Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-16 · Heft 42 (16.10.1877) · p. Seite 666

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 42 (16.10.1877)
Date
1877-10-16
Page
Seite 666 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227166--35728-3305717
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

666 geistige Saat ist aufgegangen, aber Sie gehören zu jenen wenigen, seltenen Männern, die ste in Len Boden des Judenthums gesenkt und ein halbes Jahrhundert gehegt und gepflegt haben. Sie haben ein ganzes Menschenalter auf dem praktischen theologischen Boden stehend mit Erfolg darnach gestrebt, der religiösen Reform Richtung und Ziel anzuweisen, haben in Ihrer geschätzten Zeitschrift die socialen Interessen unserer Glaubensgenossen verfochten und an ihrer Emancipation den lebhaftesten Antheil genommen, haben durch Ihre gelehrten Schriften die jüdische Wissenschaft in außerordentlicher Weise gefördert. Einer so vielseitigen Wirksamkeit können sich nur wenige rühmen und noch wenigere eines solchen Erfolges erfreuen. Die jüdische Geschichte wird einst neben Mendelssohn einen Philippson stellen, als einen der wichtigsten Vertreter der Epochen der jüdischen Aufklärung. Wir sind keine Gelehrten, um Ihre schriftstellerischen Leistungen nach voller Gebühr würdigen zu können, aber das wissen und sprechen wir aus, daß diese Leistungen in's Fleisch und Blut der deutschen Juden übergegangen sind. Daher halten wir uns für berechtigt, Sie zu Ihrer fünfzigjährigen, literarischen Wirksamkeit im Namen unserer Gemeinde zu beglückwünschen und Ihnen unsere ungetheilte Anerkennung auszudrücken. Möge dieser so segensreichen Thätigkeit noch eine lange Dauer beschieden sein. In vorzüglicher Hochachtung und Verehrung verharren die Verwaltung der israel. Cultusgemeinde: Der Districtsrabbiner Der l. Vorstand Dr. Heinrich Groß. S. Rosenbusch. Endlich ist dankbar anzuerkennen, daß viele Zeitungen sich bei dieser Gelegenheit in sehr wohlwollender Weife, zum Theil mit eingehenden Biographieen geäußert haben, so: die „Neue freie Presse" und die „Neuzeit" in Wien, der „Pester Lloyd", die „Mageburger-", „Düsieldorfer-", „Bonner Zeitung", das „Hamburger Fremdenblatt", der „Schwäbische Merkur", das „Ulmer Tageblatt", die „Bossische-", die „Breslauer Zeitung", „Jewish Chronicle“, „Jewish World“, der „Hamechaker" und verschiedene andere. Bonn, 2. Oktober. (Privatmittheil.) Daß die Arelnves isradliies auf unsere Aufforderung, ihre gegen uns vorgebrachten Verleumdungen, wir seien von einem feindlichen Geiste gegen die französische Nation beseelt, zu erweisen, ff. Nr. 37) nichts antworten könnten, wußten wir im Voraus. Erhoben wir doch unfern Protest nur, um unsrerseits den Absichten der Archives, unsre französischen Glaubensgenossen gegen ihre deutschen Brüder einzunehmen, entgegenzutreten. Nun aber erwiedert Herr Schorrstein, der interimistische Redacteur, in so frivoler Weise, daß er hinlänglich bekundet, wie wenig er auf die Ehre uno die Zehngebote giebt, auf die wir uns beriefen. Anstatt aus sieben Jahren nur ein einziges Wort, eine einzige Phrase zum Belag zu bringen, sagt er weiter nichts, als die Sache wäre doch wahr, und wir leugneten sie jetzt nur. Das kann jeder Verleumder sagen, und sagt es gewöhnlich auch, wenn er den Beweis der Wahrheit führen soll, und dazu nicht im^Stande. Ja, er wundert sich sogar, wie wir darüber erzürnt sein könnten, was für den Mann bezeichnend ist. Nun, lasten wir den Herrn Schorritein lausen, und beachten wir ihn wirklich nicht weiter, da wir ihn jetzt kennen. *) Alzey, im Sept. (Privatmitth.) Zu den Zielen, welche die „A. Z. d. I." ausdauernd verfolgt, gehört auch die Beffergestaltung unsres Armenwesens und durch diese die Beseitigung des Bettelwesens in seiner Entartung, wie sie unter unsren Glaubensgenosten eingeriffen. Sie verschmäht hierzu nicht die Aufsammlung jedes einzelnen Steinchens, um doch endlich den schwierigen Bau durchzuführen, nämlich daß diese Verbefferung eine allgemeine werbe. Heute liegt uns der Jahresbericht des hiesigen israelitischen ArmenvereinS vor, der aus 49 Mitgliedern besieht. Seine Einnahmen beliefen sich auf 1736 Mark, seine Ausgaben auf 1628 M. Hiervon wurden an verschämte Arme, Kranke und Wittwen in Stadt und Umgegend 1210 M., an 113 deutsche durchreisende Bettler 135 M., an 51 polnische 41 M. verausgabt. Es geht hieraus hervor, daß nicht, wie es in anderen Städten geschieht, der größere Theil der Mittel an durchreisende Bettler verausgabt wird, und durchschnittlich auf jeden dieser nur eine Mark kommt, während die 45 hiesigen Unterstützten durchschnittlich 27 M. erhielten. Außerdem behielt der Verein die Mittel dem Stipendienfond der Berliner Hochschule 40 M., den Abgebrannten in Brückenau und in Wolkimir je 30 M. und für die bulgarischen Juden 30 M. und ebenso viel der Achawa zu spenden. Eine solche musterhafte Verwaltung verdient wohl rühmende Erwähnung. Soudershausen, 27. Sept. (Privatmitth.) Man hatte der deutschen Kleinstaaterei früher wenigstens den Vortheil nachgesagt, daß, wenn sich in den meisten und größten deutschen Staaten die liberalen Institutionen, Aufklärung und Gleichberechtigung allzusehr in Bedrängniß sahen, diese in manchem Kleinstaats eine Zufluchtsstätte fanden. Es gab dies immerhin ein kleines Correctiv ab für die Uebelstände im großen Baterlanbe. So Mancher konnte sich dahin retten, so manches Buch konnte darin erscheinen und selbst manches Priucip seine Verwirklichung finden, die in den anderen Staaten verpönt waren. Zum Theil haben wir Juden unsre Erhaltung in Deutschland diesem Umstande zu verdanken. Hiermit will ich durchaus kein Lob der Kleinstaaterei, keine Bertheidigung des Particularismus anstimmen. Jedenfalls ist es eine Wohlthat, daß das deutsche Reich bei feinem Wiedererstehen nicht die Zeit des Absolutismus, sondern die der freieren Institutionen antraf. Ich wollte nur eine Thatsache constatiren, die noch jetzt nicht ganz geschwunden 1) Unsere Leser fragen vielleicht auch, wer ist Herr Schorrstein? Wir wsticn es auch nicht; wir wisten weiter nichts» als daß er uns einst die Uebersetzung einer franz. Novelle für das Institut z. Ford. d. isr. Lit. angetragen, welche die Leiter des JnstiwtS, weil allzu unbedeutend, ablehuen mußten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.