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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-23 · Heft 43 (23.10.1877) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 43 (23.10.1877)
Date
1877-10-23
Page
Seite 682 (sequence 6)
Language
German
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682 (Eb. Es. 1, 1), verbietet auch als Forderung des Gesetzes, jedes Castriren von Menschen und Thieren (das. 5, 11). Daß die in der Geschichte der Könige öfter Vorkommen, erweist gar nichts, denn einerseits haben die Könige oft genug gegen das Gesetz gehandelt und andrerseits hat, wie wir schon bemerkt, 0*na die allgemeine Bedeutung von „Höfling, Hosbedientem", und unterscheidet sich als solcher vom -nr, königlichen Beamten und zu anderweitigem Dienste Bestimmten. Die 'Abstammung und Grundbedeutung des Wortes ist unbekannt. Das Wort ging auch in das Egyptische über, und bedeutet hier ebenfalls „Kämmerer", ohne daß damit der Begriff Verschnittener verbunden ist. s Drug sch, Geschichte Egyptens, S. 248, Leipzig, 1877.) — Wir hoffen, daß wir uns mit dem geschätzten Autor bald wieder einmal auf friedlicherem Boden begegnen werden. d Deutschland. Berlin, 12. Oktober. (Privatmitth.) Der Bericht über die feierliche Eröffnung des Rabbinerseminars in Pest weckt unwillkürlich die Erinnerung an die Einweihungsfeier der hiesigen Hochschule für die Wisienschafr ees Iudenthums, und zeigt auf die Verschiedenheit der Verhältnisse in Preußen und in Oesterreich- Ungarn einmal so recht eclatant hin. Wenn wir selbst absehen davon, daß unsre Anstalt allein aus jüdischen Privatmitteln, die ungarische aus einem unter der Aufsicht der Regierung verwalteten und von dieser für die einzelnen Zwecke zu bestimmenden Fond hervorgegangen, absehen hiervon, weil dieser Fond doch auch nur aus jüdischen Steuern entsprungen ist — so erblicken wir doch bei dieser Feier den Ministerpräsidenten, den Unterrichtsminister, den Rector der Universität und eine weitere Anzahl ungarischer Würdenträger anwesend, während dieselbe Feier für die hiesige Hochschule nicht einen einzigen Ministerialrath, nicht einen einzigen höheren Beamten, nicht eine einzige christliche Capacitäl außer einigen wenigen hervorragenden Publizisten und Literaten, angezogen halte. Die Anstalt wurde von oben her gänzlich ignorirt und wird es noch heute. Es ist dies eine Consequenz jenes Princips, welches in Preußen allzeit beobachtet wurde: die jüdische Intelligenz möglichst zurückzuweisen, während dem materiellen bürgerlichen Wesen der Juden keine Hindernisse bereitet wurden. Im Speciellen kommt hinzu, daß man in Preußen stets die Judenbekehrung von oben her begünstigte, ja thätig förderte, daß man daher Allem abhold ist was eie Hebung und den Ausbau des Iudenthums bewirkt, und daß man daher eine „Wissenschaft des Iudenthums" so wenig freundlich ansieht, wie früher die Reformen des Gottesdienstes. Nicht zu übersehen ist, daß eine solche Sanction seitens der Regierung, wie sie eben in Pest stattgefunden, auf das jüdische Publikum, wie es einmal beschaffen ist, einen großen Eindruck macht und die Autorität einer neuen Anstalt außerordentlich befestigt. Erfüllt daher das neue Rabbinerseminar die Erwartungen, die man von ihm hegt, so wird sein Einfluß sich sehr segensreich gestalten. — Es ist nicht unsre Sache, anzuklagen oder in harter oder gar übertreibender Weise Beschwerde zu führen. Aus religiösem Gebiete hat Ccfetl/cßteLt. es sich immer bewährt, daß eine Glaubensgenoffenschaft, wenn sie sich von Regierungsseite zurückgesetzt hält, daraus mehr Stärkung als Schwächung zieht. Aber die Thatsachen zu bezeichnen, wie sie einmal sind, ist unsre Aufgabe. Der Standpunkt des preußischen Cultus- und Unterrichtsministeriums ist noch heute ein protestantischer. Wie weit er dies den Katholiken gegenüber fei, geht uns hier nichts an. Dem Judenthume gegenüber erhärtet er sich als solcher. Wir glauben daher auch nicht, daß die jetzt hier weilende Deputation der jüdischen Religionslehrer in Posen und Schlesien, welche die bekannte Petition um Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Lehranstalten an den Herrn Unterrichtsminister gerichtet haben, bei diesem einen wirklichen Erfolg haben werde. Freilich hat auch in dieser Angelegenheit, an welcher sich aufrichtige Orthodoxe betheiligten, die Separatistenklique in Main; und Frankfurt in feindseligem Sinne sich thätig gezeigt. Durch den Abgeordneten Lasker empfohlen, hat nun einmal die Klique für ihre Stimme Gehör gefunden, obschon die wirklichen Orthodoxen ebenso wenig wie die Reformer von ihr wissen wollen. Allein dies ist doch nur möglich, weil es eben mit dem alten Standpunkte der preußischen Slaatsregierung dem Judenthume gegenüber übereinstimmt. So gm wie man den Parochialzwang für die christlichen Kirchengemeinven festhielt, für die jüdischen Gemeinden aufhob, ebenso wird man den christlichen Religionsunterricht als obligatorisch beibehalten, dem jüdischen aber diesen Charakter versagen, obschon man dabei in den christlichen Kirchen auf viel mehr Opposition stößt als bei den jüdischen Gemeinden. Berlin, 12. October. (Privatmitth.) Die von der Versammlung jüdischer Religionslehrer Schlesiens und Posens abgesandrc Deputation, bestehend aus den Herren Iw. Joel-Krotoschin, kW. Baeck-Liffa und Or. Badt-Breslau, hatte heute Audienz bei Sr. Exc. dem Herrn Minister Falk. — Der Sprecher derselben, lw. Joel, trug die Wunsche seiner Mandanten vor. Sr. Exc., welche schon vor der Anrede des Sprechers sich vollständig orientirt gezeigt hatten, lehnte eine schon jetzt zu treffende Entscheidung aus dem Grunde ab, weil die Frage, ob der Unterricht in jüdischer Religion obligatorisch oder facultativ sein solle, eine principielle und nach mannichfachen Richtungen wichtige sei und daher nicht im Wege der Verwaltung, sondern in dem der Gesetzgebung

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