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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 713 (sequence 5)
Language
German
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713 in den maßgebenden Kreisen. Eine Einigung über ein Gesetz, das nur aus sehr entschiedenen Principien herauswachsen kann, ist also gar nicht zu erwarten. Es ist dies sehr bedauerlich; denn wenn man bei der Unkenntniß des aus dem Unterrichtsministeriums hervorgegangenen Entwurfes auch noch kein Urtheil hat, wie weit derselbe den Bedürfnissen und Wünschen entspricht, so halten doch schon die Verhandlungen darüber die Situation sehr geklärt. Jetzt fragt man sich, was soll nun aus all' den dringlichen Momenten werden, welche die Vorlegung des Gesetzentwurfes fast zu einer Nothwendigkeit machen. Bei jeder hervorgetretenen Frage wurde auf das Unterrichtsgesetz verwiesen. Da dies nun wieder sä eslenäss grseess verschoben zu sein scheint, wie steht es um diese Fragen, die entschieden sein wollen? Es ist gewiß, daß das Centrum schon in der nächsten Zeit die Schulfrage vor das Abgeordnetenhaus bringen wird. Man könnte dies unbedingt loben» wenn nicht die schroffen Forderungen desselben und die verletzende Weise, in der es sie stellt, auf ein negatives Resultat im Voraus schließen ließen. Warum aber sollen wir dem Beispiele nicht folgen, da wir durch die Mäßigkeit und Gerechtigkeit dessen, was wir verlangen, unterstützt werden? Bon den jüdischen Abgeordneten haben wir nun nicht zu erwarten, daß sie ihrerseits damit Vorgehen werden. Somit ist der Weg der Petition angezeigt, der freilich ein ungleich schwächlicherer ist, und nicht oft zu irgend einem Ziele führt. Darum müssen wir ihn aber dennoch beschreiten. Wir müssen endlich erfahren, woran wir find, um uns weiterhin darauf einzurichten. — Die immer noch für officiös gehaltene „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" macht seit einiger Zeit in kleinen Judengehäsfigkeiten. Sie sammelt in ihren Spalten alle Curiosa, welche auf die Juden gemünzt sind. Jüngst hatte in der „Dresdener Presse" der schlechte Witz gestanden, daß der russische General von Tottleben von jüdischer Abstammung sei. Ein Neffe desselben beantwortete diesen Witz in bitterster Entrüstung und benutzt den Fall, die Berjagung der Juden aus Europa in Vorschlag zu bringen. Vielleicht hält dieser Russe es für leichter, diese Austteibung an den Juden zu vollziehen, da die im Zuge befindliche Vertreibung der Türken auf einige Schwierigkeiten zu stoßen scheint. Man konnte dies als ebenfalls einen schlechten Witz in seiner örtlichen Begrenzung hinnehmen. Die „Nordd. Allgem. Ztg." hat aber nun die Gemeinheit, das schmähliche Schreiben des entrüsteten Neffen aus der wenig gelesenen „Dresdener Presse" auf den großen öffenllichen Markt zu bringen, nicht sowohl als ob die „N. A. Z." den letzteren repräsentire, sondern weil sie damit vielen anderen Blättern und Blättchen das Signal gegeben hat, die classischen Worte des russischen Schreibers ihrerseits zu verbreiten, was sie denn auch redlich thaten, das eine mit Hohngelächter, das andere mit einigen liberalen Einwickelungsphrasen, welche die eigentliche Pointe doch nicht verhüllen. Es ist in dieser Zeitung schon oft genug gesagt worden, daß wir sehr arge Feinde in denen haben, welche jeden berühmten Menschen für einen Juden ausgeben. Hiermit hat sich Disraeli zuerst an uns versündigt und seine Nachfolger wollen nicht aussterben. — Kreuzburg O/Schl., 21. October. (Privatmittheilung.) Am 18. d. wurde hier ein neues Gymnasialgebäude eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Dieser Act gestaltete sich zu einem wahren Volksfeste. Die Häuser der Stadt waren mit Laub und Fahnen geschmückt, und unter klingendem Spiel bewegte sich der imposante Zug (die Schüler, Lehrer und Bürger nebst den hohen Gästen) vom alten Schulhause in das neue stattliche Gebäude. Was uns hierbei besonders interessirt, ist, daß der Mitbegründer des neuen Gebäudes, der den Bauplatz für 9000 Mark geschenkt, sowie die Hälfte der Kosten des Baues und die innere Einrichtung im Betrage von 75,000 Mark getragen, einer unserer Glaubensgenossen ist, Herr Commerzienrath Simon Cohn, ehemaliger Bürger unserer Stadt, gegenwärtig in Berlin lebend. Am Tage der Einweihung setzte derselbe dem edlen Werke die Krone auf, indem er der Anstalt ein Capital von 10,000 Mk. vermachte, dessen Zinsen armen Schülern aller Confessionen als Stipendien zukommen sollen. Der Name des hochherzigen Spenders prangt in goldenen Lettern an der Faoade in der Inschrift. Cölu, 22. October. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, die Privatmittheilung aus Cöln in Nr. 40 Ihrer sehr geschätzten Zeitung aus zuverlässigster Quelle dahin zu berichtigen, daß der Rabbiner vr. F. die Zulassung zum Diner bei Sr. Majestät dem Kaiser nicht nachgesucht, sondern auf Veranlassung eines Vorstandsmitgliedes nur beim hiesigen Regierungspräsidenten angeftagt, ob er „im Sinne der confessionellen Gleichstellung zum officiellen Empfange des Kaisers ähnlich dem Vorgänge in Düsseldorf, wo der dortige Rabbiner ebenfalls zum officiellen Empfange eingeladen worden, aufgefordert werden würde." Der Herr Regierungspräsident antwortete dem vr. F., daß „auf Grund einer früheren Verordnung, wonach nur die Spitzen der beiden christlichen Confessionen beim Empfange Sr. Majestät zugegen sein sollten, er zu seinem Bedauern nicht in der Lage sei, den Herrn Rabbiner einzuladen." — Hiermit ist die boshafte Auffassung entschieden widerlegt, welche, um Iw. F. zu verleumden, das bekannte jesuitisch-jüdische Blatt dem Vorgänge hat geben wollen. Frankfurt am Main, 26. October. (Privatmiltheilung.) Es dürfte für die Leser Ihrer geschätzten Zeitung nicht ohne Interesse sein zu erfahren, daß bei der Anwesenheit des deutschen Kaisers in unserer Stadt auch der Rabbiner der israelitischen Gemeinde, Herr vr. Nehemias Brüll zur kaiserlichen Tafel gezogen wurde. Man sieht hieraus, daß der Vorfall in Cöln nur dem dortigen Regierungspräsidenten zur Last fällt. — Rabbiner Hirsch und seine „Religionsgesellschaft" wurde hierbei nicht berücksichtigt,

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