Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1877)
- Date
- 1877-10-23
- Page
- Seite 687 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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687 euilleton. Uedersicht der gesummten Schriften | -es Dr. Ludwig Philipps-«. (Fortsetzung.)^) Die mächtige Bewegung im Jahre 1848, welche das gesammte Volk in allen seinen Schichten ausrührte und ein Chaos von Ansichten, Wünschen und Bestrebungen an's Licht brachte, mußte natürlich auch den Schreiber dieses vielfach aufregen. Die bürgerliche Gleichstellung war mit dem ersten Anstoß entschieden, und wurde gleich in der ersten Proclamation des Königs ausgesprochen. Thatsächlich war sofort jeder confessionelle Unterschied auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens verschwunden. An die Gleichstellung der Culte und deren Durchführung dachte Niemand und konnte Niemand denken, da das gesammte Interesse auf die politischen und socialen Angelegenheiten gerichtet war. Nach dieser Seite hin gab es demnach jetzt nichts zu schaffen. Meine öffentlichen Vorlesungen hatten mich vor die Augen meiner Mitbürger gestellt, und es traten daher auch mannichfaltige Auf- und Anforderungen an mich heran. Da ich jedoch hier nur meine literarischen Arbeiten zu skizziren habe, so berücksichtige ich nur diese. An der Redaction der 1848 in Magdeburg erscheinenden „Elb- Zeitung^ (Fabricius u. Schäfer) nahm ich einen sehr thatigen Antheil, so daß die meisten Leitartikel derselben aus meiner Feder stoffen. Neben diesem allgemein-politischen Tagesblatte redigirte ich auch das vom 19. Mai an „vom Vorstande des Handwerkervereins der Provinz Sachsen" herausgegebene „Hrndwerkerblatt" (Wohlfeld) durch die Jahre 1848 und 1849, ein Wochenblatt, welches sich nicht auf die factischen Zustände der Handwerke beschränkte, sondern auch die socialen Verhältnisse vom allgemeineren Standpunkte erörterte. Hierzu war ich in folgender Weise gekommen. Zu den eifrigsten Zuhörern meiner Vorlesungen gehörte eine Anzahl gebildeter Havdwerkermeister, die mich schon längere Zeit vor der Februarrevolution aufforderten, meine Gedanken über die Lage des Handwerkerstandes in einem öffentschweben noch heute diese Fragen in der Luft, ungelöst von der neuen Gewerbeordnung. Ich kam jenem Verlangen nach, und der Vortrag: „Ueber die Stellung des Handwerkerstandes, seine Gebrechen und wie ihnen abzuhelfen sei?" (Magdeburg, Wohlseld, 1848) wurde gedruckt und fand zum Besten des Handwerkerunterstützungsvereins weite Verbreitung. Hieran reihte sich das angeführte Handwerkerblatt, und als gemäß der Verordnung vom 9. Februar 1849 in Magdeburg ein Gewerberath gegründet und ich durch die einstimmige Wahl rer Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Fabrik, Kaufmannsstand und Handwerk) zum aussührenden Mitgliede des Gewerberaths gewählt wurde, gab ich 1850 „Die Zeitung für die Gewerberärhe in den preußischen Staaten" (Magdeburg, Baensch, 1850) heraus. Als gegen Ende des Jahres 1848 die Wendung der politischen Strömung eintrat und es noch nicht erkennbar war, wohin dieselbe ausgehen werde, versuchte ich eine Zeitschrift zu gründen, um einen sicheren und festen Standpunkt für die Entwicklung und das Verstanrniß der Ereignisse zu vermitteln: „Politische und sociale Monatsschrift. Unter Mitwirkung mehrerer Abgeordneten und Staatsmänner." (Leipzig, Baumgärtner, 1849.) Aber es war damals keine Zeit zur ruhigen und besonnenen Betrachtung. Der revolutionäre Sturm von der einen und die Contrerevolution von der anderen Seite ließen Maß und Forschung nicht zu. Die anschwellende Reaction wollte sie erst recht nicht, und obgleich ich den Inhalt dieser Monatsschrift durch günstige Umstände recht intereffant und mannichfaltig zu machen in den Stand gesetzt war, gab ich sie doch nach dem dritten Hefte auf. Auch politisch gab ich der Stimmung gerade dieses eigenthümlichen Zeitpunktes einen Ausdruck in der Sammlung von Gedichten: „Stimmen und Stimmungen aus der Zeit." (Magdeburg, Fabricius, 1849.) Hiermit war dieser Theil meiner literarischen Thätigkeit abgeschlossen, neben welcher die Redaction der „Allg. Zeitung des Judenthums" und die Vollendung meines großen Bibelwerks ununterbrochen fortgesetzt worden. — Zu verzeichnen habe ich lichen Vortrage auszusprechen. Bei aller entschiedenen Opposition! noch: „Predigt zur Einweihung der neuen Synagoge zu Eisleben gegen die communistischen und socialistischen Ideen, war doch schon am 30. August 1850" (Eisleben, Kuhnt, 1850), und „Predigt damals die Unzufriedenheit mit der Lage der Dinge in der Ge-! zur Trauung des Herrn L. Hellmann in der Synagoge zu Dessau sellschaft allgemein verbreitet. Der Handwerkerstand, der trotz! am 6. August 1854" (Magdeburg, Wohlfeld, 1854), sowie: der bereits vierzigjährigen Gewerbefreiheit in Preußen seine alten Traditionen von Zunft und Innung nicht vergessen hatte, sah sich an der einen Seite von der Zuchtlosigkeit der Lehrlinge und Gesellen, an der anderen Seite von dem Fabrik- und Magazinwesen» daß sich immermehr der einzelnen Handwerke bemächtigte, bedroht und es schien hierdurch der gesunde deutsche Mittelstand gefährdet. Man sah sich nach Heilmitteln um, und bekanntlich man 1), 3m ersten Artikel, 9!r. 38, S. 605, Sp. 1, Z. : S. 61)6, Sp. 2, Z. 17 v. o.: inlervg 6 v. inlervsrum. u. lese „Kleines israelitisches Gesangbuch, enthaltend deutsche Lieder und Melodieen zu den hohen Festen, zur Todtenfeier, Confirmation, Trauung, Synagogenweihe, und zu vaterländischen Festen" (Leipzig, Baumgartner, 1855), welches insonders für den Gottesdienst in mittleren und kleineren Gemeinden, wo nur schwache Gesrngskräfre vorhanden, bestimmt war. — Nach Vollendung meines Bibelwerkes dachte ich an die Befriedigung eines anderen Bedürfnisses. Von October 1853 an gab ich das „Jütische Volksblatt zur Belehrung unv Unterhaltung auf jüdischem Ge- 43*