Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-30 · Heft 44 (30.10.1877) · p. Seite 704

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 44 (30.10.1877)
Date
1877-10-30
Page
Seite 704 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227168--35768-3305759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

704 richts — Amendement Brann) gezwungen werden. Die Anfertigung schriftlicher Claffenarbeiten darf daher an diesem Tage nicht verlangt werden. — These und Amendement angenommen. 2 c) Der jüdische Religionsunterricht ist bei hinreichend vorhandener Schülerzahl nicht nur an der Anstalt zu ertheilen, sondern auch sonst in jeder Beziehung dem christlichen gleichzustellen. (Angenommen). 2 il) Die jüdischen Lehrer haben das Recht, wenigstens während des Neujahrs- und Versöhnungs festes den Unterricht auszusetzen. (Angenommen). Es ist inzwischen 1 Uhr geworden; der Vorsitzende glaubt daher einen eingelaufenen Antrag auf Vertagung der Sitzung zur Abstimmung bringen und seine Annahme empfehlen zu müsien, obwohl dieser Gegenstand der Tagesordnung noch nicht ganz erledigt sei. Der Antrag wird angenommen und die Sitzung auf präcise 3 Uhr Nachmittags vertagt. — (Fortsetzung in nächster Nummer.) Urbersicht -er gelammten Schriften -es vr. Ludwig Philippfon. (Fortsetzung.) Aus dem Jahre 1857 habe ich neben meiner Thätigkeit für das Institut und der Fortsetzung der Herausgabe meines Saron nur zu verzeichnen: „Der dreimalige Ruf der Religion". Predigt zum Schabuoth - Feste. (Magdeburg, Bänsch, 1857.) Dahingegen weist 1859 zunächst meine Bearbeitung der Haphthoroth auf. Dieselbe erschien in der Ausstattung ganz meinem großen Bibelwerke gemäß: Text, Uebersetzung und ausführliche Erklärung, die jedoch wesentlich vom homiletischen Standpunkte ausgeht und mit dem Commentar im Bibelwerke selbst nur die exegetische Auffasiung der betreffenden Schriftstücke gemein hat: „riinrsnn -ns. Das Buch der Haphthoroth. Text, Uebersetzung und ausführliche Erläuterung." (Leipzig, Baumgärtner, 1850.) Im Winterhalbjahre nahm ich die Haltung öffentlicher Vorlesungen wieder auf. Mit der Regentschaft des jetzigen Königs von Preußen, nachmaligen Kaisers von Deutschland, war der Bann der Reaction gebrochen und ein frischer Geisteshauch regte sich in Preußen und Deutschland. Die Hoffnung auf eine Entwickelung zum Besseren war erwacht, und der schwere polizeiliche Druck, der mir z. B. in Magdeburg die Abhaltung von Vorträgen über Rhetorik und in Berlin von Vorlesungen über das Judenthum, wozu ich eingeladen war, unmöglich gemacht hatte, hatte aufgehört. Mein Gegenstand war diesmal, die Erfolge des großen Entwickelungsganges in der Menschheit zu zeichnen und den Weg aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart auf allen Gebieten des menschlichen Lebens in großen Zügen zu schildern. Dieselben erschienen im Druck: „Ueber die Resultate in der Weltgeschichte. Sechs Vorlesungen." (Leipzig, Baumgärtner, 1860.) An sie schloß sich unmittelbar eine Vorlesung : „Alexander von Humboldt's politische Ansichten." (Magdeburg, Falckenberg 1860.) Es waren nämlich „Die vertrauten Briefe Humboldt's an Barnhagen" erschienen, und halten ein erstaunliches Aufsehen gemacht, zugleich dem Andenken des großen Naturforschers und Humanisten einigen Makel angeheftet, insofern zwischen vielfachen Bemerkungen, die Humboldt, nicht ahnend, daß sie einst der Oeffentlichkeit übergeben würden, im vertraulichen Briefwechsel mit einem vermeintlichen Freunde gemacht, und feiner von ihm behaupteten Lebensstellung auffallende Widersprüche gefunden worden. Ihn, den genialen und großherzigen Mann, abgesehen von den kleinen Schwächen, als überzeugungstreu und konsequent, namentlich in seiner politischen Richtung, gerade aus denselben Briefen nachzuweisen, war der Zweck dieser Vorlesung, deren Druck sofort von den Zuhörern verlangt wurde. — Außerdem habe ich nur noch zweier dem Druck übergebenen Traupredigten, gehalten zur Trauung meiner Töchter, zu erwähnen. Es folgte jetzt die ausführliche Bearbeitung der Israelitischen Religionslehre. Sie ging von den Gesichtspunkten aus: den gesammten Lehrinhalt des Judenthums in populär-philosophischer Fassung darzustellen, die Entwickelung desselben von der h. Schrift an bis zur Gegenwart zu zeichnen und die religiöse Ueberzeugung im gegenwärtigen Judevthume zum Ausdruck zu bringen. Eine solche Arbeit war bis dahin noch nicht unternommen worden, und wurde in dieser ihrer Bedeutung von Anfang an z. B. von Jost in seiner Geschichte des Judenthums aufgefaßt. Abgesehen von dem ganzen systematischen Aufbau war sie auch darin neu, daß sie sich nicht mit der gewöhnlichen Beschränkung der individuellen Moral begnügte, sondern dem Wesen des Judenthums gemäß auch den socialen und politischen Theil, wie er vom Mosaismns begründet worden, als integrirend aufnahm: „Die Israelitische Religionslehre. Ausführlich dargestellt." (Leipzig, Baumgärtner, 1861.) Der zweite Theil erschien 1862, der dritte 1865. — Zu derselben Zeit war in mir der Gedanke zu der „Israelitischen Bibelanstalt" entstanden. Ging die erste Anregung auch von der Ansicht aus, dem Treiben der Missionäre mit ihren wohlfeilen Bibeln entgegenzutreten, so hatte sich doch das Bedürfniß des Volkes nach geeigneten Bibelausgabeu hinlänglich fühlbar gemacht. War es zu rechtfertigen, daß man der jüdischen Masse ruhig die lutherische Bibelübersetzung mit ihren Jrrthümern und ihrer christlichen Tendenz in die Hände gab? Die Absicht war, durch fteiwillige Beiträge die Kosten des Satzes und der Stereotypirung zu decken, so daß der Preis der Bibeln nur den Druck, das Papier und die Provision des buchhändlerischen Commissionärs zu tragen habe. Andererseits schien es mir dem Geiste des Judenthums widersprechend, daß sich auf diese Weise meine Bibelübersetzung ohne Weiteres gewissermaßen dem Publikum aufdränge. Es sollte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.