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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-30 · Heft 44 (30.10.1877) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 44 (30.10.1877)
Date
1877-10-30
Page
Seite 702 (sequence 10)
Language
German
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702 Feuilleton. Correspondenz. Breslau, 18. October 1877. Sitzungsbericht der am 2. und 3. October 1877 in Breslau abgehaltenen Versammlung jüdischer Religionslehrer Schlesiens und Posens. Erste Sitzung: Dienstag, den 2. October. Die Sitzung wurde Dienstag Abends 8 Uhr eröffnet. Nach einer kurzgefaßten herzlichen Begrüßung der Erschienenen Lurch den Vorsitzenden des geschäftsführenden EomitL's, Gymnasiallehrer vr. Badt, schlägt der letztere die Wahl des vr. Joill-Krotoschin zum Vorsitzenden der beiden Versammlungen vor. Dieser lehnt jedoch ab und empfiehlt die Wiederwahl des vorjährigen Vorsitzenden. Die Versammlung acceptirt diesen Vorschlag und vr. Badt übernimmt den Vorsitz. — Demnächst wird in die Tagesordnung eingetreten. Gegenstand derselben ist Feststellung der Tagesordnung sür die morgen abzuhaltende Hauptversammlung. Für die durch das Eomitö in Vorschlag gebrachten Gegenstände: 1) die Petition u. s. w.; 2) die Simultanschule; 3) Gymnasium und Religionsschule; 4) Lehrbücher; 5) der jüdische Religionsunterricht und die Abiturientenprüfung, wird folgende Reihenfolge beschlossen: 1) Die Petition u. s. w.; als wesentlich dazu gehörig, wird von der Versammlung Punkt 5 der vorgeschlagenen Gegenstände erklärt. 2) Gymnasium und Religionsschule. 3) Lehrbücher. 4) Die Simultanschule. Der letztere Gegenstand wird als die niederen Schulen mehr als die höheren betreffend, deshalb an das Ende der Verhandlungen gesetzt. — Auf den Vorschlag des Vorsitzenden wird ferner eine Besprechung der an das neue Unterrichtsgesetz zu stellenden Desiderien unter die Gegenstände der Tagesordnung ausgenommen. Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes veranlaßt die Versammlung zu dem Beschluß, über ihn zwischen Punkt 1 und 2 zu verhandeln. — Nach einigen vom Vorsitzenden gemachten geschäftlichen Mittheilungen und der Vorlesung von Briefen von Eollegen, welche zu ihrem Bedauern an der Zusammenkunft theilzunehmen behindert waren, wie Landsberg-Liegnitz, Rippner-Glogau, vr. Braun - Schneidemühl, schließt der Vorsitzende die heutige Versammlung mit dem Bemerken, daß er zu seiner und gewiß aller Anwesenden Freude das wachsende Interesse für die Bestrebungen der vereinigten Lehrer Schlesiens und Posens cvnstatiren könne und daß als eine schon jetzt wahrnehmbare Folge dieser Thätigkeit die Schaffung eines den Anhängern der verschiedensten religiösen Schattirungen gemeinsamen Bodens freudig zu begrüßen sei, wie schon die Elemente bezeugten, aus denen sich unsere Versammlung zusammensetze. — Schluß der Sitzung c. 10 Uhr. Mittwoch, den 3. October. Die Sitzung wird c. 91/: Uhr eröffnet. Der Vorsitzende ernennt mit Genehmigung der Versammlung Pred. Grunwald aus Leobschütz zum Schriftführer. Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. — Das Referat über die Petition, den jüdischen Religionsunterricht betreffend, hatte vr. Badt übernommen. Derselbe betrachtet als seine Aufgabe, in diesem Referat gewissermaßen einen Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des von der vorjährigen Versammlung gewählten EomitLs zu geben. Er schildert, wie es das Eomito von Anfang als seine Hauptaufgabe angesehen, die beabsichtigte Petition zu dem Ausdruck des Bedürfniffes aller religiösen Schattirungen zu machen. Nur auf diesem Wege habe man sich eine Wirkung derselben versprochen. Erst als seine (des Redners) Verhandlungen mit den Vertretern der äußersten Orthodoxie in Preußen zu keinem gedeihlichen Abschluß gediehen waren, 'habe er es gewagt, der Agitation für den obligatorischen jüdischen Religionsunterricht ein günstiges Prognostiken zu stellen. Dankbar erkennt er die Bereitwilligkeit der jüdischen Presse in Preußen an, deren Redacteure, vr. Philippson, vr. Treuenfels, vr. Enoch, vr. Rahmer, willig die Eooptation in das Petitionßcomit« angenommen hätten, deren Bemühungen ihm als eine gewisse Bürgschaft für den Erfolg der Agitation erschien seien. Für den leider gleich beim Beginn der Campagne verstorbenen vr. Enoch, sei vom Comitö dessen Nachfolger in der Redaction der „Jüd. Preffe", Herr S. Meyer, cooptirt worden. Die Thaffache, daß in kaum 3 Monaten etwa 150 jüd. Gemeinden ihre Zustimmung zu der Absicht zu erkennen gegeben haben, bei dem Ministerium und dem Landtage zu Gunsten dieser hochwichtigen Angelegenheit vorstellig zu werden, beweise, daß das Comitv sich in seinen Erwartungen nicht getäuscht habe. — Widerspruch hätte das Vorhaben nur von zwei Seiten erfahren. Und gerade diese beiden Proteste hätten — den Referenten wenigstens — in der Ueberzeugung bestärkt, daß man sich auf dem richtigen Wege befinde. Der eine dieser Proteste, von einer der bedeutendsten Gemeinden Preußens ausgehend, welche jedoch in der letzten Zeit auch sonst nicht gerade zu dem Anspruch berechtigt fei. Führerin auf dem Gebiete der Religion zu sein, und welche noch vor Kurzem bei Gelegenheit des Austrittsgefetzes mit aller Energie für den seiner Ansicht nach berechtigten Zwang eingetreten sei, habe jetzt unter Berufung auf ihr vor Jahren in dieser Frage beobachtetes Verhalten ihm die beliebte Phrase entgegengeschleudert, das Judenthum gedeihe am besten auf dem Boden der „Freiheit". Der Widerspruch zwischen dem Verhalten dieser Gemeinde zu dieser

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