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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. Seite 712

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
Seite 712 (sequence 4)
Language
German
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712 macht, indem wir jedoch hervorheben, daß Alles, was wir in diesen beiden Artikeln gesagt, völlig unabhängig von ihm als das Resultat unserer eigenen Forschung ausgesprochen ist. Literarischer Wochenbericht. Brünn, im October. „Die Geschichte des jüd. Volkes und seiner Literatur vom babylonischen Exile bis auf die Gegenwart. Uebersichtlich dargestellt von Dr. S. Bäck. Lissa (Posen) 1877, Th. Scheibel'sche Buchhandlung. 1—2 Lieferung. Wer ernstlich den Ursachen des nun leiver nicht wegzuleugnenden und immer mehr und tiefer um sich greifenden Jndifferenlismus unserer Glaubensgenoffen gegen ihre eigenen Glaubens- und Stammes-Angelegenheiten auf den Grund gehen will, der wird bei einiger Prüfung bald darauf kommen, daß diese bedauerliche Erscheinung wesentlich in einem Mangel an Wiffen und Kenutniffen wurzeln, der Unkenntniß der Geschichte unseres Volkes, seiner mehrtausendjährigen Schicksale, seiner geistigen Hervorbringungen, des wunderbaren Ganges der ersteren, des unleugbaren Werthes der letzteren bei der überwiegenden Mehrzahl der heutigen Generation. Um das Uebel gründlich abzustellen, muß man daher bemüht sein, zuvörderst dem Wiffen vom Judenthum in unserer eigenen Mitte Eingang zu verschaffen, das Heranwachsende Geschlecht in die wechselreiche Geschichte unseres Volkes einzuweisen, sie mit den großen Charakteren, den geisteshohen Denkern, den muthigen Forschern, die das Judenthum hervorgebracht, und deren vielbewunderten Werken bekannt zu machen, um so die Achtung vor unserer ehrfurchtsgebietenden Vergangenheit, das Jntereffe für unsere Zukunft und liebevolle Theilnahme an unseren heiligsten Angelegenheiten in den Herzen des aufwachsenden Geschlechtes wach zu rufen. Erwecket wieder jene edle Wißbegier nach der Kenntniß unserer Geschichte und Literatur in dem Geiste unserer Jugend, wie sie vor einem halben Jahrhundert die Gemüther der aufstrebenden Jünger der Wiffenschaft erfaßte und ihr sollet sehen, wie ein neues Leben in Gemeinde und Oeffentlichkeit hier abwehrend, dort schaffend emporsprießen wird. Vieles ist seit jenem stürmischen Erwachen des Wiffensdranges zur Aufhellung des Dunkels, welches die jüdische Geschichte umgab, geschehen — in die Mengen aber ist das Licht der neuen Wiffenschaft noch nicht gedrungen. Um io freudiger ist jedes Unternehmen zu begrüßen, das sich die populäre Darstellung der Geschichte des jüd. Volkes und seiner Literatur und somit die Popularisirung dieser selber zur Aufgabe stellt. Das vorliegende, in Lieferungen und sehr gefälliger Ausstattung erscheinende Werk des Herrn Rabb. Bäck ist ein derartiges Unternehmen. Der Verfaffer will weniger einen Leitfaden des jüd. Geschichtsunterrichtes für die Schule, als eine zusammenfaffende, durch die ansprechende Form anziehende Darstellung des bearbeiteten Stoffes geben, ohne durch Größe des Umfangs und Kostspieligkeit des Buches das größere, lesende Publikum abzustoßen. Es soll ein Buch für das Haus und die Familie, sowie für den allgemein Gebildeten sein, der ohne großen Aufwand von Zeit und Mühe sich in die Geschichte der Juden will einführen lasten. Es läßt sich nicht leugnen, daß dieses Unternehmen einem fühlbaren Bedürfnisse entgegenkommt. Jost hatte mit der Allgemeinen Geschichte der Israeliten (2 Bde.) dasselbe Ziel angestrebt. Nachdem seither 45 Jahre verflossen sind, Jost's Buch auch wenig mehr zu finden ist, so ist eine ähnliche literarische Erscheinung nur willkommen zu heißen. Der Verfaffer bemüht sich, wie aus den vorliegenden zwei Heften zu ersehen ist, einfach, Kar und gefällig zu schreiben, versteht durch geschickte Stoff-Eintheilung den caufalen Fortgang der Ereignisse dem Leser gegenwärtig zu halten und ihm durch übersichlliche Einleitungen den Blick aufs Ganze zu erleichtern. Aeußere und innere Geschichte durchdringen sich gegenseitig, doctrinare Abschweifungen oder Beziehungen auf Zeitfragen werden vermieden, wie denn der Ton des Ganzen ein wohlthuend ruhiger, ernst objectiver ist. Die wiffenschastliche Stellung des Berfaffers betreffend, muß zugestanden werden, daß er von den Vorarbeiten gewissenhaften Gebrauch gemacht, auch wohl mit größerem oder minderem Glücke selbstständige Ansichten verräth, immerhin aber den neueren Forschungen Rechnung getragen hat. Wir wünsche» dem Buche daher eine recht ausgedehnte Verbreitung. Es ist zwar nur auf 5 Lieferungen berechnet (L 1 Mark), es scheint jedoch, nach dem in den beiden ersten Lieferungen behandelten Stoffe zu schließen, daß es zu einem bedeutend größeren Umfang anwachsen werde, was nur im Hinblick auf Bertheuerung zu bedauern wäre. —n—m. bvbcuc&xic&leAJb. Deutschland. Berlin, 25. Oktober. (Privatmittheil.) Die Thronrede, mit welcher die diesmalige Session des Landtages eröffnet worden, enthält nichts über die Vorlage des Unterrichtsgesetzes. Niemand erwartete sie auch noch, da selbst die Hoffnung, demselben auch nun in den nächsten Jahren zu begegnen, geschwunden ist. Die Zusammensetzung unsres StaatsministeriumS ist in eine so chronische Krise gerathen, daß die Unterbreitung und Durchführung eines so großartigen Gesetzes geradezu zu den Unmöglichkeiten gehört. Eine solche Krise beruht auf Verschiedenheit der Ansichten

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