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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-13 · Heft 46 (13.11.1877) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 46 (13.11.1877)
Date
1877-11-13
Page
Seite 737 (sequence 13)
Language
German
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737 auf Vorschlag von Cohn-Oels den Vorsitzenden durch Erheben von den Sitzen. Die Versammlung wird darauf um 7 Uhr Abends geschloffen. Vermischtes. Das Werk von Jules Cohen über den Pharisäismus findet auch in Frankreich vielen Beifall. So enthält die „Revue polilique et litieraire“ Nr. 5 einen sehr anerkennenden Bericht über daffelbe und meint, daß es noch zu vielen weiteren Untersuchungen veranlassen werde, jedenfalls aber durch Inhalt und Form feffele. Wahrhafte Nächstenliebe. Ein greiser Großprobst aus dem Alföld — erzählt „Magyar Hiradü" — nahm heute Audienz bei Sr. Majestät dem Könige, um Gnade für einen Juden flehend, welcher zu einjährigem Kerker verurtheilt wurde. Der Großprobst trug dem König vor, er kenne den Berurtheilten seit 30 Jahren als braven, ehrlichen Menschen. Se. Majestät befragte den Bittsteller auf das Eingehendste und war sichtlich angenehm überrascht von dem schönen Charakterzuge des katholischen Prälaten. Rückerls Gedicht: DaS Bäumchen, daS andere Blätter hat gewollt. Wir erhalten aus Neu-Berbäsz folgende Zuschrift: In Nr. 32 dieser Zeitung klagt Herr Rabbiner vr. Cohn in Oels mit Recht über die noch immer in den Lese- und Schulbüchern vorkommenden Juden gehässigen Stellen, welche in Staaten der Gleichberechtigung in der Schule nicht verkommen sollten, und citirt als Beispiel das bekannte Rückert'sche Gedicht. Es freut mich nun, hier mittheilen zu können, daß in dem vom ungarischen Cultus- und Unterrichtsministerium preisgekrönten, ungarisches StaatSeigenthum bildenden, in unzähligen Exemplaren verbreiteten ungarischen und deutschen Lesebuche für die 3. Claffe der Volksschulen der gerügte Ausdruck des Rückertschen Gedichtes im Deutschen mit „Bettler", im Ungarischen mit „vandor“ (Wanderer) wiedergeben ist. Es würde mir zu großem Vergnügen gereichen, wenn diese meine Angabe dazu beitrüge, daß dieses Beispiel auch anderwärts Nachahmung fände. Sal. Blum, Oberlehrer. dismus seinen düsteren Schatten geworfen hatte, ein Töchterlein geboren; bald folgt ein zweites, ein drittes. Der Mann, der' sich aus dem schweren Kampfe gegen die Nacht nichts gerettet hat, als eine heiße Sehnsucht nach dem Lichte, gelobt an der Wiege seiner Kinder, sie dem ausschließlichen Dienste der Wissenschaft zu widmen. Glücklicherweise erfreuen sich die Heranwachsenden, wie auf Commando, seltener Talente und eisernen Fleißes. Eines der Mädchen nach dem andern begann im neunten Jahre die Gymnasial-Studien als Privatistin. Die Aelteste bestand im siebzehnten Jahre die Maturitäts-Prüfung „mit Auszeichnung". Die junge Abiturientin wendete sich zum Studium der Arzneikunde, und es wurde ihr durch unsägliche Opfer seitens der Eltern und Verwandten während zweier Jahre der kostspielige Aufenthalt an der Hochschule zu Bern ermöglicht. Da versiegten plötzlich die Hilfsquellen und es schien wünschenswerth, das Studium in Wien fortzusetzen, wohin die Eltern inzwischen übergesiedelt waren. An der hiesigen Universität halten einige Ausländerinnen als außerordentliche Hörerinnen stillschweigend Duldung gefunden; neben ihnen erhielt das stille bleiche Mädchen ungehinderten Eintritt in den Hörsaal wie in die Leichenkammer. Jede freie Tagesstunde widmete die Studentin dem Unterrichtgeben, um den Eltern die Sorge für das tägliche Brod zu erleichtern. Da decretirte im letzten Frühjahre ver akademische Senat Wiens, daß Frauen fortan hier auch nicht mehr als außerordentliche Hörerinnen geduldet werden sollten. Das Mädchen hatte sich in den besten Kreisen warme Freunde, eifrige Beschützer erworben. Man verwendete sich für sie vergebens, und jetzt fährt sie wieder nach ver Schweiz, um in Bern ihr achtes Semester unter neuen Verhältnissen, neuen Sorgen zu beginnen. Die zweite Schwester wurde an der jungen Hochschule zu Czernowitz nach abgelegter Maturitäts-Prüfung regelrecht an der philosophischen Facultät immatriculirt, als erste akademische Bürgerin Oesterreichs. Zum Unglücke wird ein Preis für eine wissenschaftliche Arbeit ausgeschrieben, sie erringt ihn und zieht dadurch die Aufmerksamkeit maßgebender Persönlichkeiten auf das bedenkliche Factum, daß ein Mädchen Philosophie studire. Die Alma mater zu Czernowitz hat nun beschlossen, vorerst keine neuen Frauen mehr zu immatriculiren. Das ist eine sehr ermulhigende Zugabe zu dem gewonnenen Preise! Die jüngste Schwester geht der Maturitätsprüfung mit dem heiteren Muthe einer Sechzehnjährigen entgegen — wird sich auch für sie eine Universität finden, an der man ihr die Thür weist? Studirende Mädchen. Man schreibt der N. fr. Pr.: Im Jahre 1856 wird einem armen Juden in der Bukowina, über dessen Jugend der Chassi- Eine jüdische Zeitschrift, deren Herausgeber tüchtiges talmudisches Wissen besitzt, leidet durch die Sucht desselben, Fremdwörter zu gebrauchen, ohne ihren rechten Sinn zu verstehen. Es kommt da bisweilen sonderbares Zeug heraus!

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