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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-20 · Heft 47 (20.11.1877) · p. Seite 747

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 47 (20.11.1877)
Date
1877-11-20
Page
Seite 747 (sequence 7)
Language
German
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747 beizuführen, event. mir weitere Anträge zu machen, um im Einklang mit der oben gemachten Eröffnung zu diesem Ziele zu gelangen. An den Lehrer Oppenheim rc. Der Oberpräsident rc. Ich glaube, daß dieses Schriftstück allgemeines Interesse hat und vielleicht die westphälischen Gemeinden anregt, die Rabbinatsfrage aufzunehmen. Oppenheim, Lehrer. B0NU, 9. November. (Privatmittheil.) In der jüngsten Zeit hat, wie unsre Leser aus den öffentlichen Blattern genugsam erfahren haben, ein Vorgang viel Staub aufgewirbelt, der den hier domicilirten „deutschen Verein" betroffen. Er hatte einen sehr zweideutigen Sendling ausgeschickt, um in der Provinz Thatsachen zu erkunden, welche die etwa ultramontan gesinnten Beamten nach deren geheimen Wirken an's Licht ziehen sollten. Dieser Sendling, vr. Konitzer, machte sich eines Erpreffuugsverfuches schuldig und wurde strafgerichtlich verurtheilt. Hierauf wurde von vielen Seilen der gedachte Verein des Spionirens und Denuncirens beschuldigt. Die ultramontane Preffe besonders bot alles Mögliche auf, um den deutschen Verein des ehrlosesten Zweckes und Verfahrens zu bezichtigen, und ihn auf diese Weise zu sprengen. Das Centrum brachte die Sache auch vor das Abgeordnetenhaus. Es ist nun hier nicht unsre Aufgabe, die Sachlage naher zu untersuchen und den deutschen Verein zu rechtfertigen oder zu verurtheilen. Glücklicherweise vermochten die Ultramontanen in diesem Falle auch nicht im Enfferntesten, die Juden hineinzuziehen. Was wir jedoch unsrerseits hervorheben wollen, ist die Frage an die Ultramontanen, ob sie nicht längst ein gleiches Verfahren geübt haben und üben? Wir wollen nicht an das System erinnern, das sie gegen alle katholischen Priester und Laien, die ihnen irgendwie verdächtig erscheinen, den Staatsgesetzen zu gehorchen, anwenden — aber haben sie nicht daffelbe auch gegen die Juden zu practiciren versucht? Hat nicht die „Germania" Alle aufgefordert, welche irgend eine ungerechte Handlung irgend eines Juden in Erfahrung bringen, ihr darüber Bericht zu erstatten oder doch Kunde zu geben? Heißt dies nicht zum Spioniren und Denunciren auffordern? Heißt dies nicht ein Neben-Gericht errichten? Over halten die Ultramontauen von der Moral gegen die Juden gestattet, was gegen sie selbst gerichtet unsittlich und ehrlos wäre? Glücklicherweise blieb das Manöver der „Germania" ohne Erfolg. Außer von einem oder zwei Hetzcaplanen erhielt sie keine Berichte und keine Kunde, mußte ihr Tribunal als gegenstandslos aufgeben. Die Juden hatten ihrerseits ebenso verfahren und z. B. wo irgend unter den vielen achtungswerthen katholischen Priestern sich einer oder der andere einer unmoralischen Handlung schuldig gemacht, Berichte darüber sammeln und veröffentlichen können. Aber es ist hieran nicht einmal ein Gedanke aufgekommen. Die Sünde des Einen rechtfertigt die Sünde deS Anderen nicht. Aber man darf seine eigene üble Gewohnheit nicht vergeffen oder daran vergessen machen, wenn man sie auf der anderen Seite zu gewahren vermeint. Es ist dies auch nicht sehr klug, und so müssen sich die Ultramontanen gefallen lassen, daß man sie an ihre eigenen Vergehen erinnert. Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. November. (Privatmitth.) Der jüdische Religionsunterricht wird immer mehr decentralisirt. Es sind nun in sämmtlichen Staatsmittelschulen und in den Volks- und Bürgerschulen mit Ausnahme in der innern Stadt jüdische Religionslehrer bestellt. Die ersteren werden vom Staate, und zwar ehrlich gestanden, schlecht genug, und die letzteren von der jüdischen Gemeinde besoldet. In der Religionsschule der Gemeinde erhalten jetzt nur noch Unterricht jene Schüler und Schülerinnen, welche die Volks- und Bürgerschulen in der innern Stadt besuchen, deren Zahl allerdings nicht geringe ist nrrby 'i spv\ ferner die Schüler der Communalmittelschulen, mit Ausnahme des Real-Obergymnasiums in der Leopoldstadt, und die Lehramts- Candidaten und Candidatinnen. Demnächst findet, wie alljährlich, die partielle Neuwahl des Vorstandes statt. Außer den 5 ausgelosten Mitgliedern, die ohne Zweifel wieder gewählt werden (da überhaupt in dieser Richtung jetzt kern besonderes Echauffement besteht), soll auch eine Neuwahl an Stelle des Herrn Baron Königswarter, der jüngst zuruckgetteteu ist, stattfinden. Ich theile nicht durchwegs die religiösen Ansichten des genannten Freiherrn; nichtsdestoweniger bedauere ich lebhaft seinen Austtitt aus dem Vorstände. Er hat ein warmes Herz für Juden und Judenthum und vertritt mit Ernst und Eifer die Gemeindeangelegenheiten. Es sind das Eigenschaften, die heute mehr als sonst gewürdigt werden müssen. Die „Neue freie Preffe" bringt eine Notiz über eine Audienz, welche eine Deputation böhmischer Rabbinen beim Minister für Cultus und Unterricht hatten. (S. Nr. 46). Dieselbe ist sehr rosig gefärbt. Meinen Informationen nach liegt die Sache nicht so. Vielleicht gestatten Sie mir, auf diese Angelegenheit ausführlicher zurückzukommen. Belgien. Brüssel, 7. November. (Privatmitth.) Die Rede des hiesigen Bürgermeisters, Herrn Anspach, über die Friedhvfsfrage in der Sitzung des städtischen Gemeinderaths liegt jetzt wörtlich abgedruckt in der luüLpenclsuce beige vom 1. d. vor, und bestätigt alles Das, was wir über dieselbe in unserer letzten Correfpondenz ausgesagt. Sie beweist nichts, als daß die Uebergriffe der katholischen Geistlichkeit in Begrabnißangelegenheiten einen allgemeinen Friedhof nothwendig machen, aus welchem der Geistlichkeit jeder Einfluß entzogen ist. Das Recht und die Nothwendigkeit aber, den jüdischen Friedhof, das Privateigenthum der jüdischen Gemeinde, der seit so langer Zeit in rechtmäßigem Gebrauch ist und niemals zu Beschwerden Veranlassung gegeben, diesen zu

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