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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-30 · Heft 44 (30.10.1877) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 44 (30.10.1877)
Date
1877-10-30
Page
Seite 701 (sequence 9)
Language
German
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701 .{ Entwickelung, die Halacha wie die Hagrda gekannt und in sich ausgenommen hatten, und hieraus die vielen Entlehnungen und Andeutungen Mohammed's erklärlich sind. Möge der Berf. in diesen seinen Forschungen fortsahren, zu denen er tüchtige talmudische Kenntniß und eine fleißige Umsicht in den besten Schriften über Mohammed und den Islam mitbringt. Allerdings läßt die Darstellung von formeller Seite noch Manches zu wünschen übrig, und neben der willkommenen Ansammlung des Materials werden die allgemeinen Resultate nicht mit genügender Charakteristik hervorgehoben. Doch wird dies im weiteren Verlaufe des Werkes wohl ergänzt werden. — „Beitrage zur Kenntniß der jüdisch-deutschen Literatur von vr. Adolf Brüll. Frankfurt am Main, Erras, 1877. (Separatabdruck aus vr. N. Brüll's Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Literatur. III. Jahrg.)." Mit Recht betont der Vers, in seinen einleitenden Worten, daß die Literatur im jüdisch-deutschen Jargon sowohl in sprachals auch in culturhistorischer Beziehung von Wichtigkeit ist und aus diesen Gesichtspunkten eine eifrigere Bearbeitung verdient. Wir haben dies bereits wiederholt bemerkt, da trotz aller willkürlichen Bewegung in diesem Jargon dennoch eine sprachgesetzliche Anlage nicht zu verkennen ist, und andrerseits der jüdische Dolkscharakter jener Zeiten sich in diese» Schriften mehr wiedergiebt und abspiegelt als in den halachischen und exegetischen Werken. Dennoch mögen wir froh sein, daß die jüdische Geistesthatigkeit in ungleich größerem Umfange auf die letzteren als auf die ersteren sich wandte, da die Bolksliteratur sehr geneigt war, neben sonst tüchtiger Moral sich in Aberglauben und populären Mysticismus zu versenken, welcher letzterer, wie die chassidische Sekte beweist, für die Volksbildung äußerst gefährlich ist. Doch dies thut jetzt zur Sache nichts, und wir können nur dem Herrn Berfaffer dankbar sein, auch seinerseits einige Beiträge gegeben zu haben. Er bringt uns ein jüdisch-deutsch-hebräisches Gloffar aus dem Jahr 1556, eine Beschreibung des Codex, in welchem sich dies findet, Proben aus dem „Buch des ewigen Lebens", gedruckt zu Freiburg im Breiszau 1583 in gereimten Knittelversen und einzelne gereimte Sprüche aus dem „Zuchtspiegel" (Prag 1678), überall begleitet von Worterklärungen und bibliographischen Bemerkungen. Allerdings hätten wir gewünscht, daß hier und da auf das Charakteristische der Anschauung und der Form hingewiesen wäre. — Aus demselben Jahrbuche ist auch folgender Separatabdruck erschienen: „Das apokryphische Susann»-Buch von vr. N. Brüll, Rabbiner der israel. Gemeinde in Frankfurt a. M. (Frankfurt a. M., Erras, 1877.)" Wir haben hier eine ebenso gründliche wie anziehende Untersuchung über das Susanna-Buch. Es werden die der Erzählung zu Grunde liegenden Stellen aus Midrasch und Talmud an's Licht gezogen, der Sage hierdurch die geschichtlichen Zustände angewiesen, die ihre Unterlage bildeten, der Zweck der Umarbeitung beleuchtet, die beiden Versionen des Buches verglichen und daraus dessen Tendenz und Abfaffungszeit eruirt. Wir wollen diese Resultate nicht näher anführen, weil sie doch nur aus dem Zusammenhänge der Untersuchung ihre rechte Bedeutung erhalten. Die Apokryphen waren zu aller Zeit die Stiefkinder des jüdischen Schristthums, und es fteut uns deshalb, daß ein jüdischer Gelehrter eine so treffliche Aufklärung über das Susanna-Buch verbreitet hat. — Zur Einweihungsfeier des Rabbinerseminars zu Pest veröffentlichte der rühmlichst bekannte hebräische Dichter, Herr Simon Bacher, ein längeres Gedicht vibw nid, das an Inhalt, Form und Sprache wahrhaft künstlerisch genannt werden kann. So fehlte der neuen Lehranstalt zu ihrem Beginne auch nicht eine schöne Gabe der hebräischen Muse. — M. L. Samson in Hamburg giebt einen israelitischen Kalender aus 5638 heraus, der jedoch nur für Hamburger Interesse hat. Es sind darin die Legatsverlofungen und ein alphabetisches Verzeichniß der Wohlthätigkeitsstiftungen in der jüdischen Gemeinde zu Hamburg gegeben, deren Zahl und Umfang Jeden in Erstaunen fetzen wird, der nicht die besondere Schrift von Dukes über dieselben kennt. Ein kleiner Aufsatz von vr. M. Jsler über die älteste Niederlassung von Juden in Hamburg, für welche sich erst im letzten Drittel des sechszehnten Jahrhunderts urkundliches Material vorfindet, sowie über den berühmten Arzt Rodrigo a Castro giebt interessante Ausschlüsse. — Wir erhalten den zweiten Theil der von Herrn S. I. Finn herauszegebenen Geschichte der Juden in hebräischer Sprache: „nsa bantr ••sab a^n •nan ya. ■’ma pbrt. «rb'ni pv-rr pr.sr rpT bfcnnir. 1877." Dieser Band umfaßt den dritten und vierten Abschnitt vom Tode Alexander des Großen bis Johann Hyrkan 323 bis 106. Die flüssige Darstellung mit der besonnenen Benutzung der neueren Geschichtsforschung und der Begründung mancher neuen Ansicht giebt dem Werke einen nicht geringen Werth, der um so höher anzuschlagen, wenn man bedenkt, daß dieses Werk bestimmt ist, die Fackel der Geschichte in Gegenden aufzupflanzen, wo deren Strahlen bis jetzt wenig hingedrungen waren, und doch hangt gerade von der geschichtlichen Erkenntniß die richtige Auffassung des Judenthums ab, wie unsere Zeit sie gebieterisch fordert. Möge es dem Vers, gelingen, in seiner großen Arbeit fortzufahren. (Jrrthümer finden sich natürlich auch, z. B. wenn der Vers. Ezekielos in „Hexametern" dichten, oder dessen Verse von Delitzsch sammeln läßt, dessen „Zur Geschichte der jüdischen Poesie" erst 1836 erschien und der unsre Schrift (1830) selbst anführt.) — „Uebungs-Buch zur Erlernung der hebräischen Laut- und Formenlehre für Anfänger. Zusammengestellt von M. Lewing er, Prediger der Synagogen-Gemeinde in Bremen. (Breslau, Hepner, 1877.)" Wir können dieses Uebungsbuch aufrichtig empfehlen, es bringt für den Anfänger nicht zu viel, doch was er braucht, und er wird die Aufgaben mit Vergnügen lösen, weil sie ihm stufenweise leicht werden. Der grammatische Ausdruck hätte bisweilen präciser sein sollen, zum Beispiel S. 23, §. 12: man kann nicht sagen „Wörter, die sich endigen aus ~,’\rv ff. — 44

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