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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 718

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 718 (sequence 10)
Language
German
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718 außerordentlichem VerhLltniß auf die rüff. Gymnasien schicken? kann es einen stärkeren Beweis geben, daß die Juden sich russificiren wollen? Redaction.) Bonn, 28. October. (Notizen). Aus Pest theilt man uns mit, daß das Rabbinerseminar mit 18 Zöglingen eröffnet worden, wovon 5 die obere Abtheilung, das eigentliche Seminar, 13 die untere Gymnasialabtheilung besuchen. Die Aufnahme geschah nach einer angemessen strengen Prüfung. — Wie viel Dummheit noch in manchen Gegenden Ungarns vorhanden ist, ersieht man aus Folgendem: Am 21. des vorigen Monats — schreibt man dem „Nemz. Hirl." — fuhr ich von Gebergöny nach Györtelek. Plötzlich tritt Georg Radvünyi, als Vertreter des Ortsrichters, ferner der Geschworene Georg Sändor und ein Comitatspandur in das Zimmer meines Wirlhes, um Hausdurchsuchung zu halten. In Folge des Protestes, der Hausfrau ging die Commission aus dem Zimmer hinaus, aber draußen auf dem Hofe wurde Stall, Küche, Rauchfang, mit einem Worte: jeder Winkel durchstöbert. Anfangs gaben die Leute auf die Frage nach ihrem Begehren gar keine Antwort; späterhin indeß sagten sie, daß sie auf der Suche nach einem — Kinde seien. An dem erwähnten Tage nämlich kam ein Porcsalmaer Weib nach Györtelek, um Bretter einzukaufen und brachte ein etwa vierjähriges Knäblein mit sich. Während sich die Mutter auf dem Platze umthat, verschwand der Knabe, den sie auf dem Wagen zurückgelaffen hatte. Die Mutter lief nun jammernd umher, um ihr verlorenes Kind zu suchen. Johann Radväny that hierbei den weisen Ausspruch: Die Juden hätten Feiertag und zu solcher Zeit bedürfen sie des Blutes; diese hätten demnach das Kind gestohlen. Der weise Mann ging auch zum Richter und forderte ihn auf, eine Durchsuchung der jüdischen Häuser vornehmen zu laffen. Der Richter war krank und er schickte daher einen Stellvertreter mit den im Eingänge Erwähnten. Die jüdischen Häuser wurden nun der Reihe nach durchsucht, die Betten wurden auseinandergeworfen, die Rauchfänge, Oefen durchsucht, ja sogar — die Töpfe. Natürlich ohne Resultat. Da an demselben Tage die Untersuchung nicht! beendigt werden konnte, so sollte dieselbe am darauffolgende»! Tage fortgesetzt werden. Mittlerweile jedoch kam das Knäblein! in Görgeny zum Vorschein, wohin es ein Bauer, der es auf dem Felde umherirrend gefunden, mitgenommen hatte. Es ist ein Skandal, bemerkt das citirte Blatt, daß ein Gemeindevorsteher, der doch dem Aberglauben entgegenwirken sollte, selber dazu beiträgt, den Unsinn im Volke zu verbreiten. Feuilleton. Aeberficht der gelammten Schriften -es Dr. Ludwig Wlippfon. (Schluß.)i) Seit 22 Jahren hatte keine Versammlung von Rabbinen, keine gemeinsame Besprechung der allgemeinen jüdischen Angelegenheiten stattgefunden. Der frische Hauch, der jetzt wieder durch das deutsche Vaterland ging, die starke Bewegung, welche sich innerhalb der verschiedenen Religionsgenoffenschaften fühlbar zu machen begann, veranlagte mich, meine Collegen zur Erneuerung der Rabbiner-Versammlungen aufzufordern, und fand eine solche am 11., 12. und 13. August 1868 zu Kaffel statt. Es stellten sich in derselben zwei verschiedene Ansichten heraus: die eine, welche sofort an die Lösung praktischer Fragen gehen wollte, die andere, die dies nicht beabsichtigte, sondern eine allgemeine Synode, bestehend aus Rabbinen, Lehrern und Vertretern der Gemeinden, zusammenberufen wollte. Die letztere erhielt durch die Mehrheit einer oder zweier Stimmen die Entscheidung. Ich gehörte nicht zu der letzteren; ich glaubte, daß die Zeit zu einer Synode noch nicht gekommen, daß vielmehr die Rabbiner ihr Werk der Durcharbeitung und Umgestaltung auf geschichtlichem Boden ruhig fortsetzen und deffen Wirkung abwarten müßten; 1) S. Nr. 33. 40. 43. 44. In Nr. 43 bitten wir S. 687, Sp. 2, Z. 27 v. o. statt „politisch" zu lesen „poetisch". — ich hielt dafür, daß die allgemeine Meinung zuvor noch mehr herausgebildet werden müffe, und man deshalb versuchen solle, in Versammlungen innerhalb der einzelnen Provinzen und Landschaften Urtheil, Befähigung und Eifer vorzubereiten. Wie gesagt, die Mehrheit beschloß die sofortige Berufung einer allgemeinen Synode und ich fügte mich dem Beschluffe der, wenn auch knappen Majorität. In das Berufungscomitv gewählt, strengte ich alle meine Kräfte an, die Synode zu Stande zu bringen, wie dies auch von ihr in öffentlicher Sitzung (Verhandlungen der ersten israelitischen Synode, Berlin, Gerschel, 1869) S. 32. 190. anerkannt wurde. Ich betone hierbei, daß dies Alles geschah, bevor in die Oeffentlichkeit gekommen, daß der Vatikan ein Conzil ausgeschrieben, so daß irgend welche Bezugnahme auf dieses Ereigniß durchaus irrig wäre. Bei dem scharfen Gegensätze, in welchem damals die liberalen, reactionären, ultramontanen, pietistischen und rationalistischen Parteien in der europäischen Welt standen, schien es mir erforderlich, daß die Synode vor Allem eine Erklärung über die Stellung des Judenthums zu der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit und zu den Principien, welche deren Resultat bilden, abgebe, und formulirte hierzu den bekannten Antrag, den ich in einer längeren Rede begründete und der durch Acclamation einstimmig angenommen wurde. Er ging durch die meisten Zeitungen, wurde aber von den anüliberalen Blättern entstellt. Dies und der Wunsch, dieser Resolutton

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