Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1877)
- Date
- 1877-10-30
- Page
- Seite 705 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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deshalb eine Revision meiner Uebersetzung, namentlich auch sie überall populär zu halten, stattfinden, und hierzu verband ich mich mit den Herren Oberrabbiner vr. Landau in Dresden und Professor Rabbiner vr. Kaempf in Prag, die sich bereitwillig und mit Hingebung dazu verstanden. Im Jahre 1862 wurde der Text, im folgenden Jahre die Uebersetzung vollendet und ausgegeben. Bald entstand der Wunsch, auch eine Ausgabe mit größeren Typen, natürlich darum etwas theurer, zu haben. Auch von dieser Ausgabe erschien der ganze Text, die Uebersetzung aber nur vom Pentateuch; der Betrag der Spenden war erschöpft, und eine abermalige Aufforderung blieb bei den unterdeß eingetretenen ungünstigen Zeitläufen ohne Erfolg. Von den gedachten Ausgaben verbreitete sich schnell eine überaus große Zahl. Ein Mißgriff bestand aber darin, daß die gestellten Preise keinen Ueberschuß gewährten, von dem spater neue Stereotypirungen nach Abnutzung der Tafeln hergestellt werden könnten. Es war vielmehr darauf gerechnet worden, daß die Bereitschaft für Gaben zum Nutzen eines so frommen Werkes sich immer vorfinden werde. Wir zweifeln auch hieran zur gelegenen Zeit nicht. Es ist dies eine zukünftige Aufgabe. — Zu derselben Zeit gab Baumgärtner's Buchhandlung meinen Pentateuch und Jesaias ohne Text und Illustrationen, also Einleitungen, Uebersetzung, Commentar und Schlußbetrachtungen heraus (1862 und 1863). — Zu vermerken habe ich noch: „Zur Einweihung der neuen Synagoge in Aachen. Zwei Reden nebst Festbericht." (Aachen, Kaatzer, 1862.) „Der Friedensbund. Predigt zur Einweihung der Synagoge zu Bochum." (Bochum, Stumpf, 1863.) — Aufgeforbert von einem Leipziger Verein, am Todestage Mendessohn's (4. Januar) einen Vortrag zu halten, aber aus Gesundheitsrücksichten — ich wohnte bereits zu Bonn — außer Stande, dem ehrenvollen Rufe zu folgen, sandte ich dem Wunsche gemäß einen solchen Bortrag schriftlich ein, der bei der Feier zur Vorlesung kam. Er wurde abgedruckt in den vom Vereine herausgegebenen „Gedenkblättern an Moses Mendelssohn", zu welchen auch vr. Formstecher, vr. Moritz Rappaport und vr. Leopold Kompert Beiträge lieferten (Leipzig, 1863). — Ein schweres Leid, das mich in meiner Familie betroffen, drängte mich, eine Lücke auszufüllen, die sich vielfach fühlbar machte. Es war dies die Ausarbeitung eines Gebetbuches. Bisher hatte man entweder die tradirten Gebete für den Gottesdienst von dem, was sich nach unsrer jetzigen Anschauung mißbräuchlich eingeschlichen, oder was dieser widerspricht, zu befreien gesucht, um das Gebetbuch für den reformirten Gottesdienst in Gebrauch zu nehmen, oder ein Andachtsbuch geschaffen, indem man eine Anzahl neuer Gebete und Andachten in der Muttersprache zum Gebrauch für den Einzelnen bei den verschiedenen Vorkommnissen des Lebens zufammenstellte. Mein Zweck ging anders wohin. Sowohl für die häusliche Andacht, als auch zum Gebrauch während des öffentlichen Gottesdienstes sollte es bestimmt fein. Da nämlich der letztere doch zum größten Theile in hebräischer Sprache gehalten wird, und ein sehr großer Theil der Juden diese Sprache nicht mehr genügend versteht, so sollte das neue Gebetbuch Gelegenheit geben, dem Gottesdienste zu folgen und sich zugleich in andächtiger Weise zu beschäftigen und Herz und Geist mit weihevollen Gedanken und Gefühlen zu durchdringen. Es wurden daher sowohl für Wochentage und Sabbathe, als für alle Feste und Halbfeste des Jahres zuerst immer die rituellen Gebete (nicht wörtlich übertragen, sondern frei) bearbeitet, wobei nbvv>, 1312, yato und rra-rp im Urtext eingelegt wurden, und dann Gebete, Andachten, Betrachtungen hinzugefügt, wodurch sowohl den Herzensregungen des Einzelnen nach den verschiedenen Vorkommnissen des Lebens der Ausdruck gegeben als auch ein reicher Stoff an religiösen Gedanken geboten wurde. „Neues Israelitisches Gebetbuch für die Wochentage, Sabbathe und alle Feste zum Gebrauche während des Gottesdienstes und bei der häuslichen Andacht." Die erste Auflage erschien im Institute, die zweite bei Gerschel in Berlin 1864. — Es giebt Fragen, welche so einfach sie nach ihrer Lösung erscheinen mögen, doch erst nach einer längeren Zeit des Fortschrittes in Wissenschaft und Leben gestellt und nach Ersteigung verschiedener Stufen beantwortet werden können. Seit wohl vierzig Jahren war der Proceß Jesu und die Betheiligung der Juden an ihm der Gegenstand der Discussion geworden. Diese hatte verschiedene Resultate gebracht und eine Entscheidung langsam vorbereitet. Die letztere herbeizuführen war der Zweck meiner Broschüre: „Haben wirllich die Juden Jesum gekreuzigt?" (Berlin, Gerschel, 1866.) Es wurde in derselben nachgewiesen, daß die Berichte der Evangelisten des geschichtlichen Werlhes entbehren, den Verlauf der Dinge mit bestimmter Absicht entstellt, nach Belieben hinzugefügt und ausgemalt haben, daß vielmehr aus ihnen selbst mit sorgfältiger Berücksichtigung der geschichtlichen Verhältnisse erweisbar ist, die Verurtheilung und Hinrichtung Jesu sei nichts als ein politischer Act der Römer gewesen. Das Aufsehen, welches diese Abhandlung machte, zeigte sich in den bald erfolgenden Uebertragungen in die holländische (1866), dänische (1866), englische (1866), ungarische (1866), und eine zweite (1868), in die rumänische (1868), schwedische (1870), polnische und hebräische Sprache (von den letzteren beiden ist uns ein Exemplar nicht zugekommen; auch eine italienische vom sel. Lelio della Torre wurde verfertigt, jedoch, wie wir glauben, nicht veröffentlicht). Neuerdings ist noch einige Male der Gegenstand behandelt worden mit zu Grundelegung obiger Broschüre und schließlich mit demselben Resultate. — Bisher hatte ich in der A. Z. d. I., dem „Jüdischen Volksblatt" und dem „Saron" eine Reihe von Novellen und Erzählungen veröffentlicht. Jetzt versuchte ich zum ersten Male einen umfänglichen Roman zu schaffen: „Sepphoris und Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert." (Erste Auflage im Institut, zweite bei Louis Gerschel, Berlin 1866.) Die Aufgabe, die ich mir gestellt, war eine schwierige. Es sollte im