Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1877)
- Date
- 1877-10-02
- Page
- Seite 631 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227164--35691-3305678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
631 ständiger Gegensatz zu der gesammten antiken Religionsanschauung auf, und diesen Gegensatz bildet es auch gegen die egyptifche Götterlehre in der schärfsten Weise, was wir jetzt an einer ganz concreten Vorlage Nachweisen wollen. Herr H. Brugsch, der verdienstvolle Egyptologe, giebt in Nr. 6 der „Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen" eine Uebersetzung des Lobgefangs des Königs Darius, der die innere Süvmauer des zweiten Tempelfaales des Heiligthumes von Hibis in der großen Oase von El-Khargeh in der libyschen Wüste in der vollen Wandlänge bedeckt. Dieser ausführliche Lobgesang giebt uns so recht Gelegenheit, die egyptischen Gottheitsbegriffe mit der mosaischen Gotteslehre zu vergleichen. Am zwölfte« September. (Schluß.) Bon der Gemeinde zu Leipzig: Verehrter Herr! Leipzigs israelitische Religionsgemeinde betrachtet es als eine schöne, sie selbst ehrende Pflicht, Ihnen bei Gelegenheit Ihres halbhunderljährigen Schriftstellerjubiläums, die Gefühle der Verehrung und Bewunderung auszudrücken, von welchen dieselbe zu allen Zeiten Ihnen gegenüber beseelt war; und der Unterzeichnete Vorstand übernimmt freudig die Ausgabe, an so schönem und seltenem Ehrentage der Dolmetsch dieser Gesinnungen zu sein. Vielleicht vor allen Anderen fühlt sich unsere Gemeinde gedrängt, Ihnen ihre Huldigung darzubringen, weil sich dieselbe des Gedankens nicht entschlagen kann, daß sie ihr rasches und kräftiges Aufblühen zu einem großen Theile Ihrer Vorarbeit, verehrter Herr, Ihrer wackeren Mitkämpferschaft in der großen Bewegung des Jahrhunderts zu danken hat. Denn als Sie vor fünfzig Jahren Ihre bildende, Geister und Herzen veredelnde Wirksamkeit begannen, war in Leipzig kaum ein Keim von jüdischem Gemeindeleben vorhanden, waren staatlicher und gesetzlicher Zwang, selbst der schwachen Entwicklung eines solchen Keimes ungünstig und der Boden, aus welchem Bildungen hervorwachsen können, die die unterschiedlose, von jeder fubjectiven Meinung in religiösen Dingen unabhängige Anerkennung gleichen Rechtes und gleicher Würdigkeit Aller zur Voraussetzung haben, war noch von dem Unkraut mittelalterlicher Voruriheile überwuchert. Seitdem hat im deutschen Volke eine mächtige, emancipative Strömung begonnen und große, erlösende Ideen kamen in gewaltigen Fluß. Wir wollen nicht untersuchen, wie groß der Antheil ist, den Ähre von da ab sich häufenden Erfolge als Lehrer, Dichter, Schriftsteller, Historiker, Publizist an diesem bewundernswerthen Culturwerke hatten, wie viel namenllich Juden und Judenthum Ihrem von reinster, begeisterter Liebe getragenen Wirken in HauS und Schule, auf der Kanzel und in der Presse, zu danken haben! Dies festzustellen, ist die Ausgabe Berufener, die Pflicht einer dankbaren Nachwelt; für uns genügt es, unvergeßlich im Gevächtniß zu behalten, daß das Judenthum stets der Brennpunkt war, der alle Ausstrahlungen Ihres reichen, vielseitigen Geisteslebens auffing; der unversiegbare Quell, aus rem Sie den frischen Much und die freudige Kraft schöpften, um allezeit und stets der Vordersten Einer, unablässig und unentwegt, mit zündendem Wort und begeisternder Schrift, für die heilige Sache Ihres Stammes zu streiten und zu siegen! Und wenn Sie, verehrter Herr, jetzt von der Höhe Ihres an Thaten und Triumphen so reichen Lebens herniederblicken auf das ftohe, regsame Gedeihen im deutschen Judenthum, auf das so hochgestiegene geistige Niveau Ihres Volkes, auf dessen so fruchtbare und anregende Theilnahme, an allem geistigen und materiellen Leben des Vaterlandes; dann möge ein Gefühl gerechtester Befriedigung über das, was Sie dazu beigetragen, Ihre Brust durchziehen und Ihnen daraus die Kraft entquellen, noch viele, lange Jahre in leiblicher Frische unter Ihren dankbaren Mitlebendeu zu weilen, im glücklichen Genüsse unbestrittener Liebe und Verehrung Seitens aller der Unzähligen, die Ihr edles Leben zu würdigen verstehen! Wir verbleiben, verehrter Herr, in ausgezeichneter Hochachtung, Der Vorstand der israelitischen Religiousgemeinde zu Leipzig: Jacob Nachod. Alb. Wittcower. Saul Fiukelstein. I. Sieskind. Von der Gemeinde zu Cassel: Cassel, den 12. September 1877. Hochwürdiger, Hochgeehrtester Herr Doctor! Fünfzig Jahre schriftstellerischer Thängkeit haben Sie zurückgelegt! Und welcher Thätigkeit! Welche Zahl von Schriften, die Ihren Namen tragen! Und welche Schriften! Nicht nur solche deren Bedeutung, wenn auch noch so groß in der Zeit, mit der Zeit sich verliert, nein! Sie haben Werke geschaffen, die für alle Zeiten ihren Werth behalten und Ihren Namen in der Geschichte der jüdischen Literatur verewigen! Wir brauchen ja nur an Ähr großes Bibelwerk zu denken, im jugendlichen Alter begonnen, im reiferen vollendet und von eines Künstlers Hand ersten Ranges geschmückt, eine der schönsten Zierden des jüdischen Schristenthums! Hochgeehrtester Herr! Ihre zahlreichen Schriften haben Ihren Ruhm begründet und schon das muß uns und alle jüd. Gemeinden zur freudigen Anerkennung und Beglückwünschung veranlassen! Doch noch ein Anderes ist es, was uns veranlaßt, an diesem Ihrem Ehrentage uns Ihnen zu nahen. Sie haben für die Ehre des Judeuthums, für die Rechte der Juden, für die Fortbildung der jüdischen Wissenschaft, für die Hebung des Gottesdienstes, mit einem Worte: Sie haben für Alles, was dem Bereiche der jüdischen Gemeinschaft angehört, mannhaft, ritterlich, ohne Furcht und Zagen, nach Innen und Außen ge- 40*