasten, bis aus tiefster Kluft getrieben, Zerstreut, zertrümmert, was da noch geblieben! — Der Henker zog mit gierig blut'gem Sinn Durch das in Angst erstarrte Ghetto hin. Der Inquisitor machte seine Runde, Hierhin und dorthin schleudernd grause Kunde, Bald höhnisch zögernd, bald in Eile greifend In immer klein're, eng're Kreise schweisend; Rabbi Ben-Ephraim erschaut in bittrem Schmerz Das schwere Schicksal wachsend sich erfüllen, Kein Retter naht, für Juda schlägt kein Herz, Nicht wünscht die Welt, die Schrecknisse zu stillen. Das Blutbad rinnet fort in grausem Lauf, Kein göttlich Machtwort hält sein Strömen auf; Bald sah man ziehn in todtbereiten Schaaren, Bald zitternd nur in festverschlung'nen Paaren Der Jugend Blüthe, altehrwürd'ge Greise Hin wo die Flammen sprühn im Henkerkreise. So blieb in Cordova er fast allein; Der König schonte nicht aus Mitleid sein. Nein, weil fein gierig Streben noch gebannt Vom Schein des Golds, das in Ephraims Hand. Der einzig Lebende im Todtenreich So harrt er täglich auf des Henkers Stteich, So wuchs der grause Haß, so wuchs die Schmach, Das Erbtheil des erschlagnen Stammes, Tag für Tag. II. In des düstern Ghetto's tiefstem Grund Liegt wild umwachsen ein Schreckeusort, Wo die Erve geöffnet den grausen Mund, Die Geschlechter zu tilgen fort und fort. Nur Disteln, Dornen und wildes Gethier Halten grausige Wacht auf den Hügeln hier. Kein Betwort tönt, keines heiligen Brauches Kraft Den unsel'gen Schläfern Erlösung schafft. Es geht die Sage von Mund zu Munde, Daß Beelzebub allein hat Kunde Vom Feuer, darin sie glühen und schmachten, Bon Qualen, die ewiglich sie umnachten. Als Rabbi Ben-Ephraim gekommen sah Die Stunde, zu fliehen aus Cordova, Nahm er seine Bücher und all' sein Gold Und vergrub, daß Niemand sie finden sollt' Bon dem ihm verhaßten Würgergeschlechte, Sie hier im Banne der dunkeln Nächte. Dann bestieg er sein Maulthier, nahm mit in die Weite Zillah, sein Weib, unv zum trauten Geleite Rahel, sein Töchterlein, Menaffeh, den Sohn, Und zog in die Fremde, die Ferne davon. III. Der greise Flüchling sah nimmer wieder Die Zinnen von Cordova. — Seine Brüder