Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1877)
- Date
- 1877-11-20
- Page
- Seite 748 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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748 schließen und die Juden zu zwingen, ihre Todten auf dem allgemeinen Gottesacker in Reih und Glied zu bestatten, hat der Bürgermeister in keiner Weise erwiesen, ja sogar nicht einmal erwähnt. Denn Alles, was er in der langen Rede über die Petition des jüdischen ConsistoriumS sagt, beschränkt sich auf die Worte: „Man begreift, daß die israelitische Gemeinde, die bis jetzt einen confessionellen Begrabnißplatz hatte, aufgeregt ist über die Veränderung, die in ihre Lage gebracht worden." Dies ist Alles, womit die jüdische Gemeinde abgespeist wird. Hiermit scheint aber der Bürgermeister einzugestehen, daß er den an der jüdischen Gemeinde verübten Gewaltakt im Grunde gar nicht zu vertheidigen wiffe. Denn es frägt sich immer: ob selbst die Consequenz seines Princips nicht vor dem Rechte des Privateigenthums stehen bleiben mußte, sobald daflelbe nach keiner Seite hin eine allgemeine oder private Schädigung enthält? Dagegen würde die wirkliche Consequenz auch verlangen, daß alle confessionelle Gotteshäuser geschlossen wurden, da in einigen derselben priesterliche Uebergriffe verkommen, und daß dafür ein Staatstempel errichtet werde, in welchen alle Bürger hineingehen müssen! Es ist nicht unwahrscheinlich, daß mit der Zeit auch diese Forderung hier auftritt, und zu diesem Zwecke hätte man ja schon die Freimaurerloge bereit. Nicht einmal der Umstand wird berücksichtigt, daß Biele ihre Eltern, Kinder, Galten oder Gattinnen auf dem jüdischen Friedhofe bestattet haben, welche von der Sehnsucht erfüllt sind, dereinst neben den Resten ihrer Lieben die Ruhestätte zu finden. Man schließt die Pforten des Friedhofes in brutaler Weise mit Einem Male und weist jedes Gesuch ab. So tief dies nun in der hiesigen Gemeinde gefühlt wird, so darf man doch nicht glauben, daß dieselbe eine nachdrückliche Opposition verfolgen werde. Denn mit nur einigen Ausnahmen sind die Spitzen der Gemeinde voller Furcht vor den Liberalen, namentlich die, welche irgend ein Amt bekleiden, das von liberalen Wählern abhängt. Diese zittern vor dem Vorwurf der Liberalen, daß die Juden ihren väterlichen Sitten anhänglich seien. Bon dieser Seite haben wir daher nichts zu hoffen. Großbritannien. London, im November. (Privatmitth.) Die Anglo-Jewish Association hat soeben Nr. 1 eines monatlich erscheinenden summarischen Berichtes über ihre Thätigkeit veröffentlicht. Die vorliegende Nummer bezieht sich auf die letzte Nummer vom 15. October. Der Verein bemüht sich, in den englischen Colonien sich auszubreiten, und ist ihm dies in Sydney, Melbourne und der Capstadt gelungen. Die Hauptthätigkeit des Vereins ist jetzt ebenfalls auf den Kriegsschauplatz in der Türkei gerichtet und sammelt er eifrig, um Mittel zur Abhülfe der Noch zu erlangen. In Bagdad hat er die Mittel hergegeben, um der jüdischen Schule einen Lehrer der englischen Sprache einzuverleiben. Jüngst war das geistliche Oberhaupt von Marokko zu einem Besuche in England. (Bekanntlich ist dieser Abkömmling Mohammeds ein sehr sonderbarer Heiliger, mehr den europäischen als den mohammedanischen Sitten zugeneigt, unv dennoch von den Marokkanern verehrt, weil seine Abkunft durch nichts getilgt werden könne. Redact.) Der Verein sandte eine Deputation zu ihm, wobei die üblichen Vorstellungen und Verheißungen ausgewechselt wurden. Türkei. Wie», 7. November. Nach einem soeben der „Israelitischen Allianz zu Wien" aus Konstantinopel zugegangenen Telegramme waren die von derselben aus Bukarest über Orsowa, Mohacs, Fünfkirchen, Kanizsä und Triest dahin beförderten 338 Flüchtlinge aus Kazanlik im besten Zustande dort angekommen, wurden herzlich empfangen unv bei den israelitischen Einwohnern untergebracht. Rumänien. Bukarest, 4. October. (Are!,, isr.) In der rumänischen Armee, welche vor Plewna steht und 36,000 Mann zählt, sind' auch ungefähr 600 Israeliten, die ihrem Vaterlande ebenso viel Ehre machen wie ihre christlichen Kameraden. Es sind auch zwei jüdische Officiere darunter, der Hauptmann Raimann Hecht und der Unterlieutenant Mauriciu Brociner. Dieser Letztere erhielt, während er hervorragende Beweise seiner Tapferkeit vollbrachte, zwei Wunden. Ohne diesen Unfall wäre er es gewesen, welcher zuerst die rumänische Fahne auf dem Fort Grivitza aufgepflanzt hatte, wie er als der Erste an der Spitze des Bataillons, das er befehligte, bei dem Angriff die steinernen Mauern dieses furchtbaren Forts erstiegen hat. In Anerkennung seiner musterhaften Tapferkeit hat der Fürst Karl ihm den Orden „Stern von Rumänien" verliehen und ihm den Titel des Ritters dieses Ordens ertheilt. Aber wenn unter den israelitischen Officieren Herr Brociner im Augenblicke der Einzige ist, der sich derart ausgezeichnet hat, verhält es sich nicht so mit den Soldaten; im Gegentheil, unter diesen Letzteren sind die Auszeichnungen sehr zahlreich; fast ein Drittel sind zu Corporalen, Sergeanten und Obersergeanten ernannt worden; einige, wie Herr Leizer, Corpora! im 8. Linienregiment, und noch andere, deren Namensangabe ich mir noch Vorbehalte, sind ebenfalls mit dem „Stern von Rumänien" decorirt worden. In den Ambulanzen spielen die Israeliten ebenfalls eine wichtige Rolle. Unter den Aerzten, die sich am aufopferndsten in diesem anstrengenden Dienste gezeigt haben, kann ich in erster Linie den bedeutenden Arzt von der Pariser Facultät, Herrn Dr. Alexander Cacciu, nennen. Dann kommen die Herren Leben, Tüchten, Weinberg, Apotecker, Js. Usiel, I. Hasan, I. Friedmann, Fzuri, L. Jarchis, Z. Emmanuel, Erdreich, M. Goldenberg, Westfried, Barasch, Jaslovitz, unv Andere, deren Namen ich mich nicht erinnere, welche als Studirende der Medicin den Verwundeten