Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1877)
- Date
- 1877-10-23
- Page
- Seite 683 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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683 geregelt werden müsse. — In ähnlichem Sinne — wenn auch mit etwas mehr Zurückhaltung — hatte sich am Tage vorher einer der Herren Rache gegen Das Mitglied der Deputation, I»r. Badt, geäußert. — Sr. Excell. bezeugte im wesentlichen seine Sympathien mit dem Streben der Petenten, wenn er auch dem endgiltigen Urtheil nicht prajudiciren mochte. Die Ausführungen der im April eingegangenen Petition seien keineswegs unbeachtet geblieben, sondern reiflich in Erwägung gezogen und bei dem Unterrichtsgesetz verwerthet worden. Doch sei die ganze Frage gegenwärtig noch nicht spruchreis und werde wohl durch die Discussionen im Hause der Abgeordneten geklärt werden. Berlin, 15. October. iPrivatmittb.) Wie ich aus einer Quelle, die mir durchaus zuverlässig erscheint, erfahre, ist der Unterrichtsgesetzentwurf vom Finanzminister und Vicepräsiventen des Staatsministeriums zurückgelangt mit dem Bemerken, daß die gegenwärtigen Verhältniffe durchaus nicht geeignet feien, das Unterrichtsgesetz zu Stande zu bringen. Aus der Provinz Posen, im October. (Privatmittheil.) In Exin feierte am 30. September der dortige Probst Plucinski sein fünfzigjähriges Priesterjubilaum. Die jüdische Bevölkerung nahm an der desfallsigen Feier einen lebhaften Antheil sowohl durch die Mitglieder der städtischen Behörden, die ihrer Religion angehören, als auch indem sie sich an der Illumination betheiligle, welche am Abend seitens der Katholiken veranstaltet wurde. Hierzu hat sie aber auch volle Ursache. Es dürste am Platze sein, bei dieser Gelegenheit darauf Hinzuwelsen, welche Verdienste der Jubilar sich im Jahre 1848 während des polnischen Aufstandes um Exin erworben hat. Es erschien in jener Schreckenszeit eines Tages vor Exin ein Trupp Sensenmänner und gab in unzweideutiger Weise die Absicht kund, unter den jüdischen Familien der Stadt ein Blutbad anrichten zu wollen. Als der Probst hiervon Kenntniß erlangte, trat er in feierlrcher Amtstracht, mit dem Kreuze in der Hand, den rohen Anführern in den Weg und versuchte dieselben zum Rückzüge zu bewegen. Als dies nichts fruchtete, La entblößte der brave Mann seine Brust und ries: „Wollt Ihr Blut haben, so lödtet mich! Nur über meinen Leichnam kommt Ihr in die Stadt!" Da zog die wilde Rotte beschämt zurück und die Stadt war gerettet. Diese edle Thal ist durch König Friedrich Wilhelm IV. durch Verleihung des rothen Adlerordens vierter Elaste belohnt worden. Wenn also die jüdischen Familien sich an der Illumination betheiligt haben, so war dies nichts weiter als ein Act der Dankbarkeit, den jeder brave Mann zu würdigen wiffen wird. Breslau, 4. October. (Privatmitth.) In dem vor Kurzem ausgegebenen zehnten Bericht der hebräischen Unterrichtsanstalt des l)r. P. Neustadt über das Schuljahr 1876 77 hält der genannte Herr nicht nur die in einem früheren Berichte von ihm ausgestellte und von mir in dieser Zeitung feiner Zeit zistermäßig widerlegte Behauptung aufrecht, daß in der hiesigen Gemeinde mindestens 40 0 0 jüdische Kinder ohne allen hebräischen Unterricht auswachsen, sondern er versucht, angeblich aus ofsiciellen Veröffentlichungen die von mir beigebrachten, und seiner crasten Uebertreibung entgegengehaltenen Zahlen als falsche und lediglich aus meiner Phantasie entsprungene darzustellen, während die seinigen „essiciell, dem Magistratsbericht entnommen seien." (Seite 11 u. Anm.) Dieses nicht recht zu qualificirenve Verfahren verdient roch eine Zurückweisung, da der Herr Berichterstatter mit seinen chronischen Lucubrationen sich bekanntlich in sehr weite Kreise drängt, wo das Material zur Prüfung seiner Gründlichkeit und seiner Wahrheitsliebe nicht so leicht zu beschaffen sein dürfte wie hier. Ich hatte jener Behauptung das Factum entgegengestellt, daß in dem letzten Verwaltungsbericht des hiesigen Magistrats unter 29,023 Schülern aller Kategorien und Bekenntniste, die in dem Schuljahr 1873/74 sowohl in öffentlichen wie in Privatunterrichtsanstalten (jedoch excl. der Kleinkinderbewahranstalten) ausgenommen waren, sich überhaupt nur 2 6 3 0 oder ca. 9 (,/o jüdische Schüler befanden. Ich hätte noch hinzufügen können, daß Liese Ziffer der Summe der überhaupt vorhandenen jüdischen Kinder im schulpflichtigen Alter nahzu entsprechen dürfte, weil nach einer andern Stelle jenes Berwaltungsberichts anzunehmen ist, daß im Großen und Ganzen die Zahl der schulpflichtigen und diejenige der die Schulen factisch besuchend en Kinder in Breslau nicht erheblich differirt, und weil ja bekanntlich die jüdischen Familien es mit dem Schulbesuch der Kinder sehr ernst nehmen. — Meinen Ziffern setzt Herr Neustadt nunmehr ohne Angabe einer Quelle ein Citat aus einem angeblichen „Bericht der Schulverwaltung" entgegen; wonach „sämmtliche öffentliche und private, höhere und niedere Schulen im Jahre 1871 von 28,023 Schülern besucht wurden (diese Gesammtziffer stimmt also mit meiner Angabe). Von sämmtlichen Schulen sind 58 evangelischer, 23 % katholischer und 1 9 "/o jüdischer Confession." Diese letztere Ziffer berechnet Herr Neustadt auf 5324 und wundert sich wie ich auf 9 "/„ und die Ziffer 2630 jüdische Schüler gekommen sei. Ich richte nunmehr an Herrn Neustadt die Gewissensfrage: woher er denn die 19 % genommen haben mag. Aus dem mir vorliegenden, oben citirten „Verwaltungsbericht des Magistrats für die Jahre 1870—1871" sicherlich nicht; denn dieser enthält auf Seile 64 in der Tabelle IV. für das Schuljahr 1873,74 in der Colonne „Hauptsumme" die Zahl der Schulkinder nach den Confessionen folgendermaßen: evangelische 16320 oder 58,24 °,o» katholische 8977 oder 32,03 °/o (nicht 23!), jüdische 2530 oder 9,30 °o (nicht 19!), dissivcntische 96 oder 0,34 °/o, macht in Summa 28023 — 100 " o. Ich meine, daß diese Rechnung genau stimmt, und daß es an Herrn Neustadt ist, seine abweichende Quelle gefälligst näher zu bezeichnen, wenn er nicht in Verdacht kommen will, ich will nicht so unhöflich sein wie er, zu sagen: sich die Zahlen willkürlich „aus der Phantasie" zu construiren, so doch das Opfer eines verhängnißvollen Druckfehlers