Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1877)
- Date
- 1877-11-13
- Page
- Seite 732 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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732 gelegen, und die Familie Vallach dort hat ihn der Gemeinde zum Geschenk gemacht). Die ganze ansehnliche Bürgerschaft und Honoratiorenwelt der Stadt betheiligte sich am Zuge und an der Feier; während des ganzen Actes herrschte unter den Tausenden der Anwesenden die feierlichste, gehobenste Simmung; und ohne Zuthun und Vorwissen der jüdischen Gemeinde läuteten sämmtliche Glocken der Stadt während des ganzen langen Zuges vom Sterbehause bis zum Friedhof. Ein Grund der großen Betheiligung fast der ganzen Stadt an der Feier mag auch in dem Umstande gelegen haben, daß es die Leiche eines höchst achtbaren, allgemein geschätzten Mannes, des in seinem fünfzigsten Jahre dahingeschiedenen Abraham Rothschild, gewesen ist, dem man zugleich die letzte Ehre erweisen wollte. Iw. Levi, Grcßh. Rabb. der Prov. Oberhefsen. Elbing, 31. October. (Privatmittheil.) Mit Vergnügen können wir constatiren, daß die hiesige Gemeinde einen Sieg in der Schulfrage errungen hat. Für den höheren Religionsunterricht, welcher von Herrn Rabbiner Dr. Schreiber ertheilt wird, wurde sowohl von der Stadt als auch vom Staate eine Remuneration bewilligt und zwar für den Unterricht der Schüler an der Real- und höheren Töchterschule 300 Mark, für den der Gymnasiasten 150 Mark. Hoffen wir, daß diese Fälle immer weniger zu den Seltenheiten gehören. Die Zahl aller hiesigen jüdischen Schüler und Schülerinnen an allen Schulen betragt mindestens Hundert. Oesterreich-Ungarn. Wien, 31. October. Heute wurden von dem Unterrichtsminister Dr. Stremayr die Herren Rabbiner Dr. Vogelstein aus Pilsen und Dr. Maybaum aus Saaz als Deputation der böhmischen Rabbinerversammlung empfangen. Dieselbe überreichte eine Denkschrift, in welcher die Rabbiner Böhmens dreierlei erbitten. Es soll die Anstellung der jüdischen Seelsorger nach einem dreijährigen Provisorium eine definitive werden, wie dies bei den Seelsorgern anderer, vom Staate anerkannter Confessionen der Fall ist. Ferner soll der Wirkungskreis des Rabbiners, wie es bereits in Betreff der Ehe-Angelegenheiten geschehen, auch auf rituellem Gebiete, besonders aber hinsichtlich des so sehr vernachlässigten Religionsunterrichtes dahin erweitet werden, daß derselbe in einem ihm zuzuweisenden Bezirke als Aufsichtsorgan in allen specifisch religiösen Angelegenheiten zu betrachten sei. Endlich möge in Zukunft nicht mehr Dispens vom Nachweise akademischer Bildung ertheilt werden. Der Minister, der die Deputation sehr freundlich empfing, verkannte nicht die Berechtigung ihrer Wünsche, und versprach, eine günstige Erledigung derselben herbeizusühren. Zugleich bewies der Minister sein Jntereffe an der Regelung jüdischer Cultus-Angelegenheiten dadurch, daß er sich eingehenden Bericht über die religiösen Zustände der Juden in Böhmen erstatten ließ. Die Deputation unterließ es auch nicht, die Nothwendigkeit der schon oft angeregten Staatsfubventionen für die in kleinen Gemeinden amtirenden Rabbiner hervorzuheben, und der Minister versprach auch diese Angelegenheit, soweit die Zeitverhältniffe es gestalten, berücksichtigen zu wollen. Pest, 26. October. Se. Majestät geruhte heute Vormittags 10 Uhr eine Deputation zu empfangen, bestehend aus dem Präsidium der israelitischen Landeskanzlei, den Mitgliedern der Seminarcommission und den israelitischen Districtspräsiventen, und zwar: den Herren Martin Schweiger, Dr. Samuel Kohn, Dr. M. Kayserling, Samuel Deutsch, Hermann Neu weit, Dr. Ignaz Goldziher, Bernhard Stern, Alexand. Wahrmann, Julius Wolfner, Dr. Josef Simon, Ignaz Eisenstadter de Buziüs (Temesvär), Alexander Leopold (Szegßärd), Evuard Mandel (Nyirb:>tor), Ignaz Schreiber (Rabb.), Anton Steinfeld (Debreczin), Dr. Isidor Rosenberg (Szegediu), Dr. Leopold Glück (Eperies), Dr. Joses Szigeti (Stuhlweißenburg), Heinrich Rosenberg (Klein-Zell). Herr Rabb. Dr. Samuel Kohn, einer der Prediger der Budapester israel. Religionsgemeinde, bat zuvörderst um die Gnade, mit bedecktem Haupte den üblichen Segensspruch sprechen zu dürfen, was Se. Majestät auch zu gestatten geruhte. Hierauf hielt Herr Dr. Samuel Kohn im Namen der Deputation folgende Ansprache : „Kaiserliche und apostolisch königliche Majestät! Allergnadigster Herr! Die Präsidenten der israel. Gemeindedistricte Ungarns und die ständige Commission der Landesrabbinenschule legen in tiefster Verehrung den heiligen Tribut ihres wärmsten Dankes auf die Stufen des glorreichen Thrones Ew. Majestät nieder. Die volksbeglückende Regierung Ew. Majestät brachte der vaterländischen Judenheit, worauf dieselbe seit Jahrhunderten schmachtend gewartet: die Emancipation, und jetzt, als würdige Ergänzung derselben, die Landesrabbinenschule. Die Geschichte unserer Confession wird als den eigentlichen Gründer dieser epochalen Anstalt den glorreichen Namen Ew. Majestät für ewige Zeilen verzeichnen und verehren. Die von uns gehegten Gefühle des Dankes und der Freude würden nur vermehrt werden, wenn Ew. Majestät unsere Landesrabbinenschule mit dem allerhöchsten Besuche zu beehren geruhen würden. Wir beten heute wie immerdar mit den heiligen Psalmworten: „Allmächtiger! verlängere die Tage unseres Königs und seine Jahre viele Generationen hindurch! Er möge lange auf seinem glorreichen Throne sitzen! Sende Deine Huld und Gnade, auf daß sie ihn beschützen!" Ein lautes Lljen der Anwesenden folgte diesen begeisterten Worten, worauf Se. Majestät Folgendes zu erwidern geruhte: „Ich bin überzeugt von der Treue und Vaterlandsliebe der Israeliten Ungarns. Von der eröff-