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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-09 · Heft 41 (9.10.1877) · p. Seite 655

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 41 (9.10.1877)
Date
1877-10-09
Page
Seite 655 (sequence 11)
Language
German
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655 päischen Machte gebrochen sei und die Zeit einer neuen mohammedanische» Herrschaft begonnen habe. In den entlegeneren Theilen des Reiches des Islam macht das Volk nun keinen Unterschied zwischen Juden und Christen und wendet sich mit gleicher Wuth gegen beide. Aus diesem Umstande lasien sich noch viele Scheußlichkeiten erwarten. Amerika. Cincinnati, 5. Sept. (Privatmitth.) Sie haben bereits in Nr. 33 über die vierte Jahressitzung der Union der amerikanisch-jüdischen Gemeinden, gehalten am 10. bis 12. Juli zu Philadelphia, berichtet. Jetzt find die Protokolle und Aktenstücke des Congreffes in einem stattlichen Bande erschienen, den ich Ihnen hiermit übersende. Hervorzuheben ist, daß in demselben doch bereits 89 Gemeinden aus allen Theilen der Bereinigten Staaten vertteten waren. Einer der Gegenstände, welcher die Aufmerksamkeit des Vereins auf sich zieht, ist das Hebrew Union College, eine Lehranstalt, welche die Ausbildung tüchtiger Religionslehrer und bei etwaiger Weitereutwickelung auch von Rabbiuen zu ihrer Aufgabe hat. Gegenwärtig wird in mehreren Stufen hebräische Grammatik, Bibel, Mischna und einige Abschnitte Talmuv gelehrt. Auf der dritten Stufe zählt die Anstalt jetzt 12, auf der vierten 9 Zöglinge. Jedenfalls verdient das College die aufrichtigsten Wünsche für ihre Fortbildung, da sie nach allen Seiten hin den Eifer für die religiöse und sittliche Hebung unserer Glaubensgenossen in Amerika beseelen wird. Bonn, 1. Ottober. (Notizen.) Am 4. Ottober wirb die feierliche Eröffnung der ungarischen Lanves-Rabbiner-Schule zu Pest stattfinden. Auf Einladung des Präsidiums wird die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums einen Delegirten in der Person des Herrn vr. David Cassel zu diesem Akte senden. Der Redacteur dieser Zeitung mußte die an ihn ergangene Einladung aus Gesundheitsrücksichten dankend ablehnen. — Aus Colberg schreibt man uns, daß das dortige jüdische Kurhospital vermittelst Cabinetsordre vom 17. August die Rechte einer juristischen Person erhalten habe.— Aus All enstein (Ostpreußen) berichtet man uns unter dem 18. September: Am Montag de» 3. d.M. beging die hiesige Gemeinde die schöne Feier der Einweihung ihrer prachtvollen, im byzantinischen Style erbauten Synagoge, deren heilige Lade vom Bildhauer Herrn Goldbaum aus Thor» mit reichhaltigem vergoldeten Schvitzwerke in allen Theilen geschmackvoll und kunstgerecht dem Baue angemessen ausgeführt wurde. Die Feier, von unserm Culmsbeamten, Herrn Tonn, in würdiger Weise geleitet, begann in der alten Synagoge, woselbst die Abfchiedsrede von Herrn Tonn gehalten wurde. Unter Borantritt der Träger der Thorarollen bewegte sich von hier aus der lange Zug, an welchem Biele aus unseren Nachbargemeinden mit ihren Cultusbeamten, sowie die geladenen Ehrengäste und sämmtliche Behörden hiesiger Stadt theilgenommen, nach dem neuen Gotteshause, in welchem die Festpredigt durch Herrn Rabbiner vr. Bamberger aus Königsberg in zündender Weise auf Psalm 118, 24. gehalten wurde. — Aus Gütersloh (Westpreußen) berichtet man uns: Am 25. August feierte die hiesige Gemeinde das 25jährige Amtsjubiläum des Lehrers Rüben. Lehrer Steinweg aus Rheda hielt beim Gottesdienst eine ergreifende Rede. Die Gemeinde hatte dem Jubilar eine Gehaltserhöhung von 150 Mark jährlich votirt. Frühere Schüler überreichten ihm ein ansehnliches Geldgeschenk. Herr KreiSschulinspector Dr. Flügel richtete ein anerkennendes Glückwunschschreiben au ihn. Möge ihm die Vorsehung noch eine lange Wirksamkeit bescheiden. I e u i l Die Einweihung des portugiesischen Tempels. *) Paris» 21. September. Am 25. des Monats Elul des Jahres der Schöpfung 5637, d. i. am 3. September 1877, weihte die Pariser Jsraeliten- Gemeinde portugiesischen Ritus ihren neuen Tempel in der Rue Buffault ein. Auf feines Velin, in der eleganten Schrift der Elzevire gedruckte Einladungen beriefen die Spitzen der Pariser Gesellschaft und alle Notabilitäten Frankreichs zu dieser großen religiösen Feier und am genannten Tage, um 2 Uhr Nachmittags, strahlten die Ordensabzeichen aller Länder im Schiffe, blitzten l e t 0 n. und schimmerten die Demanten und Perlen der vornehmsten Pariser Damen auf den Gallerien des neuen Gotteshauses. Es ist eine prächtige Stätte, welche da der jüdischen Andacht erbaut worden. Der reiche Schmuck des Baues muß Jeden überraschen, der den Budapester Tempel nicht gesehen. Denn dem letzter» wird kaum eine Synagoge an Pracht und imposanter Dimension gleichkommen. Was am Pariser portugiesischen Tempel sofort in's Auge fällt, sind die tadellose Harmonie seiner Proportionen, der exquisite Geschmack und die noble Eleganz seiner Decoration. Außen und innen präsentirt sich der intereffante Bau im gefälligen, ansprechenden romanischen Style des zwölften Jahrhunderts und ttägt an einzelnen Theilen die reichen, von morgenländischer Farbengluth gehobenen Motive byzantinischer Ausschmückung. Auf dem 41* 1) Aus dem „Pester Lloyd".

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