Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1877)
- Date
- 1877-10-16
- Page
- Seite 668 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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668 T hl . - ,1-7 eventuell bei demselben eine günstige Erledigung derselben herbeizuführen sich bemühen solle. Die Deputation soll, womöglich, schon kommende Woche ihren Auftrag ausführen. Türkei. Adrianopel, Ende September. Bei dem unaussprechlichen Elend, welches die Bevölkerung der türkischen Provinzen betroffen, die der Schauplatz des Krieges sind, nehmen selbstverständlich die Unterstützungen und Hülfsleistungen, welche ohne Unterschied der Rare und Confession allen Leidenden zugute kommen, auch unser thätiges Mitgefühl in Anspruch, sobald wir von der Unparteilichkeit der Bertheiler überzeugt sind. Wir geben deshalb folgenden Bericht des Siamlanl, schon dadurch nicht wenig befriedigt, daß wenigstens theilweise in unserer Zeit die Humanität zur Herrschaft gelangt. Das Britische Comit«- in Adrianopel zur Unterstützung der vom Kriegsschauplätze Flüchtigen, unter dem Patronat res englischen Botschafters in Konstantinopel, Herrn Layard, vertheilt feine Unterstützungen mit großer Unparteilichkeit an die mehr als 12,000 flüchtigen Bulgaren, Türken und Juden, die sich bereits in jener Stadt befinden und deren Zahl täglich wächst. Juden sind allein 1800 dort. Am 17. September gab das Comitö tägliche Unterstützung an 755 moslemitische und 161 bulgarische Frauen und Kinder, so wie an 321 Juden, und vertheilte außerdem Kleider 600 Pfd. Sterl. (12,000 Mark) an Werth. Beiträge, die sehr nothwendig sind, werden in der Londoner Agentur der Imperial Ottoman Lank (London, 26 Throgmorion-sircet E. C.) angenommen. Konstantiuopel, im September. Die hier erscheinende Vöritö berichtet: Am letzten Freitag beschloß der Vorstand der jüdischen Gemeinde, unter dem Vorsitz des Großrabbiners, das Ergebniß des Verkaufs gewisier silberner religiöser Ornamente, welche aus jeder Synagoge des Reichs genommen werden sollen, zur Unterstützung der Verwundeten der ottomonischen Armee zu verwenden. — Das N. W. Tageblatt schreibt: Es ist bemerkenswerth, daß das Bataillon aus Jerusalem anstatt acht Compagnien, die übliche Zahl, zehn Compagnien zählt. Diese beiden überzähligen Compagnien bestehen ausschließlich aus Juden aus der heiligen Stadt. Unter diesen Freiwilligen befindet sich eine große Zahl von Studenten, jungen Kaufleuten, Banquierssöhnen u. s. w., also die Elite der jüdischen Bevölkerung. Die Uniform dieser beiden Compagnien unterscheidet sich nur sehr wenig von der der türkischen Compagnien; sie haben einen besonderen Geistlichen uud die Soldaten bereiten sich ihr Esten nach den mosaischen und traditionellen Vorschriften. Rumänien. Bukarest, im September. Man berichtet von hier, daß selbst die judenseindlichen Blätter den Patriotismus anerkennen. welchen die jüdischen Rumänen in der schwierigen Lage ihres Vaterlandes thatkrästig erweisen. Diese Blätter sagen sogar, daß man bei wiederhergestelltem Frieden den Juden für diese Gesinnung Rechnung tragen werde. Auf solche Verheißungen ist freilich nicht viel zu geben, denn wenn die Gefahr vorüber, pflegt man der Versprechungen uneingedenk zu sein, die man in der Zeit der Noth gegeben. Jndeß werden wir uns doch darauf berufen können. Die rumänischen Juden haben bereits über eine Million Francs seit der Kriegserklärung an Geld und Effecten gespendet. Ueber 2000 Israeliten sind als Combattanten unter den Fahnen, ungerechnet die Freiwilligen, die Milizen und die Mediein Studirenden, die sich zum Dienste gestellt. Das jüdische Comit ü in Jaffy hat zwei Hospitäler gegründet, das eine ist ambulant, das andere permanent; letzteres befindet fich in Cotroceni. Am 31.,'12. September wurde H. Posner, der Delegirte des Comitös, in besonderer Audienz von Ihrer Hoheit der regierenden Prinzessin empfangen, und hat die Ehre gehabt, ihr die Schlüstcl des Hospitals von Cotroceni zu übergeben. Ihre Hoheit hat ihm ihre volle Dankbarkeit bezeugt und ihn gebeten, deren Ausdruck dem Comitö zu Jaffy zu übermitteln. Nach dem Kriege wird das Hospital von Cotroceni das Eigenthum des Asyls Helena werden. Rußland. Warschau, 22. September. Ueber die Befürchtungen der Warschauer Juden vor einer ihnen drohenden Verfolgung und Mißhandlung wird der „Schles. Zig." aus Warschau geschrieben: „Mit banger Angst erwarteten die hiesigen Juden den herannahenden Versöhnungstag (Jom Kippur). Man hatte nämlich ein Gerücht verbreitet, daß die Polen an diesem Tage, vielmehr am Vorabende dieses Tages, alle Juden hinschlachten würden. Wie man oft aus einer Mücke einen Elephanten macht, so tauchten auch bald darüber Nachrichten auf, die denjenigen, welche dieses „Seitenstück zur sizilianischen Vesper" als ein Geschwätz betrachteten, Glauben abzwingen wollten. So meinten einige, daß man in der durch Juden meist bewohnten Straße „Nalewki" einen mit allerlei Waffen gefüllten Sarg gefunden hätte, andere wieder, daß schon mehrere Israeliten erstochen und auf grauenhafte Weise mißhandelt waren. Doch diesbezügliche Recherchen haben ergeben, daß alle diese Nachrichten auf Erfindung beruhen. Manche vermuthen, daß ein Bauer, dem ein Schankwirth — Jude — Korn auf Borg nicht geben wollte, diese Drohung ausgesprochen hätte! In anerkennendster Weise kam jedoch die hiesige Polizei der jüdischen Gemeinde entgegen. Patrouillen gingen in den ihnen zugetheilten Revieren auf und ab, die Wachen wurden verstärkt, allen Hausbesitzern wurde die strengste Ordre ertheilt, die Thore ihrer Hauser an diesem Abende bereits um 8 Uhr schließen zu lasten, und, da es Sonntag war, ein Tag, an dem