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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 721 (sequence 13)
Language
German
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721 „Am meisten verunstalten unsre Sprache die Juden. Sie haben nicht den gezogenen, singenden Ton in der Aussprache, den wir von den gemeinen jüdischen Frauenspersonen bei uns Horen, aber ihre Wortfügung und ihre Redensarten sind bald nach, dem Jüdischen, bald nach dem Polnischen geformt, so daß ihre Einfälle, in denen gewöhnlich viel von orientalischer Einbildungskraft und talmudischer Spitzfindigkeit ist, durch diese Einkleidung noch drolliger werden. Ueberhaupt sind die polnischen Juden eine selsame Menschenart. Sie treiben nicht nur fast alle einträglichen Handwerke, als Bäckerei, Branntweinbrennerei, Schlachten, Brauerei u. dgl., sondern sind auch Aerzte, Handelsleute, Geschäftsverwalter, Wundärzte, Lohnbedienten u. s. w. Da der große Haufe nicht bloß auf den kleinen Handel eingeschränkt ist, so ist die Ehrlichkeit und Treue, ohne welche die übrigen Geschäfte durchaus nicht betrieben werden können, auch bei dem ärmsten Theile gar nichts seltenes; ja man hat uns von den gemeinen Juden sehr edle Anekdoten erzählt; und unser Lohnlakei hat endlich das Seine gethan, um einen vortheilhaften Begriff von seiner Nation in uns zu erhalten. Ungeachtet er vorher wußte, daß wir seiner nur zwei Tage nöthig haben würden, so nahm er doch bei jeder Gelegenheit unseren Nutzen so sorgfältig wahr, wie man es immer von einem Diener gegen seine ordentliche Herrschaft verlangen kann. Da wir ihn heute bezahlten, forderte er für alle seine Mühe nicht mehr als zwei Gulden, und war höchlich erfteut, da wir ihm viere (16 Gr.) gaben. Dick größte Anzahl der Juden lebt indeffen in einem Elende, das alle Beschreibung übersteigt. Da der Talmud sagt, daß der Messias nicht eher kommen werde, als bis eine gewiffe Anzahl von Seelen mit jüdischen Körpern bekleidet worden sind, und der Talmud nirgends in einem größeren Ansehen steht, als bei den polnischen Juden, so machen sie sich's zu einer eigentlichen Gewissenssache, die möglichst zahlreiche Fortpflanzung ihres Geschlechts zu befördern. Daher verheirathen sie ihre Söhne und Töchter sehr früh, oft schon im dreizehnten Jahre. Die, welche den Töchtern kein Heirathsgut geben können, nehmen einen armen Knaben als ihren künftigen Schwiegersohn zu sich in's Haus, und geben ihm den Unterhalt bis in's dreizehnte oder vierzehnte Jahr, unter der Bedingung, daß er sodann eine Tochter zum Weibe nehme. In Hamburg war ein solcher durchreisender Jude, nach der Gewohnheit, als ein armer Fremdling zur Sabbalhmahlzeit gebeten. Da er sich einfand, brachte er einen Knaben mit. Man gab ihm zu erkennen, daß er nur für seine Person geladen sei. „Nun," antwortete er, „dies ist mein künftiger Schwiegersohn, ich gebe ihm freie Kost." — Die Regierung thut nichts für sie, und der Druck, worin sie leben, raubt ihnen nicht nur die Entschlossenheit, sondern auch die Hülfsmittel, ihre Existenz zu verbessern. Daher in eben dem Maße, in welchem sie zahlreicher werden, nimmt auch ihr Elend zu. Es würde unbegreiflich sein, wovon ihre viele Tausende leben, wenn man nicht sähe, w i e sie leben. In einem niedrigen Zimmer, das vielleicht nicht über zehn Fuß tief und nicht völlig so breit ist, wohnen zwei bis drei arme Familien bei einander. Die Eltern, ein Dutzend Kinder, Gänse und anderes Federvieh, essen, trinken und schlafen alle in diesem einen Stübchen. Bon den elendsten Lumpen bedeckt, genießen die armen Leute nur die wohlfeilste Kost, und begnügen sich oft mit verdorbenen Eßwaaren, weil sie wenig gelten. Ähr Getränk bereiten sie sich häufig selber, und bei den gröbsten Hülsenfrüchten sind Zwiebeln und Knoblauch ihre Leckerbissen. Ihr sieches Ansehen abgerechnet, ist aber ihre Gesichtsbildung meistentheils schön und voll Ausdruck eines lebhaften Geistes; nur sehen sie viel älter aus als sie sind." Romane als Pamphlete. In der That müssen wir Juden, auch wenn wir nicht wollen, uns eine große Wichtigkeit zuschreiben, da auch die sogenannten Dichter nicht müde werden, uns zu verarbeiten und zu Gegenständen ihrer 'wohl- oder mißgestalteten Ausgeburten zu machen. Ganz besonders der Romanmarkt wird von der Waare nicht leer, die auf unsre Kosten feilgeboten wird. Die Kritik hat dann die Pflicht, sie zu analysiren und zu kritisiren und dies giebt wieder Gelegenheit, sich über die Juden auszulassen. Wir haben hier in einem kritischen Blatte einen Bericht „Neue Romane" vor uns. Es werden vier solcher besprochen. Darunter sind — zwei Judenromane, denen von vier Spalten dreieinhalb gewidmet werden. In dem einen „Das Judenfchloß von E. Schlieben" werden die Juden in der widerwärtigsten Weise geschildert; ein Hauptheld ist Ferdinand Lassalle, der unter dem Namen Ferdinand Kaschauer unverkennbar aber mit den schwärzesten Farben gemalt wird. Er wetteifert nur mit seinem Vater in der Schlechtigkeit. In dem zweiten „Aufwärts" von C. W. Sauer, herrscht ein versöhnlicherer Geist; in beiden jedoch heirathen zuletzt die Jüdinnen Christen, nachdem sie sich haben taufen lassen, und darin soll die Ausgleichung liegen! Glücklicher Weise wird die gesammte Romanliteratur einst als die hisioire scandaleuse, als der faule Fleck der ganzen modernen Literatur angesehen und vom Publikum vergessen werden. Sie grassirt jetzt seit fast einem Jahrhundert, und wie äußerst gering ist die Zahl derer unter ihren Erzeugnissen, die noch genannt oder gar gelesen werden l Solche schimpfliche Romane müssen wir zu den Pamphleten zählen, die nun einmal in Deutschland nicht aufhören gegen uns losgelaffen zu werden. Einige ausländische jüdische Zeitschriften wundern sich jedes Jahr, daß an den hohen Herbstfesten die Tempel gefüllt sind, und stoßen darüber jedes Mal in die Trompete!

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