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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-16 · Heft 42 (16.10.1877) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 42 (16.10.1877)
Date
1877-10-16
Page
Seite 673 (sequence 13)
Language
German
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673 schaft und machte sich sowohl durch seine großen Reisen in ganz Europa und einem Theile des Orients, wie durch seine philologischen Arbeiten und ein in englischer Sprache verfaßtes Gedicht „Die Israeliten auf dem Berge Horeb" bekannt. Sein jüngerer Bruder, Gottschalk, geb. zu Düffeldorf, den 30. Novbr. 1726, war ein ausgezeichneter Arzt und bekleidete das Ehrenamt eines Vorstehers der damals in den Herzogthümern Jülich und Berg sich bildenden israelitischen Gemeinden. Wie ein Vater für seine Kinder, sorgte er für das Wohl seiner Glaubensgenoffen, als Arzt wie als Menschenfreund gleich geehrt bei Juden und bei Christen. Es ist nur ein vereinzeltes Beispiel seines allzeit hülfebereiten Sinnes, daß er, als sein Freund, der Mathematiker Kalman Cohen, und dessen ältester Sohn Aaron 1779 in einer und derselben Woche starben, die verwaisten Söhne des Letzteren, Mordachai und Abraham, zu sich in's Haus nahm und sie auf das sorgfältigste mit seinen eigenen Kindern erziehen ließ. Die erste Ehe Gottschalks von Geldern war mit zwei Söhnen und zwei Töchtern gesegnet. Der älteste Sohn, Joseph, geb. den 24. November 1765, studirte, nachdem er seine Vorbildung in Düsseldorf empfangen hatte, zu Bonn und Heidelberg und promovirte als Doctor der Mevicin und Philosophie zu Duisburg. Dann begab er sich nach München, um sich dort der für die ärztliche Praxis in Bayern vorgeschriebenen Staatsprüfung zu unterwerfen. Die glänzende Art, in welcher er dies Examen bestand, erwarb ihm die für einen Juden doppelt ehrende Auszeichnung, vom Kurfürsten Karl Theodor zu, seinem Hofmedicus ernannt zu werden. Trotzdem kehrte er zum Beistände seines alternden und kränklichen Vaters nach Düffeldorf zurück. Aber nur wenige Monde wirkten Vater und Sohn zusammen; am 12. October 1795 starb Gottschalk, und schon am 25. April des nächsten Jahres folgte ihm sein Sohn. Sein um drei Jahre jüngerer Sohn, Simon von Geldern, hatte, wie Joseph, zu Bonn und Heidelberg Medicin studirt. Er erbte die Praxis des Vaters und Bruders und stand, gleich diesen, bis an seinen Tod (1833) als Arzt wie als Mensch in hoher Achtung. Sein Neffe H. Heine, blieb mit dem aufgeklärten, feingebildeten Manne, der sich auch für die Reformbestrebungen des Judenthums warm interessirte und ein Mitglied des in den zwanziger Jahren von Ganz, Zunz und Moser begründeten Vereins für Cultur und Wiffenschaft der. Juden war, während seiner Unidersitätszeit und später noch in herzlichstem Verkehre." Das Original von Walter Scott's „Rebekka". Der nachmals berühmte amerikanische Schriftsteller Washington Irving lernte in seiner Jugend eine sehr intelligente und schöne Jüdin, Rebekka Gratz, in Philadelphia kennen. Die Bekanntschaft wandelte sich in Liebe, welche beide zueinander empfanden; Irving warb um sie und wurde unter der Bedingung angenommen, daß die Eltern der Dame ihre Einwilligung in die Verbindung ihrer Tochter mit einem Christen geben würden. Die jüdische Tradition verbot eine solche Heirath, und obgleich die Eltern den Bewerber sehr achteten, konnten sie sich doch nicht zu einer Verletzung dieses geheiligten Gebrauches ihres Stammes entschließen. Die Liebe zwischen der Dame und Irving war so groß, daß nur der Gehorsam und die Kindespflicht sie von ihrer Verbindung zurückhielt. Jedoch gelobten sie sich, daß sie im Herzen einander durch das ganze Leben treu bleiben und nie heirathen wollten. In diesem Stadium ihrer Beziehungen besuchte Irving zum ersten Mal Sir Walter Scott. Letzterer hatte sich schon einen unsterblichen Ruf als Schriftsteller erworben und Ersterer hatte durch seine literarischen Arbeiten die Aufmerk- Scott's auf sich gezogen, der damals die herrliche Gevon Jvanhoe plante. Persönlicher Verkehr mit Irving gewann Scott's Vertrauen so sehr, daß er ihm den Plan seiner Geschichte fkizzirte und ihm gestand, daß er noch eine andere Heldin wie Rowena gebrauche. Jrving's Herz und Kopf waren voll seiner romantischen Liebe für Rebekka Gratz und erbot sich bescheiden, Scott mit einer Heldin zu versehen, von der viele Charakterzüge aus dem wirklichen Leben enMommen sein sollten. Dieses Anerbieten wurde angenommen, und Jrving's Rebekka in jungfräulicher Treue mit ihm durch innigste Liebe verbunden, stand als Modell zu der unsterblichen Rebekka in Jvanhoe. Scott wandelte es natürlich nach den Anforderungen seiner Geschichte etwas um, aber im Ganzen wurde das hohe Ideal unverändert angenommen. Es ist Jedermann bekannt, daß Irving nie verheirathet war und seine näheren Bekannten wissen oder glauben, daß die Ursache davon eine frühe Liebe gewesen, über welcher eine geheimnißvolle Wolke hing, und welche ihn gegen alle Reize und Vorzüge anderer Frauen, die ihn hochachteten und in deren Herzen er wärmere Gefühle erweckte, gleichgültig machte. Rebekka Gratz, edel und liebend, deren Herz und Hand dem Leiden und Kummer stets geöffnet war, blieb ihrem Glauben treu und starb wie Irving unvermählt. — So erzählten vor Kurzem amerikanische Blätter. Ein interessanter Beweis für den Wandel der Bevölkerung an einem Platze selbst im Laufe weniger Jahrzehnte, bietet die Stadt Newport in den Bereinigten Staaten. In ihr gehörten zahlreiche Israeliten zu den Bewohnern der Stadt seit der Erbauung derselben, so zahlreich, daß eine breite und lange Straße ihren Namen angenommen. Sie trugen, wie die Annalen der Stadt erweisen, vorzugsweise zu dem Aufblühen des Platzes bei und zeichneten sich auch in socialer Beziehung aus. Sie hatten eine schöne geräumige Synagoge und einen wohlgeordneten Friedhof. Wie hat sich dies im Laufe einer verhaltnißmäßig kurzen Zeit verändert! Kaum daß noch dann und wann einige Israeliten

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