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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-02 · Heft 40 (2.10.1877) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 40 (2.10.1877)
Date
1877-10-02
Page
Seite 637 (sequence 9)
Language
German
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637 AMa. Capstadt, Ende August. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, Ihnen von Zeit zu Zeit Nachrichten über unsere Glaubensgenossen in Afrika und deren Zustände zu geben, wobei ich allerdings durchaus nicht im Sinne habe, rosig zu malen und die Dinge besser erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Bis jetzt haben die Israeliten im Caplande eines guten Rufes sich erfreut, und haben viel zur kommerziellen Blüthe des Landes beigettagen, was schon wiederholt durch die Behörden und in dem Abgeordnetenhause öffentlich anerkannt worden. Auch in den entlegensten Ortschaften sind einige Juden ansässig und treiben Ein- und Ausfuhr im Großen und Kleinen zur Zufriedenheit der umwohnenden Bevölkerung. Auch geht es ihnen so ziemlich gut, obgleich die goldenen Zeilen des Caplandes vorüber sind, und Industrie und Handel mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen haben. In der letzten Zeit aber ist der Andrang polnischer Glaubensgenossen stark geworden, und diese bedienen sich unzukömmlicher Mittel, um Alles an sich zu reißen, und die bisherigen hier wohnenden Geschäftsleute zu schädigen. Dies beginnt bereits unsren Ruf zu untergraben und unsren Frieden zu zerstören. — Es giebt wohl kein Land der Erde außer dem Capland, wo die Religion unsrer Väter von ihren Bekennern so vernachlässigt wird wie im Capland. Es giebt nur wenige Bethäuser und die religiösen Pflichten werden wenig beobachtet. Selbst der Rabbiner in der Capstadt kümmert sich mehr um die allgemeinen Dinge als um das Juventhum. Nicht wenige jüd. Jünglinge heirathen außerhalb ihrer Religionsgenossenschaft und es verblaßt in ihnen das religiöse Bekenntniß immer mehr. Würden sich jüdische Mädchen aus Deutschland enschließen, hierher zu kommen, so würden sie bald eine angemessene eheliche Versorgung finden. Nur dürften sie nicht ohne Beschirmer hierherkommen. Weiteres in meinem Nächsten. Ein deutscher Jude in Afrika. I e u i l Aebersichl -er gesamruten Schriften -es Dr, Ludwig Wlippfon. (Fortsetzung.) Neben dieser Redaction der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vom Mai 1837 an ging eine arbeitsvolle literarische Thatigkeit einher. *) 1838 erschien die Broschüre: „Die Juden, ihre Bestrebungen und ihre Denuncianten" (Magdeburg, Creutz, 1838), welche gegen damals öfters ausgesprochene Denunciationen, daß die jüdischen Reformbestrebungen durchaus revolutionärer Tendenz seien, besonders auch gegen die perfiden „Klagen eines Juden", von dem bald darauf katholisch gewordenen Joel Jacobi, die durch hohen Reiz der Sprache anzogen, gerichtet waren. 1839: „Der 24. Mai 1839. Predigt zur fünfundzwanzigjährigen Feier des Einzugs der Preußen in Magdeburg." (Magdeburg, Creutz, 1839). — Seit mehreren Jahren vorbereitet, begann die Herausgabe meines großen Bibelwerkes in drei sehr starken Quartbänden mit dem Jahre 1839: mir, rrip« n^iroi. „Die israelitische Bibel. Enthaltend: Den heiligen Urtext, die deutsche Uebertragung, die allgemeine, ausführliche Erläuterung mit mehr als 500 englischen Holzschnitten." (Leipzig, Baumgartner, 1839.) In Lieferungen erscheinend, wurde dies Werk 1853 vollendet. Die zweite Auflage des ganzen erschien 1858, während vom Pentateuch eine neue Auflage schon 1856 erforderlich gewesen. Eine Ausgabe ohne Text und Holzschnitte 1) Aus dem Mai 1833 habe ich im ersten Artikel ein umfängliches Programm zu der Zeitschrift: „Urda oder Gaben der Vergangenheit an die Gegenwart" anzuführen vergessen. Für eine solche Zeitschrift waren aber damals die Existenzbedingungen in Deutschland noch nicht vorhanden und der Plan mußte aufgegeben werden. l e t o n. vom Pentateuch und Jesaias — also Übersetzung. Commentar und Einleitung — wurde 1862 herausgegeben, während 1857 die Psalmen aus dem großen Bibelwerke in einer besonderen Ausgabe erschienen. Hinzuzufügen ist noch 1845: „Die fünf Bücher Moses. Für Schule und Haus. Neue Uebersetzung mit Jnhaltserläuterungen zu jedem Capitel, Zeit-, Orts- und naturhistorischen Bemerkungen und einer Zeittafel. Stereotypausgabe." Das Eingehendere über diese Bibelwerke findet sich in dem angeführten Artikel, Jahrgang 1875, S. 384 ff. — Im folgenden Jahre sah ich mich veranlaßt herauszugeben: „Der Israelit, ein Roman von Balzac. Aus dem Französischen übertragen und mit einem Nachwort versehen. 3 Bve." (Leipzig, Belgische Buchhandlung, 1840.) Ich versuchte in dem Nachworte die Stellung und die Bedingungen festzusetzen, welche auf dem Gebiete der Bellettistik die Behandlung jüdischer Stoffe einzunehmen hätte, anknüpfend an die überaus beliebten „Marannen" meines Bruders. Die spätere Zeit hat dieser Theorie vielfach nicht entsprochen. — Mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelm IV. war, wie bekannt, innerhalb Preußens eine große Bewegung in alle Schichten des Volkes gedrungen. Der lang gehemmte Strom der politischen Entwickelung durchbrach alle Hindernisse, die aufrecht erhallen wurden. Während sich aber im Volke die Gleichstellung aller Culte, also auch der Juden immer mehr Freunde erwarb, machte sich bei dem Könige wie in den maßgebenden Kreisen das Gegentheil kund, und ein Ministerialrescript des Herrn v. Rochow vom 1. Mai 1842 gab für das in Aussicht genommene Judengesetz die Aufhebung der Wehrpflicht, eine besondere Vertretung der jüdischen Gemeinden im Magistrat und 40

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