Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1877)
- Date
- 1877-11-13
- Page
- Seite 736 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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736 christlichen Examinanden gefordert wird, auch die jüd. Candidaten in der Religion eine Prüfung für das Zeugniß über erlangte allgemeine Bildung ablegen. — Auch diese These wird angenommen. — Nachdem darauf der Ref. noch einmal hervorgehoben, daß die in diesen Thesen angegebenen Gesichtspunkte nicht etwa alle unumgänglich nothwendige Forderungen seien, ohne die ein Gesetz abgelegt werden müßte, sondern nur die Grenzen angeben sollen, innerhalb deren die Beurtheilung des betreffenden Gesetzentwurfs auf jüd. Seite sich zu bewegen habe, wird dieser Punkt der Tagesordnung für erledigt erklärt, und Dr. Cohn- Kattowitz erhält das Wort zu seinem Referat über „Gymnasium und Religionsschule". — Redner erklärt, daß ihn zur Wahl seines Themas die hier und La laut gewordene Meinung bestimmt habe, als seien diejenigen, welche die Aufnahme des Unterrichts in jüd. Religion unter die obligatorischen Lehrgegenstände der höheren Schulen anstrebten, Gegner der sog. Religionsschulen. Das sei ein unseliges Mißverständniß. Im Gegentheil glaubt Redner im Sinne aller Collegen die Erklärung abgeben zu dürfen, daß die Religionsschule auch nach Erreichung des Ziels der Petenten ihre hohe Aufgabe, die Vorbereitung der jungen Gemeindeangehörigen für den israelitischen Cultus, ungeschmälert behalten und der Erfüllung derselben um so ungestörter obliegen werde. Dagegen werde erst durch den Unterricht in höheren Lehranstalten dem längst empfundenen Bedürfniß genügt werden können, den gebildeteren Theil der Judenheit einen der jedesmaligen Bildungsstufe entsprechenden wisienschaftlichen Unterricht in gesonderten Elasten zu gewähren. — In ähnlichem Sinne äußern sich Heckscher-Ralibor, Badt-Breslau und Samuelsohn- Breslau. Eine Resolution Badt's, welche es für wünschenswerth erklärt, daß die höhere und die Religionsschule durch einen einheitlichen Lehrplan sich gegenseitig in die Hände arbeiten, wird angenommen. Auf den Vorschlag von Horowitz-Gnesen werden Samuelschn, Bäck und Badt beauftragt, der demnächst abzuhaltenden Versammlung den Entwurf eines solchen Lehrplans vorzulegen. Es referirt darauf Cohn - Oels über Lehrbücher. — Der Redner glaubt auf die Beurtheilung der einzelnen für den an höheren Schulen noch jungen Unterricht theils mehr, theils minder geeigneten Lehrbücher nicht näher eingehen zu dürfen, weil die Ansichten der Einzelnen über dieselben schwerlich in Einklang zu bringen sein dürften. Trotzdem glaube er eindringlichst im Jntereste der einheitlichen Gestaltung des Unterrichts an gleichartigen Lehranstalten die einheitliche Wahl der Lehrbücher, beziehungsweise Leitfaden empfehlen zu müsten. Er setzt den mannigfachen Nutzen solcher Einrichtung auseinander. Um aber der Gefahr zu entgehen, daß durch die der Natur der Sache nach nicht immer sachverständige Staatsbehörde auf Grund eines einseitigen Referats die Benutzung sonst zweckdienlicher Bücher untersagt werde, empfehle sich die Schaffung einer Autorität, deren Votum den Behörden gegenüber ein maßgebendes werde. Eine an diesen Punkt sich knüpfende Besprechung des bekannten auf das Herxheimer'sche Buch bezüglichen Leobschützer Vorgangs beweist, daß der Redner mit Recht von der Beurtheilung der Lehrbücher vorläufig abgesehen hat. Es tritt besonders Di*. Wiener-Oppeln mit warmen Worten für das angegriffene Buch ein, während von einem andern Redner der Nachweis der Berechtigung des regierungsseitigen Verfahrens unternommen wird, unter Hinweis auf einen in diesem Buch enthaltenen Paffus, durch welchen den jüdischen Rabbinen mit den Lehren des Judenthums unverträgliche Befugniffe zugesprochen werden. Nachdem noch andere Lehrbücher erwähnt worden, beschließt die Versammlung auf Antrag von Brann-Breslau die Wahl einer Commission, welche nach Prüfung der vorhandenen Lehrbücher der jüdischen Religion und Geschichte der nächsten Versammlung über dieselben Bericht erstatten solle. Der Referent und der Antragsteller werden mit diesem Amte betraut. Wegen vorgerückter Zeit beschließt die Versammlung das als letzten Gegenstand der Tagesordnung in Aussicht genommene Referat über die Simultanschule von der heutigen Tagesordnung abzusetzen und auf die nächste Versammlung zu verschieben. Es folgt allerlei Geschäftliches, Nach Wiederwahl der bisherigen Mitglieder res geschästsführenden Comitös, Badt-Breslau, Cohn-Kattowitz, Cohn-Oels, Horowitz-Gnesen und Rosenthal- Bemhen, wurden auf Antrag Samuelsohn's für künftige Versammlungen die Pfingstferien als die geeignetste Zeit in Aussicht genommen. — Als Norm für die künftigen Versammlungen beantragt Brann-Breslau, daß die Referenten die Resultate ihrer beabsichtigten Referate, in kurze Thesen zusammengefaßt, dem Vorsitzenden des Comilös so zeitig zusiellen, daß sie durch denselben mindestens 14 Tage vor der Zusammenkunft den Theilnehmern der Versammlung mitgetheilr werden können. Etwaige Aenrerungsaulräge zu diesen Thesen müsten in der Regel spätestens am Tage vor der Hauptversammlung schriftlich beim Vorsitzenden eingereicht werden. — Auch dieser Antrag wird angenommen. Desgleichen ein von Cohn-Kattowitz gestellter Antrag, die Versammlung möge beschließen, daß das Comits mit dem von der Posenfchen Provinzial-Rabbinerversammlung behufs Ausarbeitung einer Denkschrift über die an das Unterrichtsgesetz zu stellenden Forderungen ernannten in Verbindung trete. — Der Vorschlag des Vorsitzenden, daß zur Bestreitung der laufenden Kosten jeder Theilnehmer 3 Mark beitrage, wird gleichfalls angenommen. — Ferner ein Antrag. den der Vorsitzende im Namen des abwesenden vr. Landsberg-Liegnitz einbringt, durch besten Annahme die Anwesenden sich verpflichten, nach Kräften die Bestrebungen der All. isr. Univ. zu unterstützen. — Nachdem der Vorsitzende der Versammlung für das rege Äntereste, das dieselbe allen Theilen der Verhandlungen mit anerkennenswerther Ausdauer 8 Stunden hindurch bewiesen habe, gedankt und die Hoffnung ansgesprochen, daß so viel Mühe und Eifer gewiß nicht ohne Erfolg bleiben werde, ehrt die Versammlung