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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 720

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 720 (sequence 12)
Language
German
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720 scheidende Krise durchzuiämpsen halte, und in welchen es immer wieder den Geist der Ueberzeugungstreue und der Freiheit bewahrte und vermittelst desselben siegte, dichterisch zusammengefaßt und ausgestaltet werden. Als äußere Anknüpfungspunkte sollten die Ströme dienen, an denen zur Zeit der südische Stamm wohnte oder eine Hauptniederlasiung hatte. So spielt die erste Erzählung „Am Nil" und zeichnet die Zustände und innere Bewegung vor dem Auszuge aus Egypten mit Hilfe der neuesten Auffindungen unter den egyptischen Denkmälern. Die zweite Erzählung „Am Jordan" versetzt in die Zeit Samuels, als das Volk einen König verlangte und er Saul dazu salbte. Die Fortsetzung ist bis jetzt nicht erschienen. — Eine eclatante Erscheinung machte damals ein ungewöhnliches Aufsehen: die Schrift von David Friedrich Strauß „Der alte und der neue Glaube." In wenigen Monaten waren vier Auflagen erschöpft. Es wird keiner langen Zeit mehr bedürfen, daß man sich wundern wird, wodurch eigentlich diese Schrift eine so allgemeine Sensation erzielte? Lebhaft und zutreffend in der Sprache, ist diese Schrift doch weit entfernt von dem glänzenden Style, den der Berfaffer in einigen seiner früheren Schriften bewährt hatte. Sehr scharf in seinen vermeintlichen Argumenten gegen alle bisherige religiöse Anschauung, bringt er doch viel Banales, ja bisweilen Kindisches. Wo er endlich vom Negativen zum Positiven übergeht, wo er an Stelle der Anbetung Gottes die des Universums setzen, ein Princip der Sittlichkeit aufstellen und gar seine zum Aristokratismus neigende politische Meinung geben will, wird er geradzu absurd, und da er den Fanatismus der Kirchen bekämpft, wird er für seine persönlichen Neigungen selbst fanatisch. Die Ursache des Aufsehens, das jene Schrift machte, kann deshalb vorzugsweise nur in der Kühnheit, in dem unerschrockenen Freimuth liegen, womit der Verfasier sie in die Welt schleuderte. Es lag in der Luft jener Tage, daß einmal so gesprochen werde, um dem angehauften Stofs des Zweifels und des Unglaubens einen Ausgang zu schaffen. Gerade das große Publikum, das weder Freund noch Feind jener Ansichten war, griff am meisten danach, gewissermaßen aus Neugierde, um zu sehen, was daraus werden würde. Solchem Erfolge gegenüber gehörte im Augenblick nicht minder Kühnheit und unerschrockener Freimuth dazu, dem Strome sich entgegenzustellen und Kritik und Gegenrede verlautbar zu machen. Ich war der Erste, der nicht zögerte, dem Strauß'schen Werke sein Recht angedeihen zu lassen, und gab die, in der A. Z. d. I. sofort erschienenen Artikel, weiter ausgearbeitet in der Schrift heraus: „Gegen David Friedrich Strauß. Der alte und der neue Glaube." (Berlin, Gerschel, 1873.) Es felgten ihr andere von verschiedenen Seiten, und der Standpunkt, auf welchen sich Strauß gestellt, konnte wirklich nach einiger Zeit als ein schnell überwundener angesehen werden. — Zu erwähnen habe ich noch die beiden Predigten zur Trauung meiner Leiden Söhne 1874 und 1875. — Die Hallberger'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart hatte eine vorzügliche Prachtausgabe der Bibel mit den ausgezeichneten Illustrationen Gustav Dorö's herausgegeben, und zwar für die Protestanten mit der Uebersetzung Luther's, für die Katholiken mit der Allioli's. Sie forderte mich auf, zur Herstellung einer gleichen Ausgabe für die Israeliten meine Bibelübersetzung zu geben. Ich revidirte zu diesem Zwecke selbst noch einmal meine für die Bibelanstalt durchgesehene Uebertragung. Da die Verlagsbandlung auch die Apokryphen hinzuzufugen wünschte, veranlaßte ich Herrn Vr. David Cassel, seine Uebersetzung derselben dem großartigen Werke zu überweisen. So erschien diese Prachtausgabe, die an Schönheit der Typen, der Ausschmückung, des Papieres und Einbandes alle bisherigen Ausgaben der h. Schrift übertrifft. Es versteht sich, daß ich auch die Umarbeitung derjenigen Bilder und Ausschmückungen veranlaßte, welche dem Geiste und den Vorschriften unserer Religion widersprachen, wie die leibliche Darstellung Gottes, unjüdische Symbole u. s. w. Es diente mir zur Befriedigung, nachdem ich für das Bibelbevürfniß des Volkes gesorgt, die heilige Schrift auch in einer glanzvollen Ausstattung für die begüterten Glaubensgenossen beschafft zu haben. Dies ist die Uebersicht meiner sammtlichen veröffentlichten Schriften. Uebergangen habe ich, was an schriftlichen Aeußerungen aus meiner Feder geflossen, jedoch nicht in die Oeffentlichkeit gelangt ist, z. B. die vielen Hunderte von Gutachten, die ich im Laufe der Zeit auf die Anfragen von Gemeinden und Individuen abgegeben. Den Protest, den ich in Verbindung mit vielen deutschen Rabbinen in der traurigen Angelegenheit des Knaben Mortara durch Vermittelung der preußischen Gesandtschaft bei Pius IX. erhoben, so wie die zahlreichen Predigten, die ich in meinem Amte gehalten. Ich will nur noch die Bemerkung hinzufügen, daß, wer die meisten, namentlich die größeren, oben angeführten Schriften einer eingehenderen Prüfung unterziehen wollte, die mehr als zweitausend zählenden Leitartikel, die ich in der A. Z. d. I. veröffentlicht habe, hinzuziehen müßte, da in denselben jene Schriften theils vorbereitet, theils durch spatere Untersuchungen und Besprechungen ergänzt und fortgeführt wurden. Verwischtes. Die Juden in Krakau im Jahre 1791. Im Jahre 1792 erschienen in zwei Banden: „Briefe über Schlesien, Krakau, Wielizzka und die Grafschaft Glatz auf einer Reise im Jahre 1791 geschrieben von Johann Friedrich Zöllner, Oberconsistorialrath und Probst in Berlin, Mitglied der Akademie der Wissenschaften rc." (Berlin, Maurer, 1792.) Der Vers, war ein freisinniger protestantischer Geistlicher, wie sie in jener Zeit nicht selten waren. Er theilt auch Einiges über die Juden in Krakau und deren Zustande in Polen mit, was uns als ein Zeichen aus jener Zeit nicht unwillkommen sein mag. Band l. S. 346 finden wir Folgendes:

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