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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-20 · Heft 47 (20.11.1877) · p. Seite 749

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 47 (20.11.1877)
Date
1877-11-20
Page
Seite 749 (sequence 9)
Language
German
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749 und Kranken der jetzt in Bulgarien kämpfenden rumänischen Armee vortreffliche Dienste leisten. Herr Dr. Stavresco, der oberste Chef der meisten dieser Aerzte, weiß bei jeder Gelegenheit diese so thätigen, intelligenten und gehorsamen (obgleich jüdischen) jungen Leute nicht genug zu rühmen. Der Herr vr. Davila, der Geueralinspector des Krankendienstes in der Armee, ist mit den Leistungen dieser jüdischen Herren und besonders des l)r. Cacciu, so zufrieden, daß er in Uebereinstimmung mit dem Herrn vr. StavreSco für diesen jüdischen Arzt die Medaille für militärisches Verdienst gefordert hat. Ich hoffe in Kurzem das Vergnügen zu haben, Ihnen diese Nachricht als Factum mittheilen zu können. — Unsere christlichen Landsleute erkennen diese Dienste, die von den israelitischen Soldaten und Aerzten mit Gefahr ihres Lebens geleistet werden, und sie zeigen sich zufrieden mit den Opfern an Blut und Geld, welche unsere Glaubensgenossen mit so viel Edelmurh unv Selbstverleugnung auf dem Altar des Vaterlandes bringen. Sie versprechen feierlich, dies uns zu vergelten und nicht mehr die schreiende Ungerechtigkeit aufrecht zu erhalten, uns als Fremde in unserem Heimathlande zu betrachten. Wir werden bald sehen, ob sie Wort halten. Mittelasien (Tartarei.) Koustavttnopel, 20. October. Man schreibt der „Presse": „Die drei mittelasiatischen Khanate Khiwa, Bokhara und Khokand scheinen im 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung das asiatische Eldorado der Juden gewesen zu sein, denn mit Ausnahme der Provinz El Jemey im südlichen Arabien, findet sich in ganz Asien keine Gegend, die eine solche zahlreiche und dabei zugleich wohlhabende jüdische Bevölkerung aufzuweisen hätte, wie die drei genannten Khanate. So besitzt das Khanat Khiwa mehrere jüdische Gemeinden, wovon die in der Hauptstadt des Landes die zahlreichste ist, die sogar mit Astrachan und Täbris in Persien in Handelsverbindung steht. Nicht minder zahlreich sind sie im Khanate Bokhara, wo in der gleichnamigen Hauptstadt allein bei 9000 Juden wohnen, die vierzehn Synagogen besitzen und notorisch die besten und größten Seidenfabrikanten und Edelstein- Händler Mittel-Asiens sind. Die jüdische Gemeinde in der Hauptstadt Khokand selbst ist das ultima Idole der Kinder Israels in Mittel-Asien, da östlich, nördlich und südlich über diese Stadt hinaus in ganz Asien kein Jude mehr anzutreffen ist. (??) Ihre Muttersprache ist heute das Tadschik, doch sprechen sie fast alle nebst dem Hebräischen auch das Türkische, das in Mittel-Asien sehr verbreitet ist und noch in Kafchgar verstanden wird. Ihr Ritus gleicht vollständig dem der Juden in Bokhara. Ueberhaupt scheint die jüdische Gemeinde in letzterer Stadt in Bezug auf religiöse Angelegenheiten die tonangebende, denn in den Gebetbüchern der letzteren findet sich sehr oft der PaffuS: „So ist der Gebrauch in der heiligen Gemeinde Bokhara, die bis zur Ankunft des Messias fortdauern möge!" Der Havpterwerbszweig der Juden in der Stadt Khokand ist der Edelstein- und der Speditioushandel, und soll es daselbst jüdische Geschäftshäuser geben, die mit dem Innern Chinas in geschäftlichen Verbindungen stehen. Jakub Beg, der letzthin verstorbene Beherrscher von Kafchgar, hatte es sehr gern gesehen, wenn sich einige jüdische Familien aus Khokand in seiner Hauptstadt niedergelassen, doch der Rabbiner in letzterer Stadt beschwor seine Gemeinde-Angehörigen, nie in das Land der „Schwarzen" (Chinesen) zu gehen und sich daselbst zu verunreinigen. Bemerkenswerth ist noch, daß die Juden in Khokand das Postwesen in diesem Lande eingeführt haben, und bettieben sie es auch bis zur Annexion des Khanats durch die Russen." Bonn, 11. November. (Notizen.) Wie man auS Pest schreibt, wird Herr vr. Kayserling auch in diesem Winter öffentliche Vorlesungen über die Geschichte des Judenthums halten. Ein Counts hat sich gebildet, das die nöthigen Veranstaltungen besorgt; der Besuch der Vorlesungen ist unentgeltlich, wird jedoch durch EintrittsbilletS geregelt. In den diesmaligen Vorlesungen werden daS 18. Jahrhundert, insbesondere Mendelssohn und die Bewegungen des gegenwärtigen zur Besprechung kommen. — Nach dem Octoberhefte des Bulletin der Alliance israelile universelle sind bei ihr zur Unterstützung der durch den Krieg verunglückten türkischen Juden die Summe von 177,744 Francs eingelaufe». Späterhin wird wohl auch ein Rechenschaftsbericht über die Verwendung dieser Gelder veröffentlicht werden. — Man schreibt uns aus Schweidnitz vom 9. d. (allerdings sehr verspätet!): Am 26. August d. I. feierte die hiesige israelitische Gemeinde die Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Bier Jahrhunderte sind es her, daß die damals blühende jüdische Gemeinde aus ihrer Vaterstadt vertrieben und ihr damaliges Gotteshaus von der Kirche in Besitz genommen wurde. Als sich dann in späteren Zeilen wieder eine Gemeinde bildete, behalf sich dieselbe zur Abhaltung des Gottesdienstes mit gemietheten Localitäteu, welche sehr wenig der Würde eines Bethauses ensprachen. Um so schöner und prachtvoller erhebt sich das neue Gotteshaus als eine monumentale Zierde unserer Stadt auf einem nach allen Seilen hin fteien Platze. Es ist nach einer Zeichnung des kövigl. Bauraths Oppler zu Hannover im romanischen Style als reiner Rohbau ausgeführt und macht in seinem Innern einen gleichmäßig fteundlich-anmulhigen und feierlich-erhebenden, zur Sammlung und Andacht besonders geeigneten Eindruck. Wenn man bedenkt, daß die hiesige Gemeinde nur aus ca. 60 Familien, worunter nur wenig besonders begüterte, besteht, so ist deren Opferwilligkeit hoch zu schätzen. Bor Allem aber beachtenSwerth als schönes Zeichen der Zeit ist die warme Theilnahme und thätige Beihülfe, welche uns von Seiten unserer christlichen Mitbürger allseitig entgegengebracht wurde. So war unter Anderem die Beiheiligung an der für den Synagogenbau veranstalteten Lot- 47

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