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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-23 · Heft 43 (23.10.1877) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 43 (23.10.1877)
Date
1877-10-23
Page
Seite 688 (sequence 12)
Language
German
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688 Biete" (Leipzig, Baumgärtner) heraus, in welchem durch kleinere Leitartikel, historische Bilder aus der Geschichte des Judenthums und der Juden, Mittheilungen aus den tradirten Weisheitsschätzen unseres Volkes, Erzählungen, Biographieen, Schilderungen u. s. w. auf das religiöse und sittliche Gefühl des Volkes gewirkt werden sollte. Es erschien in 13 Jahrgängen bis 1866, worauf es als Feuilleton mit der „A. Ztg. d. I." verbunden wurde. Einen anderen fruchtbaren Gedanken faßte und führte ich mit dem Beginn des Jahres 1855 aus. Es war das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur," (der Namen „Verein" mußte nach der damaligen Lage der Gesetze, namentlich in Rücksicht auf Oesterreich vermieden werden). Der Gedanke war einfach, für einen bestimmten Jahresbeitrag sollte jedem Abonnenten ein Exemplar herauszugebender Schriften geliefert werden. Hierdurch war es möglich, mit der Zeit eine Menge von Schriften verschiedener Autoren zum Druck zu befördern, ihnen sofort eine größere Anzahl Abnehmer und den Schriftstellern einen angemesienen Lohn zu schaffen. Natürlich kam es hierbei auf das Vertrauen des Publikums an, das seinen Beitrag zu leisten hatte, ohne vorher zu wissen, was es dafür erhalte; dieses Vertrauen blieb auch nicht aus, denn schon nach dem ersten Aufrufe fanden sich 2500 Abonnenten ein, deren Zahl später auf 3500 stieg. Die Organisation war bald genügend hergestellt. Zur Leitung des Instituts, bei dem die Auswahl der Manuscripte von der größten Bedeutung war, verbanden sich mit mir Dr. A. Jellinek, damals in Leipzig, und vr. Jost, s. A. in Frankfurt, spater, als Dr. Jellinek nach Wien ging, vr. A. M. Goldschmidt in Leipzig, und nach dem Tode Jost's vr. Herz seid in Braunschweig. Bekanntlich bestand und wirkte das Institut 18 Jahre hindurch (1873). Das Nähere über diese Anstalt und deren Einrichtung giebt der „Jahresbericht des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur über das erste Jahr, 1. Mai 1855 bis 1. Mai 1856." (Leipzig, Schnauß, 1856.) Hiermit begann ich die zweite, völlig umgestaltete und vermehrte Auflage meiner gesammelten Dichtungen „Saron", die bis 1870 zu sechs Bänden anwuchs. Die beiden Novellen meines Bruders „Die Marannen" und „Veilchen Jakob" wurden darin ausgenommen. Es befinden sich darin auch meine zwei Dramen „Esterka" und „Jojachin", das erste ist in polnischer, das zweite in hebräischer Uebersetzung von Simon Bacher (Wien, Knöpflmacher, 1860) erschienen, desgleichen wurden in's Hebräische übersetzt: die Novelle „Esra" von Mandelkern (Wilna, Rosenkranz, 1866) und die „morgenländische Scene" von Jakob Fischer (Preßburg, Köttritsch, 1876), die Novelle „Marianne die Hasmonäerin" von Epstein (Wilna, Rosenkranz, 1863), „Der Flüchtling aus Jerusalem" von Ä. Kl atz ko (Leipzig, Fritzsche, 1842). Bon anderen Uebersetzungen habe ich zwar gehört, sie jedoch nicht zu Gesichte bekommen; so sind viele dieser Dichtungen in Amerika in's Englische übertragen worden. Die neue Ausgabe des „Saron" fand so vielen Anklang, daß bald eine dritte Auflage veranstaltet ward, und zwar vom ersten Bande bei Wallerstein, (Leipzig, 1857), von den weiteren Banden bei Oskar Leiner. Eine besondere Ausgabe erschien von dem Lehrgedicht „Das Ich" (Leipzig, Baumgartner, 1858), welches auch von Simon Bacher in's Hebräische übertragen wurde. Zu gleicher Zeit veröffentlichte ich die „Reden wider den Unglauben" (Leipzig, Leiner, 1856), die aus einer Reihe öffentlicher Vorlesungen hervorgegangen. Eine zweite Auflage erschien bei Baumgärtner 1858. Unterdeß war jedoch der Kampf auf dem politischen Gebiete für uns wieder erwacht. Seit 1853 stand die orientalische Frage wieder auf der europäischen Tagesordnung. Der Krimkrieg entspann sich; die Friedensverhandlungen spielten mitten hinein, wurden abgebrochen und nach dem Tode des Kaisers Nicolas zu Stande gebracht. Während dieser ganzen Zeit beschäftigte mich das Loos der orientalischen Glaubensgenossen nach zweien Seiten hin: daß alle Zugeständnisse an die christlichen Rajahs in der Türkei auch an die dortigen Juden gewahrt würden, und daß es unumgänglich nothwendig fei, die orientalischen Juden aus ihrer Apathie und Unwissenheit zu wecken. In ersterer Beziehung suchte ich durch Zuschriften an mehrere Staatsmänner, z. B. Lord John Russell, und persönliche Bemühung bei dem damaligen türkischen Gesandten in Paris, Vely Pascha, das gewünschte Ziel zu erreichen, und es wurden mir die bestimmtesten Versicherungen zu Theil, die sich auch bis heute verwirklicht haben. Nach der anderen Seite drang ich in einem gedruckten und vielverbreiteten Memorandum bei den europäischen Glaubensgenossen darauf, jüdische Jünglinge aus dem Orient kommen, erziehen zu lassen und als Sendlinge der Bildung nach ihrer Heimath zurückzubefördern. Durch persönliches Erscheinen interessirte ich dafür die maßgebenden Kreise in Brüssel, Paris, Straßbnrg, Hamburg und erhielt vielfache Zusagen. Jndeß entschied man sich später für die Errichtung von Schulen im Oriente selbst, und die Alliance israelite universelle entstand besonders für diesen Zweck. Die bisherige Erfahrung hat gelehrt, daß am füglichsten beide Systeme zu verbinden waren. — In Spanien war eine neue Revolution vollbracht worden. Unter der Regentschaft Espartero's waren constituirende Cortes versammelt. Ich richtete ein ausführliches, in spanischer Sprache abgefaßtes, mit geschichtlichen Nachweisen versehenes gedrucktes Memoire an die Cortes, in welchem ich den Widerruf des berüchtigten Verbannungsdecretes vom 12. März 1492 verlangte. Das Memoire gelangte durch das Consistorium zu Bayonne an Espartero und die Cortes und machte einen tiefen Eindruck, wie man im Jahrgang 1854 der „A. Ztg. d. Judenth." von Nr. 34 an lesen kann. Jndeß erlangte die Contterevolution wieder die Oberhand. — Durch die Thronbesteigung Alexander II. waren die lebhaftesten Hoffnungen für Reformen im großen Czarenreiche erwacht. Unter allen Volksclaffen schmachteten aber am meisten die Juden unter dem Drucke der schwersten Ausnahmegesetze. Es galt den rechten Zeitpunkt zu treffen. Ein Memoire, welches diese Ausnahmegesetze und

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