Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1877)
- Date
- 1877-10-16
- Page
- Seite 665 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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665 weitere einzelne Handlungen Salomos, so wählt die Vulgata zur Abwechselung statt et-quoque. Dies ist Alles. Uebrigens kann Herr 0. gar nicht von der Meinung des Schreibers dieses hierbei sprechen, da auch die übrigen Uebersetzer ebenfalls „und" in den gedachten Versen übertragen, z. B. die lateinische Ueberfetzung von Sebastian Schmidt. Herr v. beruft sich auf noch andere Bibelstellen, auf die gestützt er die Schifffahrt auf dem rochen Meere unter David erwiesen habe. Wir übergingen sie in unserer Besprechung der Kürze wegen. Wi^ wollen es nachholen. Es sind drei Stellen, die er citirt; zwei davon, 1 Chron. 22, 14 und 29, 4, geben die Massen Goldes an, welche David zum Tempelbau gesammelt und welche er aus feinem Privatschatze dazu bestimmt. Herr v. schließt, daß David diese Massen von Gold nicht durch seine Eroberungen, sondern nur Lurch Schifffahrt und Handel mit Ophir habe erhalten können. Aber die erste Stelle der Chronik giebt Goldmassen an, die in der ganzen Welt zufammengenommen nicht existiren, und auS denen der Tempel ganz massiv aus Gold hatte errichtet werden können, die zweite giebt als aus dem Privatschatze Davids geschenkt 143 Million Thaler, mit den Geschenken der Großen 234 V» Millionen Thalern an! Jedermann ist daher der Ansicht, daß hier die Phantasie eines Späteren die ursprünglichen Zahlangaben in übertreibendster Weife verändert habe, was bei Zahlen eine sehr leichte Sache ist. Auch haben Josephus und die arabische Version ganz andere Zahlen. Herr v. hätte also hierauf keinen Schluß bauen sollen. Die dritte Stelle ist Psalm 72, 10, worin David seinem Sohne Salomo wünsche» soll, daß ihm „die Könige von Tarschisch und den Küsten Gaben senden, die Könige von Scheba und Seba Geschenke spenden." Herr D. sagt, „Gold von Arabien", davon steht nichts im Texte. Erst V. 15 wird „Gold von Scheba" erwähnt. Daraus zieht Herr l». den Schluß, daß David Kenntniß gehabt habe von den Orten, von wo man sich Gold verschaffen konnte. Daß aber die Kenntniß eines Landes, aus welchem Waaren kommen, noch keine selbstbetriebene Schifffahrt bedeute, ist doch wohl einsichtlich. Hierzu kommt aber, daß der 72. Psalm gar nicht von David ist; die Ueberschrift besagt: 7772VWV, und dies heißt „von Salomo", und es ist eine längst widerlegte willkürliche Annahme einiger älteren Exegeten, welche nnVwi- „für, auf Salomo" erklärten. Auch zeigt der Inhalt des Psalms auf Zustände und Gesinnung, die nicht unter David, sondern in der ersten Regierungszeit Salomos vorhanden gewesen. Schließlich will, selbst wenn der Psalm von David wäre, ein Wunsch desselben für seinen Sohn noch nichts für eine wirkliche Schifffahrt besagen; fahrt doch V. 11 fort: „Und vor ihm sich neigen alle Könige, alle Völker ihm dienen" — was auf das Hyperbolische eines Wunsches hinweist. Wäre Herr 1». unbefangener, so würde er aus V. 14 desselben Capitels 9 von 1 Kön., worin gesagt wird, daß Hiram dem Könige Salomo 120 Talente Goldes zum Bau geschickt habe, geschlossen haben, daß Salomo erst nach Vollendung des Tempelbaues ein Schiff gebaut, um aus Ophir selbst Gold zu holen (V. 28) nämlich 420 Talente; hätte solche Schifffahrt mit solchem Erfolge früher stattgefunden, wozu hätte er der Sendung Hirams bedurft? Wir glauben daher nicht, daß irgend ein Unparteiischer Herrn v. zugestehen werde, es sei ihm seine Beweisführung gelungen. (Schluß folgt.) 2ieibiutcj 6 iictc&xxo&bzit. Deutschland. Bonn, 3. October. (Privatmitth.) Nachdem wir einmal ein Bild derjenigen Kundgebungen gebracht haben, welche uns zu unserem fünfzigjährigen Schriftsteüerjubiläum zugekommen, scheint es uns eine Pflicht, dasselbe noch in einigen Beziehungen zu ergänzen. In mehreren Theilen des Vaterlandes, sowie im Auslande war jenes völlig unbekannt geblieben, und es kommen uns daher noch täglich Adressen von Gemeinden, wie von Augsburg, Aachen, Münster, Neheim, und sehr zahlreiche Zuschriften, namentlich aus England, Schweden, Belgien, der Schweiz, Italien zu. Bemerken wollen wir noch, daß unter den Corporationen, die uns Glückwünsche übersandten, S. 634 der Lehrkörper der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums aufzuführen übersehen worden. Selbstverständlich hat die Begrüßung einer so hochachtbaren wissenschaftlichen Corporation für uns besondere Bedeutung gehabt. Von obigen Adressen geben wir hier noch die der Gemeinde Augsburg, weil sie den Standpunkt charakterisirt, von welchem aus wir überhaupt die Mittheilung solcher Adressen motivirt fanden. Sie lautet: Sehr geehrter Herr Doetor! Das fünfzigjährige Schriftstellerjubiläum, das Sie vor einigen Tagen gefeiert haben, hat bei den deutschen Israeliten mit vollem Rechte das lebhafteste Interesse und die aufrichtigste Theilnahme wachgerufen. Ihre Feder war in der Zeit des Dunkels die Fackel, welche den vorwärts Strebenden den Weg des Fortschritts, den sie wandeln sollten, klar und hell erleuchtete und in der Zeit des religiösen Dunkels im Widerstreiten und dem Kampfe der Meinungen die Fahne, um die sich alle Gebildeten fchaarten. Wohl giebt es heute der freisinnigen, muthigen Vorkämpfer viele, aber Ihnen gebührt das Verdienst der energischen Initiative. Die