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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-09 · Heft 41 (9.10.1877) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 41 (9.10.1877)
Date
1877-10-09
Page
Seite 646 (sequence 2)
Language
German
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646 sehr ernster Vergehen, die gar nicht vom Gesetze bestraft werden, I in die Luftröhre tritt und so den Zugang der Luft in die Lungen weil man sie nicht genau definiren oder ihre verbrecherische Abverhindert. sicht nicht beweisen kann. Das Gesetz, deffen hauptsächlicher Bei dieser Gelegenheit kann ich mich nicht enthalten, die Zweck darin besteht, die bösen Handlungen zu verhindern und! Tiefe der Ansichten, vas wahre mevicinische Genie eines der talnicht, sich an den Sündern zu rachen, straft oft ein an sich! mudischen Lehrer hervorzuheben. In ihrer soweit hinter der weniger schweres Vergehen, das aber tief eingewurzelt ist und unsrigeu zurückliegenden Zeit, hat Rabbi Juda schon eingesehen, deffen Unterdrückung die ganze Strenge des Strafgesetzes erfor- §aß die Wunden der Luft- und der Speiseröhre nicht ausreichen, dert, viel strenger, wahrend es in seiner Strenge nachlaffen kann,I um den schnellen Tod des Thieres zu sichern. Er ist seiner Zeit wenn es sich um ein sehr ernstes, aber so ausnahmsweises Ver-Ium fünfzehn Jahrhunderte vorausgeeilt und hat erkannt, daß gehen handelt, daß keine außergewöhnlichen Mittel angewandt zu das Thier nur durch den Blutfluß sicher und schnell stirbt, und werden brauchen, um deffen Rückkehr zu verhindern. Nun, das er schrieb vor, die Beridin, die Blutgefäße, zu durchschneiden. mosaische Strafgesetzbuch hatte nur zum Zweck, die Wiederkehr Diese Gefäße waren augenscheinlich die Halsadern, denn die böser Handlungen zu verhindern. Der Pentateuch sagt an meh- Hauptschlagadern sind Arterien, und man glaubte zu jener Zeit reren Stellen: „Und ganz Israel wird es hören, und sie wer- und selbst elf oder zwölf Jahrhunderte später, daß die Arterien den Furcht haben und nicht mehr sündigen."! überhaupt kein Blut enthielten. Die Idee des Rabbi Juda Ebenso ist es mit dem Verbot, Blut als Nahrung zu »eh- ""»»»- a“e Ideen, die ihrer s-it voraus sine. nicht -ugemeu; die Strafe Vergehens war keine so strenge und doch Aber wen» die -ud-reu Talmndifteu nicht formell verabscheute diganze Nation -- so. daß °-S Coneilinm von»»«>-». »'-Gesäßdurchznschn-id-n, ,° ist ihr-Me- J-rns-l-m, dessen chnstliche Mitglieder alle Inden von G-bnr, **“ c°d> ,0' »^ diese Gefäße immer dnrchgeschniüe» «erde». waren, er selbst den bekehrten Heiden verbot. . "■ T 2>a8 J"*“ «“ Z-°> war. so viel wie l möglich die Schmerzen des Thieres zu mildern. Und doch war Aber was beweist, daß das Verbot. Fleisch eines nicht gekeiner der Talmudisten Mitglied eines Thierschutzvereines. Aber tödteten Thieres zu effen, von den Juden als das strengste!^ waren alle Mitglieder der großen und alten Gesellschaft der aller Verbote betrachtet wird, ist, daß dies von allen jüdischen Söhne Jakobs, der Beschützerin aller lebenden Geschöpfe, nicht Ceremonien die einzige rst, welche der Talmud den zum Mono- ^ein der Thiere. sondern auch der Menschen, was man nicht theismus bekehrten Heiden auferlegt, indem er jenes Verbot fu*!imraCr jn jjen Schutzvereinen unserer Tage sieht. Die Talmualle Nationen, die er mit dem Namen Söhne von Noah 6e= Lijien toarcn atfo ^glieder jener großen und alten Schutzgezeichnet. für anwendbar hält. lfellschaft für die Fremden, denn Moses sagte; „Erinnert Euch, Es folgt aus Allem, was ich soeben gesagt habe, daß die! daß Ihr selbst Fremde in Egypten wart;" der Beschützerin der Juden einen großen Werth darauf legten, zunächst die volle Ge-! Sklaven, die nach Moses nicht überlastet, nicht betrogen, nicht wißheit des schnellen Todes des Thieres zu erlangen. Nun, die ihren Herren zurückgegeben werden sollten, und welche man achten Landthiere gebrauchen zur Fortsetzung ihres animalischen Lebens sollte, denkend wie Hiob, daß sie im Mutterleibs gebildet worden zweier Organe, das eine zur Aufnahme der Luft, die es ein-1 wie wir und daß sie von demselben Gott geschaffen worden wie wir; athmet, das Andere zur Aufnahme der Nahrung, die es verzehrt. I der Beschützerin der Thiere, welche man nicht überlasten und an Man glaubte also, der Tod sei am sichersten, wenn man die! einem Tage nicht die Mutter und ihr Junges zum Effen tödten beiden Röhren, die Luft- und die Speiseröhre, Lurchschneidet; durfte u. s. w., u. f. w. Rabbi Juda, der Heilige, der Berfaffer daher rührt die formelle Vorschrift, die Kaneh, die Luftröhre, und! der Mischnah, war ebenfalls Mitglied dieses großen und alten die Weschet, die Speiseröhre, zu durchschneiden. Wir wissen jetzt, I Schutzvereines, und er konnte sich niemals das große Verbrechen daß die Wunden der Luft- und der Speiseröhre durchaus keine! verzeihen, das er begangen, indem er ein flüchtiges Kalb den sicheren Beweismittel des schnellen Todes sind, und daß diese! Händen seines Metzgers übergeben. Wunden sogar heilen können. Aber nicht allein darf man den! Also, die Mitglieder dieses großen und alten SchutzvereineS Talmudisten es nicht verübeln, daß die Medicin zu ihrer Zeit! der Söhne Jakobs haben sogar sechs Vorschriften erdacht, welche weniger vorgeschritten war als in unseren Tagen, sondern man! keinen anderen Zweck haben, als die Schmerzen des ThiereS zu muß zugestehen, daß die Talmudisten sich im Factum nicht geirrt! mildern. haben, und daß ihre Methode in der Wirklichkeit das sicherste! Diese sechs Vorschriften sind folgende: Mittel des schnellen Todes ist, da die Operation nach den tal-I 1. — Jedermann kennt die drei Vorschriften der modernen mudischen Vorschriften nothwendig die Verwundung der Hals-1 Chirurgie, eito, tuio und jucundo vorzugehen, schnell, auf sichere venen und der Arterien, welche Carotiden genannt werden, her-! Weife und die Leiden zu vermindern. Halten wir uns zunächst beiführt und das Thier sicher und schnell am Blutfluß stirbt, I an die erste der Vorschriften; man soll cito, schnell operiren. wenn es nicht noch schneller an Erstickung stirbt, wenn das Blut! Nun ist es den Juden ganz besonders verboten, auS der Metzgerei

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