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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-16 · Heft 42 (16.10.1877) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 42 (16.10.1877)
Date
1877-10-16
Page
Seite 667 (sequence 7)
Language
German
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667 ist. Während im großen preußischen Staate die Gleichberechtigung der Juden in der Schule überhaupt und in der paritätischen im Besonderen noch immer so schwer zu ringen hat, während das Unterrichtsministerium in Bayern die paritätische Schule nur „mit christlichem Charakter" d. h. mit Ausschluß der Juden bestehen lasten will: ist in dem kleinen Schwarzburg- Sondershaufen das Princip bereits seit mehr als 40 Jahren entschieden. Nicht allein, daß die fürstliche Regierung einen namhaften Beitrag für die Cultuskosten der jüdischen Gemeinde zahlt, sondern seit'sehr langer Zeit sind an der hiesigen Realschule zwei jüdische Lehrer angestellt, von denen der eine, Rabbiner Heidenheim, Rector, der andere, Moses Golbschmivt, Collaborator ist, und dieser soeben zum Oberlehrer ernannt wurde, wie das heute erschienene Regierungsblatt anzeigt. . Auö Württemberg, im September. tPrivatmittheilung.) Aus den statistischen Jahrbücher» des Königreichs Württemberg theilt der „Schwab. Merkur" Folgendes mit: „Ein erfreulicheres Gebiet behandelt die daselbst veröffentlichte Statistik des Unterrichts- und Erziehungswesens. Unter 10,000 Einwohnern stehen 2050 im Alter von 6—15 Jahren, davon werden 42 in Gelehrten-, 40 in Real- und 12 in sog. Elementarschulen (es giebt im Lande 14 solcher Vorschulen für die Gelehrten- und Realschulen) gebildet, der Rest besucht die Volksschulen. Relativ am regsamsten für die Ausbildung der Kinder scheinen die Juden zu sein. Denn wahrend von der ganzen Bevölkerung res Landes 08,0 pCt. Evangelische, 30,2 pCt. Katholiken und neben 0,23 pCt. Angehörigen anderer Confessionen nur 0,68 pCt. Juden sind, sind unter 100 Gelehrtenschülern 74 Evangelische, 22 Katholiken, 4 Juden; unter 100 Realschülern 79 Evangelische, 16 Katholiken, 5 Juden; unter 100 Elementarschülern 89 Evangelische, 7 Katholiken, 4 Juden." Es geht also daraus hervor, daß auch in Württemberg die Juden ein ihrem Bevölkerungs- Verhältnisse nach sehr zahlreiches Contingent in die höheren Lehranstalten senden. Plesö O.-S., 3. Oktober. (Privatmitth.) Soeben in Nr. 40 Ihrer Zeitung den Bericht aus Osterode lesend, glaube ich, eS werde Ihnen angenehm sein, einen Gegensatz zu vernehmen. Bon den an der Grenze der hiesigen Gegend stehenden Sol- . daten waren zwei jüdische am Neujahrsfeste hier. Einer derselben sagte mir, der Feldwebel habe fest behauptet, zu Jom Kippur kann kein Urlaub ertheilt werden. Ich wendete mich schriftlich — 10. September — an den betreffenden Bataillons-Chef mit dem Bemerken, wie die Versöhnungstagsfeier am 16. gegen Abend beginnt und bis zum völligen Abend des 17. dauert. Die Antwort lautet also: -„Mit dem ergebensten Erwiedern, daß das Bataillon sehr gern den nebenstehenden Wünschen Nachkommen wird und bereits den Befehl gegeben hat, daß die sämmtlichen Soldaten jüdischer Religion diesseitigen Bataillons für den 16. und 17. d. M. zu beurlauben sind. Neuberun, den 11. September 1877. Meyer, Major und Bataillons-Commandeur." (Die Frage ist hierbei, ob in Obigem von garnisvnirenden Truppen oder von manövrirenden die Rede sei? Bei garnisonirenden ist die Erlaubniß für Militärs jüdischer Religion, am Gottesdienste theilzunehmen, niemals in Frage gestellt worden, während es sich in der Correspondenz aus Osterode um das Verhältniß während des Manövers handelte. Redact.) Osnabrück, im Ociober. Das fünfzigjährige Lehrer-Jubiläum des Herrn B. Wolff, Vorstehers der hiesigen kaufmännischen Fortbildungsschule, wurde am 1. d. in würdigster Weise gefeiert. Zu dem Feste hatten sich zahlreiche Schüler des Jubilars aus den 30er und 40er Jahren eingefunden. Eröffnet wurde die Feier durch eine Serenade. Ein Mitglied des Comitss hielt eine Ansprache im Namen der Schüler, die sich in Amerika befinden, ein anderes im Namen der Schüler, die sich in Deutschland aufhalten. Zwei Adreffen wurden zugleich überreicht, die eine ein wahres Kunstwerk der Kalligraphie, verfertigt von einem Techniker in Hannover. Von sämmtlichen Schülern, sowie von vielen anderen Freunden des Herrn Wolff wurden zahlreiche werthvolle Geschenke dem Jubilar gewidmet. Unter der großen Zahl der Gratulanten wurden bemerkt: der Herr Ober-Bürgermeister I)r. Miquel, eine Deputation der jüdischen Gemeinde, fast das gefammte Lehrerpersonal der Töchterschule mit dem Director an der Spitze, der Bürgerschule, des Lehrervereins; vom Magistrat war ein Beglückwünschungsschreiben eingelaufen. Einen würdigen Abschluß fand das Fest durch Ueberweisung einer namhaften Summe zur Unterützung von Lehrer-Wittwen und Waisen. Breslau» 4. October. (Privatmitth.) Die verabredete Versammlung jüdischer Religionslehrer der höheren Schulen Schlesiens und Posens hat unter reger Betheiligung Dienstag den 2. d. Abends und Mittwoch den 3. den ganzen Tag hindurch mit einer Pause von nur zwei Stunden, welche der Erholung und einem gemeinsamen Mittagsmahle gewidmet wurden, stattgefunden. Gegenstände der unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Badt von allen Seilen mit lebhaftem Jntereffe geführten Verhandlungen waren außer der Petition, den jüdischen Religionsunterricht betreffend, die Desiderien, welche von jüdischer Seite an das erwartete Unterrichtsgesetz zu stellen seien; über Beides referirte der Vorsitzende; ferner das Verhältniß des Gymnasiums zur Religionsschule (Ref. Dr. Cohn - Kattowitz). Ueber Lehrbücher (Res. Dr. Cohn-Oels). Ein ausführlicher Bericht über die Beschlüffe der Versammlung und eine gedrängte Uebersicht über den Gang der Verhandlungen wird Nachfolgen. Unter Anderm wurde zum ersten Punkt die Absendung einer Deputation beschloffen, bestehend aus den Herren Dr. Joel-Krotoschin, Dr. Horowitz-Gnesen und Dr. Badt-Breslau, welche bei Sr. Excellen; den Herrn Minister über das Schicksal der Petition Erkundigung einholen,

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