Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-16 · Heft 42 (16.10.1877) · p. Seite 672

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 42 (16.10.1877)
Date
1877-10-16
Page
Seite 672 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227166--35734-3305723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

672 spiel als gute Bürger, als treue Sohne des Vaterlandes bewahren. Der Redner schließt mit den Worten: „Mögen diese Hoffnungen zu Wahrheit werden, möge diese Anstalt bis in die spatesten Jahre blühen, möge in diesen Mauern stets der Geist der Besonnenheit und Wisienschaftlichkeit wehen, möge diese Anstalt stets nur wirken zur Befestigung des religiösen Sinnes, zur Förderung der Wissenschaft, zum Heile und Frieden des ungarischen Israel, zum Ruhme des Vaterlandes." Nach diesen beiden von häufigem Beifalle unterbrochenem Reden trat vr. Gr ätz, der Vertreter der Breslauer jüdischtheologischen Lehranstalt, vor, begrüßte das Präsidium der Landeskanzlei, den Lehrkörper und die sämmtlichen anwesenden Festgäste und verlas sodann eine von der Breslauer Schwesteranstalt an die hiesige gerichtete Adresse, die besonders hervorhebt, daß das Breslauer Institut sich gleichsam als die Mutter der jungen Budapester Rabbinenschule betrachten darf, da zahlreiche ihrer Schüler hier in der Hauptstadt sowohl, als allenthalben im Lande als Seelsorger, als Lehrer jüdisch-theologischen Wissens eine segensreiche Wirksamkeit entfalten. vr. David Kassel, Delegirter der Berliner jüdisch-theologischen Lehranstalt, brachte gleichfalls brüderliche Grüße und Wünsche für das Erblühen und Gedeihen der neuen Anstalt. Er sprach im eigenen, wie im Namen seiner Committenten, ja des ganzen Judenthums innigen Dank für das, was hier König, Regierung, Nation und Comitv durch die Errichtung des Institutes an dem Judenthum gethan. Mit besonders lebhaftem Beifall wurde jener Passus der Rede vr. Kassel's ausgenommen, in welchem er jenen Angehörigen anderer Religionen Dank sagt, die herbeigekommen, um dieses schöne Fest ihrer israelitischen Mitbürger durch ihre Gegenwart zu ehren, vr. Leopold Kompert war der Sprecher der aus vier Mitgliedern (darunter vr. Jellinek und vr. Güdemann) bestehenden Deputation der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Er brachte gleichfalls in warmen sympathischen Worten die Glückwünsche seiner Sender dar. Die Feier endete um 1 72 Uhr Nachmittags mit Absingung eines Schlußchorals. Die Minister und die anderen hervorragenden Gäste wurden auch bei ihrem Weggehen mit lebhaften Lljenrufen begrüßt. Vermischtes. Etwas über die Vorfahren Heine's. Im Julihest der „Deutschen Rundschau" veröffentlicht Strodtmann, der Biograph Heine's, einige Briefe der Mutter dieses Dichters, und giebt einleitend einige von ihm gesammelte Notizen über die Vorfahren Heine's von mütterlicher Seile. Es geben diese einen culturhistorischen Blick in die Verhältnisse der Juden im vorigen Jahrhundert, und ziehen wir deshalb das Nöthige aus ihnen hier an. Mit Hülfe der nachstehenden Briefe, welche sämmtlich in deutscher Sprache, aber mit hebräischen Lettern geschrieben sind, wird es möglich sein, von dem eigenthümlichen Wesen der Mutter H. Heine's ein anschaulicheres Bild zu gewinnen, als ich es, nach den bisherigen kargen Quellen, in meiner Biographie des Dichters zu zeichnen vermochte. Zunächst sei hier, unter weiterer Ausführung und theilweiser Berichtigung früherer Angaben, zusammengestellt, was über ihre Familie und deren Vorfahren zu ermitteln war. Der Stammvater der Familie von oder van Geldern, Isaak, war um das Jahr 1700 von Holland nach dem Herzogthume Jülich-Berg ausgewandert. Er war ein begüterter Mann, der sein Vermögen durch ausgedehnte Geldgeschäfte im Laufe der Jahre noch ansehnlich vermehrte, zugleich aber in humanster Weise für die Verbesserung der traurigen Lage seiner in Deutschland vielfach verfolgten und unterdrückten Stammesgenossen thätig war. Geschäftsreisen führten ihn mehrmals nach Wien, wo er mit dem berühmten Banquier Samuel Oppenheimer in Verbindung stand, welcher sich der speciellen Gunst des Kaisers erfreute und von diesem seit 1677 zum Factor und Hofjuden ernannt worden war, eine Stelle, die er bis an seinen Tod 1723 bekleidete. Isaaks Sohn, Lazarus von Geldern, begleitete den Vater auf einer dieser Reisen und führte die Tochter des am kaifer- ' lichen Hofe nicht minder geschätzten Simon Preßburger als Gattin heim. Er ließ sich in Düsseldorf nieder und setzte mit Energie und Glück bas Geschäft des Vaters fort. Seine feine Weltbildung und der Ruf seiner Rechtschaffenheit und Gewandtheit brachten ihn mit vielen angesehenen Männern in Verkehr und kamen auch dem Kurfürsten Karl Philipp zu Ohren, der ihn 1727 zu seinem Hoffactor ernannte. Dieser Umstand hat später zu der Fabel Anlaß gegeben, als sei Lazarus von dem genannten Fürsten mit einem Adelsdiplom beschenkt worden." Lazarus heißt von, d. i. aus Geldern, wie andere jüd. Familien nach ihrem Geburtsort sich von Leyden, von Emden, von Utrecht, von Holland nannten. Der Adel wurde damals Juden noch nicht ertheilt. Wurden sie ja bis tief in das 18. Jahrhundert hinein selbst in der Ausübung der medicinischen Praxis, in welcher sie von jeher Vorzügliches geleistet, durch die Unduldsamkeit der christlichen Religionslehrer, z. B. durch die Erklärungen der theologischen Facultäten zu Wittenberg und Rostock vielfach behindert. „Trotz all' dieser Hindernisse strebten die Juden mit Ernst und Eifer, sich die Früchte gelehrter Bildung anzueignen, und auch das Geschlecht von Geldern hat den Zierden der Wissenschaft mehr als Einen ruhmvollen Namen hinzugefügt. Bon den Söhnen des Lazarus von Geldern widmete der ältere, Simon, geb. zu Wien, den-11. November 1720, gest. zu Forbach 1774, sich mit Erfolg dem Studium der Sprachwiffen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.