Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1877)
- Date
- 1877-10-16
- Page
- Seite 670 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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670 öffentlich seinen Dan? aus, hat auch kleine Geldprämien unter den bei der Abfassung der Einbrecher beiheiligten Personen zur Vertheilung gebracht. Bonn, 1. October. (Literarische Notizen.) Vor uns liegt ein umfängliches Werk in zwei Banden: „Les Pharisiens par J. Cohen. Paris, Calmann Levy, Editeur.“ Wir werden sehr bald Veranlassung nehmen, auf den Inhalt dieses Werkes genauer einzugehen. Die Bearbeitung des Pharisäismus hat keinen bloß historischen Werth, sondern greift selbst in die Gegenwart herein. Die dem Judenthume von seinen Gegnern immer noch bestrittene Stellung auf dem religiösen und ethischen Gebiete wird durch den Nachweis befestigt, daß die Schilderung der Pharisäer in den Schriften des Neuen Testaments eine durchaus falsche ist, und von Jesus selbst nicht bestätigt wird. Diesen Nachweis zu führen und den wahrhaften geschichtlichen Entwickelungsgang des Pharisäismus festzuftelleu, ist die Aufgabe des gedachten Werkes. Heute wollen wir nur auf eine, der Schrift des Herrn Cohen entnommene kürzere Darstellung des Gegenstandes in dem Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" vom 18., 19. und 20. Septbr. aufmerksam machen, die von einem der Redacteure der F. Ztg., Herrn Otto Hörth, also aus einer christlichen Feder stammt. Mit einer großen Unparteilichkeit und mit schneidender Schärfe zeigt der Kritiker das Unrecht, welches den Pharisäern insbesondere und dem Judenthume überhaupt angethan worden und wird, und weiset dem letzteren seine superiore Stellung für Monotheismus und Moral an. Es zeigt sich auch hier, daß eine Reihe von Gedanken und Ansichten, die vor dreißig Jahren z. B. in unseren Vorlesungen zuerst ausgesprochen wurden, jetzt bereits zum Allgemeingut und zwar mit dem ganzen Apparat historischer Nachweisung geworden. Wenn wir an der verdienstvollen Darstellung des Herrn O. H. von unsrem Standpunkte aus etwas zu erinnern hätten, so wäre es, daß in die vor zwei Jahrtausende stattgefundenen Kämpfe zu viel Schlagwörier und hiermit Begriffe aus der Gegenwart und ihrer Parteiung überttagen wurden. Wir finden dies in einem Zeitungs-Feuilleton sehr erklärlich, glauben aber, daß dadurch das geschichtliche Bild nicht reinerhallen wird. Bei aller Erbitterung, wie sie zeitweise zwischen dem Pharisäern und Sadducäern stattgefunden, meinen wir dennoch nicht, daß die Feindschaft der erstereu gegen das überlieferte Priesterthum so stark, entschieden und ausgesprochen war, wie es neuere Forscher und so auch Herr O. H. dargestellt haben. Wir werden sehen, ob Herr Cohen derselben Richtung folgt und unsre Ansicht dabei zu begründen suchen.— In Mühlhausen (Elsaß) soll eine Zeitschrift „Das israelitische Elsaß-Lothringen" in deutscher und französischer Sprache erscheinen. Als Redacteur nennt sich I. Wurmser. Feuilleton. Die feierliche Eröffnung der Landes-Rabbineu- Silduugs-Änffalt zu Pest am 4. October. Die mit zahlreichen Nationalfahnen decorirte Front des Seminargebäudes lockte schon mehrere Stunden vor Anbeginn der Feier zahlreiche Neugierige vor das Gebäude, in welchem das Festcomite, von einer Anzahl opferwilliger junger Leute unterstützt, die schwierige Aufgabe des Arrangements erfüllte, da es sich darum handelte, außer den zahlreichen Notabilitäten, auch den Vertretern von 120 ungarischen Gemeinden in rem für derlei Gelegenheiten keineswegs berechneten Saale Raum und Plätze zu schaffen. Um 11 Uhr erschien die vom Municipalausschuß entsendete Deputation unter Führung des Oberbürgermeisters Räth, Bürgermeister Kammermayer, Magistratsrath Bekey u. A. (sämmtliche in ungarischer Gala), die Deputirten Jükai, Falk, Wahrmann, JuliusSchwarcz, Chorin, MadarLß, Szluha, Mocsäry u. A. Mit lauten Eljens wurden Minister Trefort, Staatssecretär Tanärky und .Iudex Curiae Majläth empfangen. Der Professorenkörper und die Vertreter ausländischer Gemeinden und Institute nahmen aus der Estrade Platz, während die ersten Sitzreihen für die geladenen Notabilitäten reservirt waren. Unter diesen sahen wir noch Rector Magnificus Paul Hoffmann, die Decane Pr. Rupp und Dr. Herczog und Moritz Ballagi. Nach dem Einttitt des lebhaft begrüßten Ministerpräsidenten Tißa begann die Feier mit einem von Sulz er componirten und durch den Obercantor Friedman« und den Knabenchor brillant ausgeführten Psalm. Im Namen der israelitischen Districtsprasidenten und des Seminarcomiles begrüßte hierauf der Präsident der israelitischen Landeskanzlei, Herr Martin Schweiger (in ungarischer Gala) die Versammlung mit einer Rede, welche die verschiedenen Wandlungen rer Seminarfrage bis zu deren glücklichen Lösung durch das heutige Fest skizzirte. Bei den Namen Sr. Majestät und der Minister Tißa und Tröfort brach die Versammlung in stürmische Eljens aus. Dr. Simon verlas hierauf das von ihm verfaßte und vom Ministerium genehmigte, zur Versenkung bestimmte Document, welches in prägnanten Zügen die Geschichte der Entstehung der Anstalt und die Namen ihrer Gründer und Organisatoren enthält. Es wurde hierauf die Schlußsteinurkunve von den anwesenden Ministern und Notabilitäten unterzeichnet, der Schlußstein versenkt und in üblicher Weise durch die Hammerschläge der hervorragenderen Gäste befestigt. Im Namen des ständigen Ausschusses, deffeu?Werk die