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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-13 · Heft 46 (13.11.1877) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 46 (13.11.1877)
Date
1877-11-13
Page
Seite 735 (sequence 11)
Language
German
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735 prvjertirt und hier ist der Sitz des Executiv-Comitüs und der Rabbinerschule. Die zur Union gehörenden Gemeinden zahlen einen jährlichen Beitrag von einem Dollar für jedes Gemeindemitglied, gründen und verwalten dem Judenthume gemeinnützige Anstalten, wovon Hcbrew Union College, die Rabbinerschule, zuerst in's Leben gerufen wurde. Im October 1875 wurde das vorbereitende Institut eröffnet, das jetzt in drei Claffen 25 Studenten zahlt. Dieselben sind gehalten, die städtische Hochschule (Gymnasium) oder die Universität zu frequentiren, und erhalten während der acht Schuljahre täglich nach 4 Uhr Unterricht in Hebräisch, Syrisch und Arabisch, Bibel, Talmud, jüdischer Geschichte, Exegetik, Hermeneutik u. f. w., um nach Abgang von der Universität auch die erforderliche rabbinische Bildung zu besitzen. Die drei Unterclaffen sind im Gange, und soll jährlich eine weitere Claffe hinzukommen. Die dritte Claffe treibt jetzt Talmud (mn-in), Mischnah (nri» -no), Bibel ('s':), hebräische und syr. Grammatik, und jüdische Geschichte. An der Spitze der Anstalt steht jetzt 0r. Wise, Rabbiner der Bene Jeschurun Gemeinde, mit zwei Lehrern und vr. Lilienthal, Rabbiner der Bene Israel Gemeinde. Innerhalb zwei Jahren werden zwei Profefforen für die Oberclaffen, einer für Talmud und einer für allgemeine jüdische Literatur angestellr werden muffen. Die Anstalt hat bereits 80,000 Dollars Capital und wird in Bälde im Stande sein, anständig zu honoriren. 14 Studenten werden aus der Unionscaffe unterstützt, darunter erhalten 10 vollkommene Verpflegung, Kleidung und Bücher. Alle städtischen Schulen, Bibliotheken, Zoologischer Garten u. s. w. stehen den Studenten kostenfrei offen. Das christliche Publikum ist besonders günstig für die Rabbinerschule gestimmt, weil keine ähnliche Anstalt in Amerika besteht. YV. Bonn, 4. November. (Notizen). Man schreibt uns aus Marienwerder, den 25. October: Unsere Gemeinde feierte gestern das Fest der 25-jahrigen Wirksamkeit ihres Vorstehers, Herrn Rentier H. Jacoby. Die Vorstandsmitglieder, die Herren Hirschfeld und Hirschberg, in Begleitung des Repräsentantencolleziums beglückwünschten im Laufe des Tages den Jubilar, unter Ueberreichuug einer kunstvoll angefertigten Adresse und eines prachtvollen Tafelaufsatzes, und unter würdigen Ansprachen, auch des Religionslehrers Oppenheim, welchen der Jubilar die tiefgefühlteste Erwiderung zukommen ließ. — Die „B. Z." schreibt: Bor drei Wochen starb in Groß-Strehlitz, 'Oberschlesien, im Hause seiner Tochter, der ehemalige Rabbiner von Pleß, Hirsch Gnttmann, in dem seltenen Alter von 108 Jahren. Länger als ein halbes Jahrhundert wirkte er in Pleß als Seelsorger seiner Gemeinde, und erst vor fünf Jahren, als die mit dem äußersten Greisenalter sich einstellenve Körperschwäche ihn an der Ausübung seines Berufes gänzlich hinderte, trat er vom Platze und zog, der Wartung und Pflege bedürftig, mit einer Pension von monatlich 8 Thalern zu seiner Tochter. Mehr als sechzig Jahre war er alt, aber noch gesund und lebenskräftig, als er sich die absonderliche Buße auferlegte, fortan keinerlei Fleisch oder Fleischspeisen zu genießen. Mehr als einmal, besonders in den letzten Jahren, wo die steigende Abnahme seiner Kräfte nach Aussage der Aerzte eine stärkende Fleischnahrung zur unabweisbaren Nothwendigkeit für ihn machte, trat von Seiten seiner zärtlich besorgten Umgebung die Bitte an ihn heran, bas Gelübde endlich zu brechen — aber er blieb standhaft bei seinem Gelübde. — Man schreibt aus London: Miß Burdett Coutts, eine durch ihre Wohlthätigleit ausgezeichnete christliche Dame hat für die jüdischen Opfer des Krieges 200 L. St. l4000 Mk.) nach Konstantinopel gesendet. Bonn, 4. Nov. (Literarische Notizen). Auch aus San Franzisco kommt uns die Probenummer eines neuen, dort seit einem halben Jahre erscheinenden jüd. Wochenblattes „Ille Progress" zu. Ob das früher dort erschienene „Ilie Jewisli Observer" noch exislirl, wiffen wir nicht. Eigenihümlich ist es, daß dieser „Fortschritt'' damit beginnt, seine ersten beiden Folioseiten mit einer Uebersetzung von Auerbach's „Dichter und Kaufmann" zu füllen, also sich um fast ein halbes Jahrhundert zurück zu datiren. Sein anderer Inhalt ist zum größeren Theil jüd. Dingen, zumeist sehr unbedeutenden, gewidmet, doch schieben sich bereits auch andere hinein, z. B. die Beschreibung des Magens, die Operation rer Blutinfusion u. s. w., natürlich auch keine Originalarbeiten. — Rühmlichst bekannt ist die deutsche Uebersetzung des Koran vom sel. Oberrabbiner zu Crefelv, Pr. Ullmann. Sie ist jetzt in siebenter Auflage erschienen (Bellhagen und Klasing, Bielefeld). Der Uebersetzung sind hier und da zweckmäßige Erklärungen hinzugefügt. — Ernst R6nan hat mit Hülfe A. Neubauer's in den Memoiren des französischen Instituts eine Arbeit über die Werke der französischen Rabbiner des 14. Jahrhunderts veröffentlicht. Feuilleton. Correspondenz. Breslau, 28. October 1877. Fortsetzung des Sitzungsberichts der am 2. und 3. October in Breslau abgehaltenen Versammlungen jüd. Religionslehrer der höheren Lehranstalten Schlesiens und Posens. Die Sitzung wird um 3 Uhr wieder eröffnet. In Fortsetzung der Discusston über die an das Unterrichtsgesetz zu stellenden Desiderren wird eine fernere These des Res. in folgender Modification angenommen. 3) An den Seminarien für Lehrer und Lehrerinnen ist jüd. Religion Lehr- und Prüfungsgegenstand. Die vierte These des Ref. lautet: Zu den Mitgliedern der königl. wiffenschaftlichen Prüfungscommissionen muß jedesmal auch ein theologisch gebildeter Jude gehören, damit, so lange dies von 46*

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