Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1877)
- Date
- 1877-11-06
- Page
- Seite 719 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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719 auch noch weitere Verbreitung zu verschaffen, veranlaßte die Broschüre: „Zur Charakteristik der ersten jüdischen Synode." (Berlin, Gerschel, 1869.) Gegen dieselbegab ein gewisser Maaß zu Breslau einen dicken Band heraus, den ich jedoch unberücksichtigt zu laffen mich bewogen fand, theils weil Loch nur veraltete Anschuldigangen vorgebracht wurden, theils weil die Resolution nicht mehr mir allein, sondern der Synode angehörte. — Zu derselben Zeit gab ich die „Weltbewegenden Fragen in Politik und Religion aus den letzten dreißig Jahren" (Leipzig, Baumgartner, Bd. I. 1868, Bd. II. 1869) heraus. Der erste Band enthalt die Abhandlungen, die Politik betreffend, in denen die socialen und politischen Fragen vom Standpunkte des Judenthums theils nach dessen Grundsätzen, theils nach den Verhältniffen, in denen es in der Vergangenheit und Gegenwart sich befand und befindet, behandelt wurden. Der zweite Band ist der vergleichenden Religionswiffenschaft und allgemeinen Fragen der Religion gewidmet. Alle positiven Religionen und sonstige bedeutende religiöse Erscheinungen, wie das Christenthum in seinen verschiedenen Kirchen und Sekten, der Islam, der Buddaismus, der Unitarismus, die Freimaurerei, die freien Gemeinden, werben in ihrem Verhältniß zum Judenthum beleuchtet, auch eine Charakteristik des Talmuds wird gegeben. Die meisten Aufsätze sind der Allgem. Zeitung des Judenthums entnommen, jedoch berichtigt und erweitert und neue Aufsätze hinzugefügt, um dem Ganzen einen hinlänglichen Abschluß zu geben. — Gleichzeitig entstand das Trauerspiel: „Die Entthronten. Mit einem geschichtlichen Anhang." (Leipzig, Leiner, 1869.) Es lehnt sich dasselbe an mein Trauerspiel „Jojachim" an, und behandelt die Katastrophe unter Gedalja. — Am 16. December 1870 waren es hundert Jahre, daß Ludwig van Beethoven zu Bonn geboren worden. Lange schon war dieser Tag zu einer allgemeinen Feier wenigstens in Deutschland in Aussicht genommen worden. Seit meiner Jugend ein enthusiastischer Verehrer dieses größten modernen Componisten, drängte es mich, dem unvergänglichen Genius auch meinerseits eine Huldigung darzubringen. In einem Drama wollte ich den Kampf und die Befreiung des unsterblichen Tonkünstlers aus den unwürdigen und fast erdrückenden Banden darfiellen, welche seine Jugend und seine aufstrebende Kraft gefesselt hielten. Da traten die kriegerischen Zeitkäufe, der französischdeutsche Krieg ein, die allgemeine Feier unterblieb und wurde nur schwach im folgenden Jahre durch musikalische Aufführungen und Reden ersetzt. Ich ließ mich jedoch hierdurch nicht abhalten, das Drama anonym zu veröffentlichen: „Ludwig van Beethoven. Ein dramatisches Charakterbild in vier Aufzügen mit einem Epilog zur Feier van Beerhoven's hundertjährigem Geburtslage am 16. December 1870. Bon einem Bonner." (Leipzig, Leiner. 1870.) Die großen Ereignisse von 1870—71 brauchen hier nur erwähnt zu werden, um die Erinnerung wach zu rufen an die außerordentliche Begeisterung, welche die ganze deutsche Nation ergriffen und zu allen erforderlichen Opfern beseelt hatte. Hier hatte nicht allein jeder Unterschied der Stämme und Stände, wndern auch der Confessionen aufgehört. Jndeß hatten frühere Erfahrungen gelehrt, namentlich aus der Zeit nach den deutschen Freiheitskriegen von 1813—15, wie bald dieser Enthusiasmus, dieses gemeinsame nationale Gefühl und Bewußtsein wieder verschwindet und dem kleinlichen, engherzigen Geiste den Platz wieder einrämt, der in der deutschen Geschichte so oft zu Tage getreten. Niemand vielleicht wußte mehr als ich, wie viel Borurtheil, ja wie viel Gehässigkeit gegen die Juden noch in Deutschland vorhanden ist. Es mußte dafür gesorgt sein, daß der Anrheil, den die deutschen Juden am Kampfe für das Vaterland genommen, so gut wie aktenmäßig constatirt sei, um späteren Versuchen, ihn herabzusetzen oder gar zu leugnen, entgegentreten zu können. Dies konnte jedoch nur sofort ermöglicht werden. Zu diesem Zwecke unterzog ich mich der Mühe, aus möglichst vielen deutschen Orten die Anzahl der Juden, welche als Combattanten den Krieg mitgemacht, dann, welche avancirten und decorirt wurden, zugleich mit der Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung an jedem Platze zu erfahren, und zwar die Namen aller dieser Soldaten jüdischer Religion zusammenzubringen. Es gelang mir ries auch, wenn auch nicht vollständig — z. B. den Vorständen der größten Gemeinden war es durch die Natur der Sache nicht möglich, diese Verzeichnisse in völliger Genauigkeit zu liefern. Doch in einem Umfange, der dem Zwecke völlig genügt. Ich veröffentlichte alles dahin Gehörige in: „Gedenkbuch an den deutschfranzösischen Krieg von 1870—71 für die deutschen Israeliten." (Bonn, Selbstverlag der Redaction der Allg. Zeitung d. Judenthums, 1871.) Dasselbe enthielt eine Geschichte des Krieges, religiöse Betrachtungen zur Erinnerung an den Krieg und über den Antheil der deutschen Israeliten am Kriege, welchem ein Berzeichniß der deutschen Soldaten jüdischer Religion (über 3000 Namen) hinzugefügt ist. — An der Gründung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" zu Berlin, welche die Verwirklichung der seit 1837 von mir ausgesprochenen und verfolgten Idee einer jüdisch-theologischen Facultät bringen sollte, hatte ich durch Theilnahme an der Generalversammlung und anderweitige Unterstützung lebhaften Antheil genommen und war auch in das Curatorium gewählt worden. Das letztere forderte mich daher auf, bei der Eröffnungsfeier am 6. Mai 1872 die Festrede zu halten, die dann auf den Wunsch des Curatoriums im Druck erschien: „Die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Festrede, gehalten bei der Eröffnungsfeier am 6. Mai 1872." (Berlin, Gerschel, 1872.) — In demselben Jahre veröffentlichte ich: „An den Strömen, durch drei Jahrtausende. Erzählungen. Erste Erzählung." (Leipzig, Leiner, 1872.) Die zweite Erzählung erschien 1873. Die zu Grunde liegende Idee war eine umfassende. Es sollten durch die drei Jahrtausende der jüdischen Geschichte hindurch alle die bedeutsamen Momente, in welchen das jüdische Volk eine ent- 45*