Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-09 · Heft 41 (9.10.1877) · p. Seite 649

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 41 (9.10.1877)
Date
1877-10-09
Page
Seite 649 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227165--35710-3305698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

649 anstellt; man kann also nicht wissen, welcher Theil am meisten 1 vom Schlage wahrend des Lebens getroffen wurde.! Nun steht es fest, daß beim Schlage alle drei Theile nicht < in gleicher Weise getroffen werden, da man den Kranken bei einem vollständigen Verluste der Intelligenz noch die Bewegungen des Athmens ausüben sieht, was beweist, daß der Theil, der die Intelligenz leitet, im höchsten Grade betroffen werden kann, während derselbe Schlag den Theil, welcher die Bewegungen leitet, weniger ernst getroffen hat. Wie steht es dann mit dem Theile, welcher das Gefühl leitet? Ist er ebenso schwer getroffen, wie derjenige der Intelligenz, und daher aufgehoben, oder ist er nur wie derjenige der Bewegungen, also nicht aufgehoben, sondern im Gegencheil irritirt und Leiden verursachend? Da jedes Mal, wo die eine nervöse Partie zerstörende Kraft diese nicht ganz zerstört, sie deren Erregung bewirkt. Wenn man in der Mediciu irgend einen Werth auf das Raisonnement legen konnte, das sich nicht auf bestimmte Erfahrungen stützt, könnte man so sagen: Bei allen oder fast allen Gehirnkrankheiten, wo Paralysirung der Bewegung eintritt, bleibt das Gefühl sehr oft intact, also der Theil, welcher das Gefühl leitet, ist weniger geneigt, sich durch eine zerstörende Ursache zu verändern als der, welcher die Bewegung leitet. Daraus fofgt, daß wenn beim Gehirnfchlag die Bewegung nicht aufhört, das Gefühl ebenfalls nicht aufhört; also leidet der Kranke. Man wende nicht ein, daß bei vollständiger Bewußtlosigkeit es keine Empfindung, folglich auch keine Schmerzen gebe. Wenn wir sagen, daß wir bei einem Kranken vollständigen Verlust des Bewußtseins constatirt haben, so will das sagen, daß wir keine Manifestation der Intelligenz wahrgeuommen; der Kranke macht keine Bewegung, man hört nicht das geringste Murmeln, man würde ihn für todt halten, wenn nicht die Bewegungen des Athmens, des Pulses und des Herzens da wären. Aber in der Reihe der oben erwähnten Operationen, die nacheinander vor sich gehen, hat man bemerkt, wenn man den Kranken sticht, um zu sehen ob er Gefühl zeigt und schreit oder sich bewegt, daß die Perception, welche den Schmerz verursacht, die vierte Operation in der Reihenfolge ist, und daß die Bewegung, welche die Manifestation des Bewußtseins des Schmerzes ist, die siebente Operation derselben Reihenfolge ist; folglich tritt der Schmerz vor der Manifestation des Bewußtseins ein und er kann allein existiren, wenn letzteres nicht mehr vorhanden ist; um so mehr als der Schmerz in dem Theile des Gehirns hervorgebracht wird, welcher das Gefühl leitet, während die Manifestation durch einen anderen Theil hervorgebracht wird, welcher vielleicht mehr verändert ist als der erstere. Es folgt daraus, daß in der Methode der Thierschutzvereine, welche die des Gehirnschlages ist, keine Gewißheit vorhanden ist, daß das Thier nicht leidet, daß es sogar sehr wahrscheinlich ist, daß es viel leidet. Betrachten wir jetzt die jüdische Methode, nach der das Thier durch Blutfluß stirbt. Da gißbt es kein Bedenken, keine Ungewißheit. Man weiß ganz positiv, daß das Gefühl, und folglich auch der Schmerz erst in den Nerven (den sensitiven oder gemischten) und in dem Centralnervensystem (Gehirn- und Rückenmark) entsteht. Nun, die Juden berühren keinen dieser Theile. Es ist wahr, daß sie die Haut durchschneiden, welche viele nervöse Netze einschließt. Aber nur der Augenblick des Einschnittes in die Haut ist der einzige schmerzhafte Augenblick, der nicht länger dauert als der des Schlages nach der Methode der Thierschutzvereine, welcher augenscheinlich schmerzhaft ist. Sobald die Haut durchgeschnitten ist, giebt es keinen Schmerz mehr, denn man schneidet nur die Luftröhre, die Speiseröhre und die Blutgefäße, aber man verwundet keinen Nerv mehr; folglich keine Leiden. Prüfen wir nun die Fälle, wo die beiden Methoden durch wenig geübte Hände ausgeführt werden, oder die Fälle, wo durch irgend eine Ursache das Thier für einige Zeit verlassen wird, ohne daß die Operatton vollendet werden. Nach der Methode der Thierschutzvereine sind die Leiden des Thieres, wenn es nicht mit der hinreichenden Energie todtgeschlagen wird, ungeheuer und es erfolgen Bewegungen, Zuckungen und Schmerzen. Bei der jüdischen Methode wird der Blutfluß, wenn die Blutgefäße selbst nicht genügend durchgeschnitten werden, weniger reichlich, die Agonie länger sein, aber der Tod ist gewiß und ohne große Leiden, denn weder die Nerven, noch das Gehirn, sind angegriffen. Nach der Methode der Schutzvereine kann das Thier, wenn der Todschlag nicht stark genug war, nach einiger Zeit wieder zu sich kommen und »och lebend sein, wenn man anfängt, es zu zerschneiden. Welch' schreckliche Leiden dann! Nach der jüdischen Methode läßt der Blutfluß das Thier nie wieder zu sich kommen. Ich schließe also damit, den Mitgliedern der Thierschutz- : vereine vorzuschlagen, bei den Juden ihre Riten kennen zu lernen : und diese in den christlichen Fleischereien einzuführen. 2beiJkau/Cj öuxvc&tic&beu/. Deutschland. Berlin, 1. Oktober. (Privatmitth.) Bei der diesmaligen Bertheilung der Michael Beer'schen Stiftung für jüd. Künstler war das Fach der Bildhauerei an der Reihe. Es fand sich auch eine Bewerbung seitens junger jüd. Künstler ein, und die Akademie der Künstler erlheilte den Preis dem Bildhauer Ephraim Kehser, geboren zu Baltimore. Es ist immerhin bemerkens-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.