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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-09 · Heft 41 (9.10.1877) · p. Seite 654

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 41 (9.10.1877)
Date
1877-10-09
Page
Seite 654 (sequence 10)
Language
German
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654 wird uns aus Augsburg geschrieben, daß dort eine Sammlung 2500 Mark betragen, und die Gemeinde Buttenwiesen 260 Mark gesandt hat. Redact.) Bukarest, 22. September. Die „Presse" enthalt von hier eine ausführliche Schilderung der Vorgänge in Kezanlyk, aus welcher wir hier nur constatiren wollen, daß die unglücklichen Juden aussagen, daß die Russen, Soldaten und Officiere ihnen nichts Böses angethan, sie vielmehr gegen die Bulgaren geschützt haben. Diese allein haben die Todtschläge, Schändungen und Plünderungen an ihnen verübt, zum Theil außerhalb der Stadt. Es heißt unter Anderem: „Die armen Vertriebenen hatten kein Wort der Klage gegen die russischen Soldaten, im Gegentheile, sie hoben ausdrücklich mit Dank hervor, daß sie ihr Leben den Kosaken verdanken, welche die wüthenden Bulgaren abwehrten und daß russische Generale sie mit Geleit- und Empfehlungsbriefen versahen; Bulgaren allein waren es, welche die Unthaten verübten." Ja, da die russischen Soldaten nach dem Einzuge in Kezanlyk die Erlaubniß erhielten, 24 Stunden in den türkischen Häusern zu plündern, thaten sie den Juden durchaus nichts. 45 Tage waren die Unglücklichen auf der Wanderung, bis sie nach Bukarest kamen. Sie vermochten dies nur mit Hülfe der russischen Lieferanten, welche meist Juden sind, und die ihnen Brod reichten und Wagen verschafften. Rumänien. Bukarest, 16. Septbr. Meldung der „Preffe": Gestern und heute kamen hier 340 türkische Judenweiber und Kinder im elendesten Zustande stüchtig aus Kazanlik an, wo sie nach unerhönen Mißhandlungen von den Bulgaren vertrieben wurden. Sie waren 45 Tage auf der Flucht, 15 starben unterwegs vor Erschöpfung. Russische Kosaken schützten sie vor Ermordung, doch wurden vorher in Kazanlik 12 angesehene und reiche Juden von den Bulgaren ermordet, 4 Mädchen und eine Frau geschändet. Allen sämmtliche Habe geraubt. Von Schipka bis Tirnowa haben ihnen russische Generale Geleit und Empfehlungsbriefe gewährt, russische Lieferanten versorgten sie mit Geld und Brod, liehen Wagen zur Weiterfahrt für die Frauen und Kinder. Die bulgarischen Kutscher beraubten sie ein zweitesmal und entwichen; die Weiber und Kinder kamen hier mit geschwollenen Füßen an, die Mehrzahl der Kinder ist krank. Die hiesigen Juden haben den Erbarmenswerthen die erste Unterstützung geboten und richten nun einen Aufruf an alle Menschenfreunde um Hülfe. Der österreichisch-ungarische und der englische Generalconsul constatirten das Factum. Paris, 24. Septbr. Das Monatsbulletin der Alliance isr. univ. enthält Folgendes: Die Israeliten von Dorabani bereiten sich vor, den Proceß, de» sie gegen die Madame Cimara angestrengt haben, zu verfolgen. Obgleich ihr Recht augenscheinlich ist, glauben sie dennoch für nöthig, angesehene Advocaten zu engagiren, :utn ihre Sache vor dem Schwurgericht von Dorohot und wenn nöthig, vor dem Caffationshof zu Bukarest zu führen. Die zahlreichen Schritte, die zu Gunsten der Madame Cimara, Tochter des Generalissimus Balsch, gemacht werden, und der oratorifche Ruf des Herrn Cimara, der für einen der beste» Advocaten des Landes gilt, nöthigt sie, an Männer sich zu wenden, deren Wiffen und Talent sie zu Autoritäten machen; aber, He haben nicht die Mittel die bedeutenden Honorare zu zahlen» für die sie diese Mithülfe erlangen können und bitten das Comitö ihnen zu Hülfe zu kommen für diesen Zweck. Indien. Kalkutta, im August. (Kult. 6e TAU. isr. univ.) Bor achtzig Jahren gab es in Kalkutta keinen einzigen Israeliten, heute sind sie in einer Zahl von sechshundert Seelen daselbst, der größte Theil in Bagdad gebürtig. Sie treiben Handel und ein großer Theil unter ihnen hat Mühe sein Leben zu fristen. Es kommt stets eine große Anzahl Glaubensgenoffe» von Bagdad an, die hier nur durchpassiren und die Wohlrhängkeit der Gemeinde ansprechen. Wir haben zwei Synagogen, alle beide sehr schön. Sie besitzen 60 Sefer Thoras, ganz mit reinem Silber geziert im Werthe von mehr als 100 Pfv. Sterl., und mehr als 150 rein wollene Vorhänge für das Allerheiligste im Werthe von 20 Pfd. St. (jeder?). Die Koste» für den Cultus und die Wohlthatigkeit belaufen sich jährlich auf mehr als 2000 Pfd. St., ohne die Privatwohlthätigkeit einbegriffen. Niemals pocht ein Armer vergebens an unsre Thüreu und man übt hier in wahrem Sinne des Wortes den bekannten Spruch: „Wer hungrig ist, komme herein und effe mit." Vor 6 Monaten hat man hier eine Gesellschaft üonenö-vaUim gegründet, die regelmäßige Sitzungen hält und viel Gutes übt. Tunis und Marokko. Bon Nordafrika, im September. Aus Tunis wie aus Marokko werden wieder mehrfache Mißhandlungen und Ermordungen einzelner Juden gemeldet. Am ersteren Orte hat sich unter dem Vorwände, zwischen zwei sich streitenden Juden Ruhe zu schaffen, ein Beamter des Todschlags des einen und der Bastonade des anderen schuldig gemacht, ohne daß ihn die Strafe ereilt hat. In Marokko wurden nun bereits zwei Male Judeufamilien auf der Reise selbst unweit großer Städte ermordet und geplündert. Der Gouverneur ließ dies ruhig geschehen und als der italienische und der französische Consul sich an den Kaiser wandten, erhielt der Gouverneur einen strengen Befehl, ohne daß er sich deshalb thätiger erwies. Es ist leider offenbar, daß die türkischen Siege, die natürlich hier weit übertrieben werden, den muselmännischen Fanatismus außerordentlich anstachelu. Das Volk glaubt, daß nunmehr die Macht und der Einfluß der euro-

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