Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1877)
- Date
- 1877-10-16
- Page
- Seite 664 (sequence 4)
- Language
- German
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664 und Auslegungen vorgetragen wurden. So schafft in Cufsae der Widder des Ra die Götter, indem er sie „als Gott Schau auswirft und als Göttin Tafnut sie ausspeit"; in Mendes vereint er vier Götter in sich „und der Stier seiner Mutter erfreut sich der Kuh"; in Sa'ls sind die Götter Crocodille u. s. w Hieran schließt sich der Preis des Darius. — Es bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Die Moseslehre und die egyptische Religion sind voneinander verschieden, wie es nur zwei Gegensätze sein können, und jede Herleitung der einen aus der anderen ist nichts als ein willkürlicher Wahn. Auch die Geschichte hat ihr Uriheil gesprochen. Die ganze Symbolbildnerei Egyptens ist in Staub zerfallen bei dem ersten Lichtstral echter Vestandeserkenntniß, während die Lehre des Judenthums an sich und durch ihre theilweise Reproduction in ihren beiden Töchterreligionen an die Stelle trat, und noch heute lebendig ist, ja, jetzt erst wieder in ihrer rechten Reinheit aufstrahlt und die Welt beleuchtet. — Wir bemerken nur noch, daß der angeführte Lobgesang unv der oben citirte Psalm 148 ungefähr aus gleicher Zeit stammen. Aus der persischen Lichtanbetung erklärt es sich auch, daß das Lob des persischen Königs mit dem Lobe des Sonnengottes verbunden wurde. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. October. Herr vu Mesnil Marigny, der verdienstvolle Verfasser der Geschichte der Nationalöconomie bei den Egyptern, Indern, Juden und Griechen, deren dritte Ausgabe wir in Nr. 35 besprachen, wobei wir allerdings auf unsre frühere Kritik der ersten Auflage verwiesen, ist mit den von uns erhobenen Einwendungen betreffs einiger Behauptungen desselben nicht einverstanden. Vermittelst Schreiben aus Paris vom 27. September ersucht er uns, seiner Widerlegung die Gastfreundschaft in unsrem Blatte, also an der Stelle, wo unsre Kritik gestanden, zu gewähren. Solchem Verlangen, noch dazu, wenn es von jenseits der Vogesen kommt, können wir nicht abfiehen, und so übertragen wir hier seine Einsprüche wörtlich, ohne sie jedoch unbeantwortet lassen zu können. Er sagt zuerst: „Sie behaupten, in Bezug auf die Verse 25 und 26 Cap. 9 des 3. (1.) Buches der Könige (Verse, welche bei Weitem nicht die einzigen sind, auf welche ich mich stütze, um festzustellen, daß vor Salomon Las israelitische Volk unter der Regierung von David auf dem rothen Meere Handel trieb) daß das Wort quoque, „auch", von der Vulgata aus dem Griechischen der Septuaginta und dem Hebräischen der Bibel falsch übersetzt worden. In aller Bescheidenheit kann ich doch nicht umhin, Ihnen zu widersprechen. Zunächst ist in der Septuaginta das Wort quoque durch xut übersetzt, und alle Lexica stimmen sämmtlich überein, diesem Worte unter anderen Bedeutungen auch die des quoque zu geben. Noch mehr, das Wort (?)? welches das Wort xui im Urtext vertritt, hat bei unseren Hebraisten einen gleichen Sinn." „Sollten Sie das Gegentheil behaupten? Aber ich gestehe, daß die Septuaginta und die lateinische Uebersetzung des Urtextes durch den heil. Hieronymus im 4. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung, eine Uebersetzung, welche von dem Concil von Trient bestätigt worden, mir, wenn es sich nicht um Dogma handelt, mehr Garantie zu bieten scheint als Ihre individuelle Auffassung. Bedenken Sie die Zeit, in der diese Ueberfetzungen geschrieben worden, denn es wird Ihnen gewiß nicht unbekannt sein, daß eine lange Zeit nothwendig im Sinn der Worte Veränderungen herbeiführen muß." Es thut uns leid, daß Herr vu Mesnil Marigny uns die Widerlegung so leicht gemacht. Es handelt sich hier noch gar nicht um die Autorität der Vulgata und der Septuaginta, obschon Jedermann zugestehen wird, daß eine anderthalb-taufendjährige Arbeit in Sprachforschung und Kritik nicht vergeblich gewesen. Auch leugnen wir gar nicht, baß bisweilen sowohl 3 als stui die Bedeutung „auch" haben. In der Regel aber heißen sie beide „und". Wodurch wäre nun angezeigt, daß sie in den beiden angeführten Versen die Bedeutung „auch" hätten? Die meisten Verse des Cap. 9, die den B. 25 und 26 vorangehen und Nachfolgen, sangen mit in der Sept. mit y.at an, müßten also sämmtlich mit „auch" übertragen werden, oder die B. 25 und 26 haben ebenso wenig Anrecht auf ein „auch" als die übrigen. Nicht das Entfernteste deutet an, daß hier n und xai anders zu verstehen seien, als in den übrigen Versen. Nehmen wir aber einen Augenblick an, daß in V. 25 u. 26? und y.at „auch" bedeuteten, wodurch wäre denn bewiesen, daß dies den Sinn habe „auch wie sein Vater David"? In allen übrigen Versen werden Dinge berichtet, die allein auf Salomo bezogen werden können. Die Vollendung des Tempelbaus und anderer Gebäude, die Unterstützung des Hiram bei dem Bau und dessen Lieferung von Gold, die Frohnen, die Salomo den unterworfenen Völkern auferlegte, die Heirath der Tochter Pharaos, deren Mitgift und das Haus, welches Salomo für sie baute (V. 24), sind Dinge die nur von Salomo gesagt werden konnten. Und nun soll V. 25 und 26 Etwas berichten, was Salomo gleich seinem Vater David gethan, ohne daß dies mit dem geringsten Worte angedeutet ist! Wenn dies nicht eine willkürliche Exegese ist, so wissen wir nicht, was eine solche bedeutet. Und auf solche willkürliche Exegese ein historisches Factum zu stützen, ist noch willkürlicher. Wenn nun die Vulgata wirklich quoque in diesen Versen hat, wer sagt denn dem Herrn D., daß sie dem quoque die Bedeutung gegeben, „auch wie sein Vater David?" Die Vulgata berechtigt hierzu Herrn v. mir keiner Sylbe. Da in den vorhergehenden Versen die Thaten Salomos mit einem gewissen inneren Zusammenhänge berichtet worden, und nun das Darbringen von Opfern und das Erbauen eines Schiffes als