Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1877)
- Date
- 1877-10-02
- Page
- Seite 638 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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638 den Stadtverordneten mit Ausschluß der Juden von den Wahlen und den ferneren Ausschluß von allen Staatsämteru in Aussicht genommen an. Um diese Absichten zu unterstützen, veröffentlichte der damalige Direktor des statistischen Bureaus Hoffmann eine statistische Arbeit in der „Preußischen Staats-Zeitung", durch welche die Inden in moralischer und socialer Weise herabgewür- Ligt wurden, wobei er sich scheinbar auf statistische Ergebniffe stützte. Hiergegen veröffentlichte ich: „Wie sich der Statistiker, Staatsrath rc. Dr. I. G. Hoffmann, verrechnet! Eine Beleuchtung des AnffatzeS: „Ueberficht der Anzahl und Bertheilung der Juden im Preußischen Staate nach einer Vergleichung der Zählungen zu Ende der Jahre 1840 und 1842" in Nr. 141 und 142 der „Allg. Preußischen Staats-Zeitung". (Leipzig. Baumgartner, 1842.) Die Schrift hatte eine sehr günstige Wirkung, und ein damals einflußreicher Kritiker sprach sich in der Voff. Zig. dahin aus, daß „die jüdische Logik hier einmal wieder die christliche völlig überwunden habe." Da nun zu gleicher Zeit durch meine Aufforderung eine große Anzahl von Gemeinden protestirende Adressen an den König richteten — die erste derartige Thal in der Geschichte der Juden — so wurde der qu. Gesetzentwurf zurückgelegt und in dem spateren Gesetze (1847) war von dem Ausschluß von der Wehrpflicht nicht mehr, und von dem aus den Staatsamtern nur in beschranktem Maße (§. 2.) die Rede. — Außerdem erschien: „Der Bund Gottes. Predigt, gehalten am 22. Oktober zur Einweihung einer heiligen Schristrolle in der Synagoge zu Quedlinburg." (Magdeburg, Baensch, 1842), und: „Worte der Liebe, gesprochen zur Trauung seines Bruders in der Synagoge zu Halberstadt." (Halberstadt, Liudequist u. Schönrock, 1842.) Die beiden Predigten, von denen die erste auf Verlangen des Magistrats von Ouedlinbnrg in Druck erschien, die zweite mehrere Auflagen in kürzester Zeit erhielt, sind darum von einiger Bedeutung, weil sie, wenigstens in der Provinz Sachsen, eine erwachende und anwachsende Theilnahme für das Judenthum und die sich in diesem geltend machenden Bestrebungen in christlichen Kreisen bezeugten, auf die ich bald wieder zurückkommen werde. — Das Jahr 1843 brachte die erste Ausgabe meiner gesammelten Dichtungen und Novellen, die in zwei Banden (Magdeburg, Falckenberg) unter dem Titel „Saron" erschien, und später eine bedeutend vergrößerte Ausdehnung erhielt. In diese Sammlung waren auch die „Marannen" meines Bruders ausgenommen. In meinen belletristischen Arbeiten habe ich stets das Ziel verfolgt, große historische Stoffe und merkwürdige Situationen aus der Geschichte des Judenthums und der Juden, sowie eigenthümliche Verhältniffe der letzteren auch in der Gegenwart dichterisch zum Ausdruck zu bringen, hingegen den Jargon und die jüdische Kleingeisterei zu verdrängen. — „Kleiner Katechismus der israelitischen Religion." (Leipzig, Baumgartner, 1843.) Die zweite Auflage erschien 1858. Obgleich bereits verdienstvolle Religionslehrbücher bestanden, so war dies doch der erste kurze und wohlseile Katechismus. Mein Zweck ging aber dabei noch anders wohin, nämlich: „die Durchdringung des Offenbarunzsbegriffes durch alle Theile der Religionslehre und die logische Zusammenfassung derselben auf diesem Grunde. Hierin waren und find noch heute die gangbaren Religionsbücher sehr schwach. Jndeß war gerade dies für die Mehrzahl der Lehrer eine zu schwere Arbeit, die zu lösen ihnen lästig war. Im folgenden Jahre schloß sich daran: „Kleiner Katechismus der Geschichte Israels (bis zu unserer Zeit), der Bibelknude, der Landeskunde des alten Palästina und der jüdischen Liturgik." (Leipzig, Baumgärtner, 1844.) „Predigt, gehalten am Tage der Zerstörung Jerusalems und der Jubelfeier des tausendjährigen Bestandes Deutschlands, dem sechsten August 1843." (Magdeburg, Falckenberg, 1843.) — „Traupredigt zu Wettin." (Merseburg, Kobitzsch, 1843.) — In den letzten Jahren hatte sich in den jüdischen Gemeinden das Bedürfniß der deutschen Predigt schnell verbreitet, ohne daß die Zahl der dazu befähigten Männer ebenso schnell gewachsen wäre, oder die finanzielle Lage vieler Gemeinden eine Anstellung solcher gestattet hätte. Ich entschloß mich daher eine Auswahl meiner Predigten zu veröffentlichen : „Siloah. Eine Auswahl von Predigten. Zur Erbauung, so wie insbesondere zum Borlesen in Synagogen, die des Redners ermangeln." (Leipzig, Banmgärtner, 1843.) Die zweite Auflage erschien 1854. Den zweiten Theil gab ich 1845 und den dritten 1858. Dieser letztere enthält auch „sechs Betrachtungen über die Unsterblichkeit der Seele" zu der Seelengedächtnißfeier, wie sie gegenwärtig häufig am Versöhnungstage gehalten wird. Unter den Kämpfen, welche in den ersten Regierungsjahren Friedrich Wilhelm's I V. hervortraten, standen im Vordergrund die religiösen. Der Rationalismus, wie er im Anfang des Jahrhnuderts in der protestantischen, ja selbst zum Theil in der katholischen Kirche geherrscht, war längst durch die pietistisch-orthodoxe Richtung verdrängt worden, und der regierende König war der letzteren mit ganzer Seele ergeben. Die Bewegung des Bolksgeistes richtete sich daher zunächst gegen die Fesseln der orthodoxen Kirche und suchte gesetzliche Maßnahmen zu erwirken, durch welche die Gewissensfreiheit gesichert würde. Damals entstand unter dem Beifall der Protestanten der Deutsch-Katholicismus, und 'in der protestantischen Kirche traten Geistliche auf, welche, aus der Kirche verdrängt, die sog. freireligiöse Richtung hervorriefen. Daß eine solche Bewegung auch bald ein antireligiöses Extrem zu Tage förderte, lag in der Natur der Sache und erwiesen die sogen. Lichtfreunde zu Marburg u. Halle. Das Bedürfniß nach geläuterteren Religionsbegriffen fachte auch, wie ich oben bemerkt, das Interesse am Judenthume in christlichen Kreisen an. Es drängte sich mir dieses ganze Bild des gewaltigen Ringens der Zeit vor die Seele, und ich beschloß, vom Standpunkte des Judenthums aus, ohne jedoch diesen zu betonen, einen Versuch dahin einzuwirken, zu machen. Ich gab während des Jahres 1844 heraus: „Religiöse Wochenschrift für gottgläubige Gemüther aller Eon-