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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-30 · Heft 44 (30.10.1877) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 44 (30.10.1877)
Date
1877-10-30
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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698 Repräsentanten überreicht, der dann die feierliche Beglückwünschung j wo die kaiserlichen Archive zugänglich wurden, und mit welcher des Oberbürgermeisters und der gesammten Stadträthe folgte. Unmittelbar darauf begann der Festgottesdienst in der schön geschmückten Synagoge. Hier gewahrten wir die in der Nahe fungirenden Amtsbrüder des Jubilars, die der Einladung des Vorstandes gefolgt waren, die Herren vr. Meier-Hannover, Dr. Goldschmidt-Leipzig, vr. Rahmer-Magdeburg, vr. Saalfelv-Defsau, vr. Defsauer-Cöthen. Sämmtliche Spitzen der herzogl. wie städt. Behörden hatten sich in Amtstracht eingefunden, von Andächtigen aller Confessionen war die Synagoge überfüllt. Herr vr. Goldschmidt hielt die Festrede, die nach Form und Inhalt ganz vorzüglich genannt werden kann. Die Schlußrede sprach Hr. vr. Rahmer. Die ganze Feier war eine so erhebende, daß nicht allein der ehrwürdige Jubelgreis, sondern wohl jeder der Anwesenden tief bewegt war. Inzwischen waren zahlreiche Depeschen und Briefe eingelaufen. Aus Leipzig war Herr Jacob Nachod als Vertreter der Gemeinde gekommen, der eine Stiftung des Gemeindebundes zur Ausbildung von Religionslehrern mitbrachte, welche den Namen „Herxheimerstiftung" führen soll. Das herzogl. Consistorium, wie das KreiSgericht sandten ihre Deputirten, um den Jubilar zu beglückwünschen und in ehrenden Worten seine Wirksamkeit anzuerkennen. Als um 2 Uhr dann die Festtafel stattfand, waren wiederum die Spitzen der Behörden dabei vertreten. Im Festsaal hatten sich, vor Beginn der Tafel, alle Anwesenden im Halbkreis um den Jubilar geschaart, dem vom Generalsuperinlendenten im Namen des Herzogs der Hausorden Albrecht des Baren für Wifsenschaft und Kunst verliehen ward, begleitet von einer trefflichen Anrede des Herrn Superintendenten. Die Tafel ward durch viele ansprechende Toaste belebt, und ihr folgte ein Concert und ein Ball. Möge dem ehrwürdigen Jubilar noch ein recht langer und ungetrübter Lebensabend beschieden sein' Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. October. (Privatmitth.) Wir lesen in der „N. fr. Pr.": „Herr Professor G. Wolf beging am 12. d. M das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien richtete bei diesem Anlaffe an den Jubilar eine Adresse, begleitet von einer silbernen Ehrengabe. Landesschulrath vr. Kompert, Vorsitzender der Schulsection im Vorstande, und dessen Stellvertreter richteten bei Ueberreichung der Adresse an den Jubilar herzliche Worte des Dankes für die treue Pstichterfüllung während seiner Amtswirksamkeit." (Wir bringen dem Herrn Jubilar mit Vergnügen unsre aufrichtigen Glückwünsche dar. Er hat sich in seinem Amte als Religionslehrer und Seelsorger an verschiedenen Anstalten wahres Ver dienst erworben, aber ebenso als Schriftsteller auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung wie auf dem des Unterrichts Wesens. Hervorzuheben ist besonders, mit welchem Eifer er sich den archivalischen Studien von dem Augenbicke an ergeben hat, Umsicht er viele, bis dahin verborgene historische Schätze hob und verarbeitete. Möge dem hochgeschätzten Manne eine noch recht lange und erfolgreiche Laufbahn beschieden sein! Die Redaction.) Aus dem hiesigen israelitischen Blindeninstitut wird berichtet: Mit dem Schuljahre 1876/77 hat die älteste Schülerin dieses Instituts ihre Lernzeit vollendet. Geistig vernachlässigt trat dieselbe vor sechs Jahren in Obsorge und erlangte neben einer genügenden elementaren Bildung eine solche Fertigkeit im Rouleauxweben, daß sie ihren Lebensunterhalt bereits verdient. Zum Beginne eines selbstständigen Erwerbes, Anschaffung eines Webstuhles u. s. w., erhielt die völlig Mittellose eine namhafte Unterstützung aus dem Aushülfsfonds, welcher mit dem Institute zugleich im Jahre 1870 in's Leben gerufen wurde und bis jetzt die Höhe von 20,700 fl. Silber-Rente erreicht hat. Derzeit befinden sich 26 Zöglinge — 18 männliche und 8 weibliche — in der Anstalt; davon gehören an: Niederösterreich 4, Böhmen 4, Mähren 4, Galizien 7, Ungarn 6, Rußland 1. Wien, 19. Oct. Die israelitische Cultusgemeinde in Wien hat an das Ministerium den folgenden Taxen- und Gebuhrenentwurf für die außerhalb des Gemeindeverbrndes lebenden, ihr jedoch in Ehe-Angelegenheiten zugewiesenen Israeliten der politischen Bezirke Korneuburg, Groß-Enzersdorf und Bruck an der Leitha zur Genehmigung übermittelt, und zwar für das Eheaufgebot 2 fl., für eine Trauung l. Claffe 62 fl. 50 kr., für für eine Trauung II. Clafse 42 fl. 50 kr., für eine Trauung HI. Clafse 27 fl. 50 kr., für eine Ehetrennung 60 fl. und für eine Ehetrennung von Unbemittelten 25 fl.; für die Functionen bei der Scheidungvon Tisch und Bett soll keine Gebühr zu entrichten sein. Bei den übrigen obenerwähnten Taxen sollen den Unbemittelten Erleichterungen zugestanden werden. Die Cultusgemeinde wurde aber ersucht, diesen Entwurf nochmals zu revidiren und mehrere Ergänzungen vorzunehmen, namentlich den Begriff „Unbemittelte" genau zu präcisiren, sowie die Art der Erleichterung für diese „Unbemittelten" festzustellen. — Die Prediger - Mannheimer - Stiftung besitzt jetzt Effecten im Nominalwerrhe von 20,400 fl. Die Zinsen dieser Effecten und die eingefloffenen Spenden, Beiträge rc. ermöglichten es dem Curatorium am 17. October, dem Geburtstage des verstorbenen Gründers, 1000 fl. an 20 Petenten (7 Lehrer, 6 Lehrerswittwen, 4 Rabbinerswittwen, 2 Rabbiner und eine Predigerswittwe) zu vertheilen. Fünf derselben erhielten je 100 fl., fünf je 50 fl. und zehn je 25 fl. Krakau, II.Oct. (N. fr. Pr.). Eine der betrübendsten Erscheinungen im socialen Leben, ist unstreitig das rohe Gebahren, welches die große Maffe der jüdischen „Schwarzen" in Galizien in ihrer feindlichen Haltung gegenüber den jüdischen Fortschrittsfreunden manifestirt. Wie sehr die hiesigen bildungsscheuen Ortho- |bo$en consequent bestrebt sind, der hierortigen fortschrittlichen

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