Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1877)
- Date
- 1877-10-16
- Page
- Seite 663 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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663 der göttliche Amon, der sich selbst verhüllt in seiner Pupille, und besten Geist aus seinen Augen hellstrahlend leuchtet." Sehr poetisch» aber doch nur wieder ein unglücklicher Versuch, aus der körperlichen Erscheinung und dem Polytheismus znm Pantheismus zurückzukehren! Von hier aus eine weitläufige, malerische Schilderung des Sonnenlaufes von Osten nach Westen und wahrend der Nacht nach Osten zurück. Wem fallt hierbei nicht die einfache Schilderung des Psalmiften ein (19» 5): „— an des Erdballs Saum, dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt; und sie, wie ein Bräutigam geht aus der Kammer hervor, frohlockt wie ein Held zu laufen die Bahn. Vom Ende des Himmels geht sie auf, und schwingt bis zum Ende sich um, nichts ist verborgen vor ihrer Gluth. Aber nicht wie der Egypter, der die Götter und die Wesen dem Sonnengotte lobsingen läßt, fordert vielmehr der Hebräer die Sonne und alle Geschöpfe auf, Gott zu lobpreisen (138, 3): „Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, Sterne des Lichtes alle. Lobet ihn, Himmel der Himmel, und die Waster, die über den Himmeln. Sie sollen loben des Ewigen Namen, denn er gebot, und sie wurden geschaffen. Und er stellte sie fest auf immer und ewig, Gab ein Gesetz, das Keiner überschreitet." Hieran reihen sich alle Wesen, Naturerscheinungen, Pflanzen, Thiere, die Menschen in allen Ständen und Altern: „Sie sollen loben den Namen des Ewigen", der allein Gott ist, die Welt geschaffen und regiert. Anders der Egypter. So lange der Sonnengott am Himmel herzieht, droht ihm kein Feind. Am Abend jedoch erhebt sich gegen ihn „das Ungeheuer des typho nischen Set, der die Räume des Himmels und der Erve mit greulichem Sturme durchtobt, aber vom Speere des Horus verwundet und dann vom göttlichen Aker bewacht wird." Dann ist ihm der Weg frei, „denn gebändigt ist der böse Drache unter den Gestirnen der Ruhelose und Bewegungslose." (Ein unglücklicher Versuch, das götterfeindliche Element, das Princip des Bösen, das nichts schafft und Alles zerstöre» will, zu charakterisiren.) Während der Nacht heißt es: „Du verläßt die Welt, im Siegestriumphe. Du hüllst Dich ein in ein Himmelsgewand, und es umfaßt dich deine Mutter, um dich zu empfangen." Während sich also am Beginn des Gesanges Ra selber erzeugte, ohne Mutter, hat er hier wieder eine Mutter, die ihn während der Nacht in ihren Armen halt. In schönen Bildern wird dann noch einmal der Aufgang der Sonne, die Beleuchtung der Welt und ihre Herrschaft über Götter und Menschen geschildert. Mit dem Schluffe: „Wer ist es, der dir gleicht?" Aber der Egypter kann sich selbst mit diesen allgemeinen Bildern nicht begnügen. Er kann sich den Gott nicht ohne Träger und Symbol aus den Geschöpfen der Erde Lenken. Daher fährt der Gesang fort: „Du trägst den Widderkopf und die Sonnenscheibe und deine Kronen. Hoch steht Las Hörnerpaar, aufgestellt ist das Geweih, der Bart erglänzt und das Augenpaar leuchtet wie Gold. Das Vließ ist wie Smaragd, und ein Strahlenglanz der Leib." Bon hier aus nimmt der Gesang eine andere Wendung, indem er alle Cultusstätten aufzählt, an welchen Ra der Sonnengott als Widder verehrt wurde. Der älteste Sitz dieses Cultus war in Groß-Hermopolis, und zwar schon zur Zeit, als die Erde feste Gestalt annahm und Pflanzenwuchs erhielt. Wir citiren nur noch aus dieser Stelle folgende Verse: „Du hattest verlaffen der Seeligen Inseln und erschienest im Feuchten im verborgenen Ei. In deiner Nahe war die Göttin Amente. Du nähmest Platz auf dem Rücken der Kuh, und faßtest ihre Hörner und schwammest einher auf der großen Fluth. Kein Pflanzenwuchs war. Er begann, als sich einte er selbst mit der Erde und als das Gewäffer zum Berge emporstieg." Man erkennt schon hieraus die große Verwirrung in der egypt. Götterlehre, da an jeder Cultusstätte von derselben Gottheit in demselben Thiersymbol dennoch ganz verschiedene Allegorien 42*