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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 was vielleicht den Abgeordneten Laster zu einem neuen Paragraphen für das Austrittsgesetz veranlaffen könnte. Jndeß erhielt diese Gesellschaft eine Entschädigung durch den frömmelnden Baron Willy von Rothschild, der bei der Berheirathung seiner Tochter mit einem anderen Rothschild der „Religionsgesellschaft" 300,000 Mark zum Bau eines neuen Schulhauses geschenkt hat. Das Geschenk wurde dankbar angenommen, ohne zu untersuchen, wie viel dabei am Sabbath gewonnen worden. Außerdem hat er ein Capital von 250,000 Mark dem Magistrat übergeben, um die Zinsen davon für junge Leute ohne Unterschied der Confession zu verwenden, welche sich dem Kunstgewerbe widmen; ein Drittel der Zinsen soll Denjenigen zu Gute kommen, welche dem traditionellen Judenthum treu bleiben, weswegen der Administration, nach dem Willen des Stifters, ein Mitglied der Israelitischen Religionsgesellfchaft anzugehören hat. Frankfurt a. M., 28. Octbr. (Privatmitth.) Bei der in der letzten Jahressitzung der Verwaltung der „Achawa" vorgenommenen Bertheilung der Jahresunterstützungen erhielten 33 Unterstützungsbedürftige mit 43 V> Theilen zusammen Mark 5872,50. Die einzelne Quote beläuft sich auf M. 135. Aus dem bald im Druck erscheinenden Rechenschaftsberichte sind die näheren Einzelheiten ersichtlich. Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 20. Oktober. Der „N. fr. Pr." berichtet man von hier: Die Wahlen in den israelitischen Cultusrath, welche hier jüngsthin auf Grund des neuen Gemeindestatuts vorgenommen wurden, haben die zwischen der orthodoxen und der fortgeschritteneren Partei feit Jahren bestandene Kluft nur noch erweitert. Um das neue Statut der jüdischen Cultusgemeinde, welches nur den eifrigen Bemühungen der liberalen Fraktion sein Entstehen verdankt, practisch all absurdum zu führen, haben die Orthodoxen beinahe ausschließlich die Wahl ihrer Candidaten durchgesetzt und hierdurch das Uebergewicht über die intelligentere Partei erlangt. Die Wahl wurde aber in Folge eines gegen dieselbe erhobenen Protestes annullirt, so daß schon für die nächsten Tage die Erneuerung dieser unliebsamen Wahlstreitigkeiten bevorsteht. Wien, im Oktober. (Privalm.) Der sechszehnte Jahresbericht des hiesigen „Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" ist erschienen. In diesem Vereinsjahre wurden 308 Gesuche vorgelegt, von welchen nach gewissenhafter Prüfung blos 239 berücksichtigt werden konnten. Unter Liesen waren 95 Studirende der Mediän, 65 Hörer der Rechte, 7 Studirende der Philosophie, 1 Lehramtskandidat und 71 Studirende der Technik. Dem Baterlande nach waren 3 aus Wien, 2 aus Niederösterreich, 72 aus Ungarn, 73 aus Mähren, 42 aus Böhmen, 23 aus Galizien, 10 aus der Bukowina, 7 aus Rumänien, 3 aus österreichisch Schlesien und je 2 aus Siebenbürgen und Croatien. Es wurden 2921 fl. an Unterstützungen verausgabt. Die Bilanz zeigt einen kleinen Ueberschuß im Saldovortrag und da zugleich der Fond, der gegenwärtig 19,450 fl. beträgt, durch einige Spenden vermehrt worden, ist die finanzielle Lage des Vereins nicht übel. Jndeß mehrt sich die Zahl der bedürftigen Studirende«, wohingegen die Anzahl der Mitglieder des Vereins sich auf 128 beschränkt, welche im verfloffeuen Jahre 1534 fl. also uur ungefähr die Hälfte der verausgabten Unterstützungen leisteten. Es ist also ein dringendes Bedürfniß, daß die Zahl der Mitglieder sich vermehre und hier stehen wir vor der beschämenden Thatsache, daß die wohlhabenden Gemeinden sich zu keiner Theilnahme am Vereine aufraffeu können, während aus ihrem Schooße zahlreiche Studirende stammen, die vom Vereine unterstützt werden! In dem Berichte heißt es noch: „Die Zahl der Petenten hat sich auch in diesem Jahre bedeutend vermehrt und fteut es uns, constatiren zu können, daß wir unter denselben sehr viele würdige, mit den besten Zeugnissen versehene Studirende gefunden haben; wie überhaupt unser Verein bereits eine bedeutende Anzahl von Männern unterstützt hat, die heute mit Diplomen versehen, in einträglicher, angesehener Stellung theils hier, theils in der Provinz leben, wobei wir nur wünschen würden, daß dieselben sich auch in ihrer jetzigen guten Stellung an unseren Verein in activer Weise betheiligen möchten/, Auch dies ist eigenthümlich; man möchte doch glauben, daß es für die Unterstützten, wenn sie zu gutem Einkommen gelangt sind, ein Ehrenpunkt sein müßte, dem Vereine mindestens die empfangene Summe zurückzuerstatten und in den Büchern des Vereins nicht blos als Empfänger, sondern auch als Beitragende verzeichnet zu stehen! Schweiz. Aus der Schweiz, im Oktober. (Privatmitth.) R. Der große Kantonalsrath in Zürich hat den Antrag der dortigen jüd. Gemeinde auf Subventionirung aus Staatsmitteln einer Commission zur Begutachtung übergeben. Diese Commission hat nun wider alles Erwarten einen ungünstigen Bericht abgegeben. Sie führt aus, daß bei der großen Zahl von Sekten, die gerade in Zürich Anhänger zählen, jeder einzelnen derselben Rechnung zu tragen unmöglich sei. Wie man mir versichert, wird der Zumuthung, als sei das Judenthum eine Secte, von kompetenter Seite energisch widersprochen werden. Auch ist die Meinung verbreitet, daß trotz dieses ungünstigen Commissionsberichtes, der große Rath die Besoldung des jüdischen Geistlichen zu seiner Sache machen dürfte. Der vom ehemaligen Lengnau - Endioger Rabbiner, Herrn Dr. Kayserling (jetzt Rabb. in Pest), vor 17 Jahren gegründete

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