Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1877)
- Date
- 1877-10-23
- Page
- Seite 684 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227167--35747-3305737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
684 in irgend einem unzuverlässigen Zeitungsreferat geworden zu sein. Ich hoffe, daß dies in Zukunft den geehrten Herrn Dirigenten zur Vorsicht bei seinen Veröffentlichungen und zu bescheidnerer Beachtung objectiver Einwürfe gegen dieselben mahnen wird. Seine sonstigen Declamationen wegen meiner Bemerkung über die Zeitgemäßheit und Lebensfähigkeit einer gleich der seinigen organisirten Anstalt will ich gänzlich auf sich beruhen lasten, da mir nichts ferner liegt, als den Bestrebungen jenes Herrn Abbruch zu thun. Karlsruhe (Baden), 7. Octbr. (Privatm.) Ihre Zeitung hat von mehreren Orten Berichte über die Gesuche um Beurlaubung der jüdischen Militärs an den höchsten Festtagen, da dieselben in die Zeit der Manöver fielen. Lasten Sie mich daher mittheilen, daß sowohl vom großherzogl. Oberrathe in officieller Eingabe als auch vom Rabbiner Will st älter persönlich durch mündliche Verwendung bei dem königlichen General-Commanvo des 14. Armeecorps versucht wurde, für die isr. Soldaten während der jüngsten hohen Festtage, an welchen Manöver und Paraden vor dem Kaiser stattfanden, Beurlaubung, resp. Dienstbefreiung zu bewirken, jedoch nur mit dem geringen Erfolge, daß letztere für den 9. v^M., der auf einen Sonntag fiel (n'Sn 'n a*p) den Bibelsatz unterlegte: „Es werde Licht! und es ward Licht" — das Bethaus als geweiht. Nach der Rede wurde das „ewige Licht" entzündet, worauf der regelmäßige Sabbath - Eingangs- Gottesdienst abgehalten wurde. Am Samstag, 10 Vormittags, fand Frühgottesdienst statt, bei welchem Herr Prof. l>r. David Kaufmann die Festrede gehalten. — In der Sitzung der Versammlung der israelitischen Districts - Präsidenten spendeten die Herren: Leo Holländer aus Eperies 1000 fl., Ignaz S. Eisenstadter de Buziäs aus Temesvur 1000 fl., Ignaz Schreiber aus Raab 1000 fl., Anton Steinfeld aus Debreczin, als „Michael Steinfeld- Stiftung", 1000 fl., Heinrich Gutmann de Gelse aus Gr.-Kanizsa 500 fl., Heinrich Rosenberg aus Kleinzell 200 fl., Eduard Mandel aus Nyirbätor 100 fl., dem Unterstützungsfond für unbemittelte Schüler der Landes-Rabbiuenschule. Außer Viesen namhaften Spenven wurden noch mehrere kleinere Beträge angemeldet. — Die Seminar-Commission hat in einer Audienz dem Ministerpräsidenten Tisza ihren Dank für die Beförderung der neuen Lehranstalt ausgesprochen. Der Minister sicherte ihr den ferneren Schutz der Regierung zu, den er für eine patriotische Pflicht jeder Regierung erklärte. — Glückwunschreiben sind und auf den 17. v. M. prfrn) Nachmittags nach Beendigung!von der Anglo-Jewish-Affociation, dem Verein für Aufklärung der Kaiserparade gewährt wurde. Ich meine, es sollten Vertreter der Israeliten Deutschlands sich in einer Jmmediat-Eingabe an den Kaiser mit der Bitte wenden, daß in Zukunft bei Festsetzung von Manövern und Paraden mindestens auf unsere höchsten Feiertage ("an"TH n"n) Rücksicht genommen werde. Ein Aehnliches sollte auch rücksichtlich der Festsetzung der Zeit für schwurgerichtliche Verhandlungen bei dem obersten Reichsgerichte erbeten werden, damit Collisionsfälle, wie Sie eines solchen jüngst in Ihrer Zeitung von Thorn aus erwähnten, nicht mehr verkommen können. Ob Beides mit Erfolg geschehen wird, steht allerdings zu bezweifeln. Allein der Versuch sollte wenigstens gemacht werden. Oesterreich-Ungarn. Pest, 7. October. Zu dem ausführlichen Bericht über die Eröffnungsfeier sind wohl noch einige Notizen hinzuzufügen. Im Seminargebaude wurde vorgestern Abends der Haustempel feierlich eröffnet. Die noch hier weilenden Mitglieder der zur Schlußfieinlegung hierhergekommenen Deputationen und ein andächtiges Publikum aus den jüdischen Kreisen der Hauptstadt füllten das Gotteshaus in allen Räumen. Cantor Eiben schütz sang zur Eröffnung den Fest-Psalm, hierauf wurden die Thora-Rollen in feierlichem Umzug im Betraume umhergetragen. Der Zug blieb sodann vor dem Almemor (Altar) stehen und die Rollen wurden unter Absingung der vorgeschriebenen Gebete in die Bundeslade eingethan. Nach diesem feierlichen Akte bestieg Prediger Bloch der Juden in Rußland, vr. Zunz in Berlin, vr. Philippson in Bonn, Großrabbiner Astruc in Brüffel, Rabbiner Netter in Nizza, Rabbiner vr. Perles in München und Rabbiner vr. Landau in Dresden eingegangen. Hervorzuheben ist noch, daß die evangelischen Collegien zu Klausenburg und Nagh-Enyed und das Seminar der Unitarier zu Klausenburg ihre Theilnahme zu herzlichem Ausdruck brachten. Ungefähr 130 jüdische Gemeinden Ungarns waren bei der Feier durch Deputationen vertreten. Bon der Donau, 7. October. (Privrtmitth.) Auf einen besonderen Umstand bei der Einweihungsfeier des Pester Rabbiner- Seminars möchte ich mit einigen Worten noch aufmerksam machen. Soweit diese Feier von den Einheimischen ausging, war sie durchaus ungarisch gehalten. Die drei Redner, die sich vernehmen ließen, der Präsident der ungarisch - israelitischen Landeskanzlei, Herr Martin Schweiger, der Prediger der Pester Gemeinde, Herr vr. S. Cohn, und der Docent am Seminar, Herr Vr. Bacher, hielten sämmtlich ihre Reden in ungarischer Sprache, und es war eben Niemand von den Hiesigen zugezogen, der deutsch gesprochen hätte. Ebenso waren die Documente für den Schlußstein sämmtlich ungarisch. Daß die eingeladenen deutschen Gäste deutsch sprachen, versteht sich von selbst und thut zur Sache nichts. Desgleichen soll nach Ablauf von drei Jahren die Unterrichtssprache am Seminar die ungarische fein und die angestellten Lehrer haben sich verpflichtet, nach dieser Zeit ungarisch vorzutragen. Nebenbei sei bemerkt, daß überhaupt gegenwärtig die Erziehung der jüdischen Jugend fast ganz auf das Ungarische gerichtet ist. Ich theile nun ebenfalls die Meinung, welche in die Kanzel, erklärte in einer schönen Rede, welcher er als Text dieser Zeitung stets verfochten worden, daß die Juden die Sprache