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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-20 · Heft 47 (20.11.1877) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 47 (20.11.1877)
Date
1877-11-20
Page
Seite 744 (sequence 4)
Language
German
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744 gegeben zu haben. Dieses Verdienst unsres Autors erkennen wir gern an, wenn er sich auch einseitiger Anschauung nicht immer entziehen konnte, und dies namentlich dem Judenthume gegenüber in auffälliger Weise gethan hat. (Schluß folgt.) Ei« Zusatz zu Virchow's Rede. Wenn Virchow in der von uns besprochenen Rede gezeigt hat, daß all' die vermessenen Theorien über die Entstehung der Geschöpfe auf unsrem Erdball nichts als ungelöste Probleme sind, da weder der Uebergang vom Unorganischen zum Organischen, noch eine Keneratio seguivoea nachweisbar ist, und alle Versuche eines Nachweises gescheitert sind, auch jeder Entwickelungsübergang vom Affen und einem anderen höheren Wirbelthiere zum Menschen unfindbar ist, also nichts weiter übrig bleibt, als auch naturwisienschaftlich eine Schöpfung anzunehmen — so gilt dasselbe von den, früher und gegenwärtig ausgedachten Theorien über die Entstehung des Weltsystems. Alle, auch auf die neuesten Beobachtungen, z. B. durch die Spectral-Analyse gebauten Hypothesen, sowohl die Nebulartheorie, welche seit Kant so viel ventilirt worden, als auch die Agglomerationstheorie findet immer wieder in anderen Thatsachen einen solchen Widerspruch, daß sie aufgegeben werden muß. Zuletzt zeigt es sich stets, daß jede dieser Theorien nur einen etwaigen Entwickelungsgang der einzelnen Weltkörper anzudeuten vermöge, schließlich aber die Grundlage einer schon vorausbestehenden Weltordnung fordert, also „die Hand nicht zeigt, welche die Gestirne an die Tangente ihrer Bahn geworfen." Also auch hier bleibt der jetzigen Naturwissenschaft nichts übrig, als die Schöpfung durch Gott anzunehmen und zu bekräftigen! Freuen wir uns dieser Resultate der ernsten und strengen Wissenschaft, welche unsre, an sich unerschütterliche religiöse Ueberzeugung bekräftigen und zu ihr zurückführen! Andrerseits bestätigt hier die Erfahrung abermals, daß die Freiheit das beste Correctiv ist, da die freie Forschung schließlich auch die skeptischesten Theorien, mögen sie Anfangs noch so viel Geräusch gemacht haben, widerlegt und als geistreiche Jrrthümer bezeichnet, die immerhin für die Wissenschaft einzelne Erfolge abwerfen. Literarischer Wochenbericht. Aachen, 7. November. fileiforrüs vagyis Mözesi Vallüstan . . . irta Deutsch Henrik . . . (Lebensquelle der mosaischen Religionslehre von Heinrich Deutsch, Director der iSrael. Lehrerpräparandie zu Budapest. 1877). Das vorstehend angezeigte, in ungarischer Sprache geschriebene Lehrbuch des als Gelehrter und Schulmann rühmlichst bekannten Verfassers, verdient auch in außerungarischen Kreisen Beachtung und Würdigung. In knapper aber frischer und lebhafter Sprache entwickelt der Verfasser in logischer und systematischer Aufeinanderfolge die Grundlehren des Judenthums, wie sich ihm dieselben durch originale Studien der Bibel, des Talmuds und der jüd. Religionsphilosophen ergeben haben. Man merkt dem Buche — für ein Schulbuch zuweilen zu stark — an, daß der Verfasser kein Compilator moderner Bücher desselben Inhalts und derselben Tendenz ist, sondern selbstständige Forschungen auf dem weiten Gebiete der jüd. Religionswissenschaft gemacht hat. Rühmenswerth muß hervorgehoben werden, daß die Belege und Citate, die das Buch in reichlichem Maße enthält, sich nicht auf die Bibel allein beschränken, sondern auch das spatere jüd. Schriftenthum berücksichtigen und dergestalt den Schüler auch mit dem Geiste der leider noch immer zu wenig beachteten nachbiblifchen jüd. Literatur einigermaßen vertraut machen. Allerdings hätten wir gewünscht, daß die Citate weniger breit und ausführlich wären angeführt worden, da es ja für den Lernenden ermüdend sein muß, ein nicht selten seitenlanges Citat wortgetreu zu memoriren. Auch hätten wir die gelehrten Noten und Anmerkungen „unter dem Strich", die ja für den wissenschaftlich gebildeten Theologen von Interesse und Werth sein mögen, in einem Schulbuche lieber vermißt. In dem Verfasser scheint der Conflict zwischen dem Gelehrten und Lehrer nicht zum Austrag gekommen zu sein. Diese geringen Mängel können aber die großen Vorzüge des Buches durchaus nicht beeinträchtigen. Die früher beliebte Eintheilung in Glaubens- und Pflichtenlehre mit den Unterabtheilungen in Pflichten gegen Gott, gegen den Menschen u. s. w. ist mit Recht vom Verfasser verworfen worden. Aus dem Begriff Gott ergiebt sich in folgerichtiger Ableitung auch die Sittenlehre und wird daher die Religionslehre in Gotteserkenntniß und Gottesdienst, also in theoretische und praktische Religion, eingetheilt. Wir wünschen dem Buche, welches für die reifere Jugend berechnet ist und sich durch ernste und tiefe Auffassung des Judenthums auszeichnet, die wohlverdiente Anerkennung und^Derbreitung unter der ungarischen Judenheit, deren gesunde religiöse Entwickelung in hohem Maße von der Benutzung gediegener Lehrbücher, wie es das besprochene ist, abhängt. H. J. Sbetfcou^i 6uxxcßt4/cJkdt. Deutschland. Berlin, 9. November. Die Minister des Innern und der Justiz haben unterm 21. v. M. unter Abänderung der Bestimmungen vom 15. Februar v. I. diejenigen Tage festgesetzt, an welchen jüdische Gefangene nicht zur Arbeit angehalten werden sollen. Außer den Sabbathen sollen sie an 14 näher aufgeführten Feiertagen wider ihren Willen nicht zur Arbeit ange-

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