Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1877)
- Date
- 1877-10-09
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227165--35712-3305700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
651 fehlt den aufgefundenen Menschenüberresten jedes Merkmal einer anderen Entwickelung, als die unserige ist; daß wir nun gerade nur die größten Genies aus der Pfahlbautenzeit u. s. w. noch finden sollten, ist wohl nicht anzunehmen. Einen entwickelteren Affenschädel aber haben wir noch nicht gefunden. Wenn wir uns also mäßigen, gewinnen wir einen immer größeren Kreis von Anhängern und Mitarbeitern; das Publikum wird sich dann in jener fruchtbringenden Weife, wie dies auf vielen Gebieten schon geschehen ist, betheiligev. Anders fürchte ich, daß wir unsere Macht überschätzen." „Aber wir würden unsere Macht mißbrauchen, gefährden, wenn wir uns nicht auf dieses vollkommen berechtigte, völlig sichere und unangreifbare Gebiet zurückziehen würden. Dann können wir Borstöße in der Richtung des Problems machen. (Lebhafter Beifall. Auch der anwesende königliche Staatsmivisier v. Pfretzschner drückte dem Revner feine Befriedigung aus.) Auch über den Vorwurf des „Halbwissens" sprach er und meinte: „Es ist eben jedes menschliche Wissen Stückwerk, wir alle besitzen nur Stücke von Naturwissenschaft; aber ich wünschte, daß wir nur dieses „Halbwissen" weiter verbreiten könnten." Mit dieser Ausrede ist aber die Sache selbst nur umgangen. Der Vorwurf ist, daß die Herren ihr halbes Wissen für ein ganzes ausgeben; aus ihrem halben Wissen ein Weltsystem construiren und dies aller Welt aufdrängen wollen. Dies gilt von dem Halbwissen der Fachmänner. Nun aber erst was man das Halbwissen in den großen Kreisen außerhalb der Wissenschaft nennt, und eine große Menge verleitet, das Halbwissen der Meister als einen entschiedenen Glaubenssatz anzunehmen, weil es mit so vieler Sicherheit vorgetragen wird. Leipzig, 20. September. Gestern Abend beriechen in der hiesigen Synagoge die Delegirten zum israelit. Gemeindetage. Professor Lazarus aus Berlin eröffnete die Versammlung und gedachte in warmen Worten des verstorbenen Stadtraches Kohner, der den Gemeindebund begründet und ihm bis zu seinem Tode vorgestanden hat. Zum Vorsitzenden wurde der Rechtsanwalt Meyer aus Berlin gewählt. Die Berathungen ergaben in der Hauptsache die Annahme des revidirten Slatuts nach dem vom Ausschüsse vorgelegten Entwürfe, wie ihn diese Zeitung bereits gebracht, wonach unter anderm Leipzig zum ständigen Sitze des Ausschusses bestimmt unv ver Beitrag der einzelnen Gemeinden herabgesetzt wird. Zuvor hatte Herr Nachod über vie Finanzen des Bundes berichtet; das Vermögen desselben beläuft sich zur Zeit auf circa 13,000 Mark. Der Versammlung wohnten circa 50 Vertreter von Gemeinden bei, denen sich eine Anzahl Zuhörer zugesellt hatten. Aus Württemberg, 28. September. (Privatmittheilrmg.) Ihre Majestät die Königin Olga von Württemberg besuchten mit ihrer Kaiser!. Hoheit der Frau Herzogin Vera von Württemberg die Stadl Heilbronu, um der am 25. d. M. stattgeundenen Einweihung einer Anstalt für Krankenpflegerinnen beizuwohnen. Nach Beendigung dieser Feier erfolgte die Fahrt zur Synagoge, woselbst Begrüßung durch die Kirchenvorsteher, Orgelpiel und Gesang stattfand. Der Jahrgang 1876 der Württ. Jahrbücher für Statistik und Landeskunde enthält eine Studie über die württembergische Schuljugend nach der Farbe der Augen, Haare und Haut, wobei die israelitischen Schüler gesondert anfgenommen wurden. Es fanden sich 32 pCt. blauäugige christliche Schüler, 20 - - israelit. - 33 - grauäugige christliche - 28 - - israelit. - 35 - braunäugige christliche - 52 - - israelit. - 0,6 - christliche Schüler mit brandrothem Haar, 0,9 - israelit. - - - - Frankfurt a. M., 26. Sept. (Privatmitth.) Im Realschulgebäude der isr. Gemeinde fand gestern die von fünf zu fünf Jahren abzuhaltenve ordentliche Generalversammlung des israelitischen Lehrerunterstützungsvereins „Achawa" unter ziemlich zahlreicher Beiheiligung der auswärtigen Mitglieder statt. Der Vorsitzende, Herr Adolf Teblse, erstattete den Bericht von der Thätigkeit des Vereins in den letztverfloffenen fünf Jahren. Demzufolge hat das Vereinsvermögen bereits die Höhe von 70,000 M. erreicht. Als Unterstützungsgelder gelangte» diesen Monat ungefähr 5800 M. zur Vertheilung, nachdem im Laufe des Jahres schon 620 M. aus dem Reservefond verabreicht worden waren. — Die seit 1865 bis heute an Pensionen verausgabte Gesammtsumme beträgt über 42,000 M. Viele arme kranke und dienstunfähige Lehrer, viele Lehrerwittwen und Waisen segnen dankbar das hilfteiche Wirken des Vereins, der seine Thätigkeit weithin über alle Gauen unseres Vaterlandes erstreckt. Die bisherigen VerwaltungSmitglieder des Vereins wurden wiedergewählt, an Stelle eines austretenden hiesigen Mitglieds traf die Wahl Herrn I. Blum, Lehrer dahier. In Berücksichtigung der vom Vereine angestrebten Corporationsrechte wurde die Verwaltung beauftragt, diejenigen Abänderungen der Statuten zu berathen, welche hierzu nothwendig erscheinen, und einer im Laufe des nächsten Jahres wieder einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung zur Genehmigung vorzulegeu. Dem Schulrathe der hiesigen israelitischen Gemeinde sprach der Vorsitzende Namens der Versammlung für die bereitwillige Ueberlaffung des Locals den gebührenden Dank aus. Nachdem Herr Director Dr. Baerwald dem Vorsitzenden in warmen Worten den Dank des Vereins ausgedrückl hatte, schloß vie 4. ordentliche Generalversammlung der „Achawa". Kassel, im September. (Privatmitth.) Dem hiesigen Landrabbiner liegt ein sehr wichtiger Gegenstand zur Entscheidung vor, von größerer Bedeutung, als die alberne Mofeuthal'fche Ordens-