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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-25 · Heft 39 (25.9.1877) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 39 (25.9.1877)
Date
1877-09-25
Page
Seite 620 (sequence 8)
Language
German
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620 betrachtet wird. Wen geht es dort was an, wo ich meinen Tobten begraben will, sobald ich die gesetzlichen Vorschriften erfüllt, die nöthigen Anzeigen gemacht habe, und ein sanitärer Grund gegen den Ort der Bestattung nicht vorliegt? Dort giebt es sogar Unternehmer, die einen Friedhof anlegen und gegen Bezahlung Jedermann gestatten, daselbst zu begraben. Uebrigens werden solche Vorgänge dem Liberalismus in Belgien keine Bortheile bringen, da Viele vor den Folgen der Herrschaft eines derartigen Radicalismus zurückschrecken. Wodurch ist denn in diesem Lande der Liberalismus in die Minorität gekommen? Weil sich die Elemente in ihm schieden, die gemäßigten und die radicalen Liberalen sich nicht vertrugen und dadurch der klerikalen Partei die überwiegende Stellung einräumten. Es scheint aber, daß man nichts gelernt habe. Türkei. Konstantmopel, 7. September. Die hier erscheinende lurquie vom 6. d. enthält einen Bericht eines gewissen Victor Misrai aus Kesanlyk über die von den Bulgaren und Kosaken in Zagra und Kesanlyk am 22. Juli an den Juden verübten Grausamkeiten und weiter während neun Tagen. Er giebt die Namenslifie der Getödteten, Verwundeten und Weggeschleppten. Es zittert die Hand uns, diese Scheußlichkeiten im Dvtail niederzuschreiben und verweisen wir daher lieber auf die „Köln. Ztg." vom 5. Sept., die einen Auszug aus jenem Berichte enthält. Rußland. Aus dem Russischen, 6. September. (Privatmitth.) Der Zweck meiner heutigen Zeilen besteht hauptsächlich darin, auf die vielen lügenhaften Berichte hinzuweisen, welche gegenwärtig, namentlich in deutschen Zeitungen, über die russischen Juden, deren Verhallen und Verhältnisse in Umlauf gesetzt werden. Ob russenfeindlich oder ruffenfreundlich, die russischen Juden müssen ihnen immer herhalten, um Gehässigkeiten anzuschüren, sei es gegen die Juden, sei es gegen Rußland. Der geringste Vorwand wird zu einer Staatsaction aufgebauscht und ihm die schlimmsten Triebfedern untergeschoben, während diese meist nur bei den Correspondenten selbst vorhanden sind. So schrieben jüngst deutsche Blätter, die russische Regierung wolle sich der jüdischen Lieferanten und aller jüdischen Werkzeuge bei der Verproviantirung und sonstigen Bedürfniffen der Heere entledigen — selbstverständlich, weil dieselben zu nachtheilig unv betrügerisch wären. Und worauf stützt sich dies? Auf die unbedeutende Thatsache, daß die russische Intendantur eine Anzahl Fahrzeuge mit den nöthigen Kutschern bei den deutschen Colonisten in Süd-Rußland requirirt! Wenn man damit bei der russischen Regierung selbst nichts ausrichten kann, so bringt man doch einmal wieder die Juden in Verruf in, Deutschland und wirkt zurück auf die russische Presse und die öffentliche Meinung in Rußland. Dies ist für diese deutschen Correspondenten schon Zweck genug. Es ist traurig, sich auf diese Weise seiner Haut immer wehren zu müssen, indeß die wirklichen Berhältniffe schon drückend genug sind. Amerika. Albany, im August. (Privatmitth.) Die A. Ztg. d. I. hat bereits ausführliche Mittheilung über die Predigt gebracht, welche einer der ersten christlichen Prediger in Amerika, Rev. Henry Ward Beecher, bei Gelegenheit des intoleranten Aktes des Richters Hilton am 24. Juni in der Plymouth Kirche in Brooklyn in New-Iork gehalten hat. Dieselbe ist gedruckt unter rem Titel: Jew and Geniile, erschienen und findet große Verbreitung. Ich sende ihnen anbei ein Exemplar. — Der hier erscheinende Argus vom 8. Juli enthält einen Artikel über die Gotteshäuser hiesiger Stadt. Ueber die Synagogen enthält er Folgendes: Der Tempel Ansche Emeth, in dem Rev. Max Schlesinger als Rabbiner fungirt, faßt 800 Sitzplätze, von denen 200 Stühle sind, welche von 20 bis 1250 Dollar einbringen, da die Besitzer neun Procent jährlich bezahlen. Einfache Sitzplätze werden mit 12 bis 50 Dollar bezahlt. Die Mitgliederzahl beträgt 150. Die Gehälter gestalten sich folgendermaßen: Der Rabbiner 3000 Dollar, der Organist 400 Doll., der Chor 1000 Doll., der Küster 600 Dollar, die Totalkosten betragen 7000 Dollar. Die Beth-El-Synagoge, in der Rev. Louis A. Son Ät-"A8rbbiner angesteüt ist, zählt 70 Mitglieder, das Gebäude faßt 600 Sitzplätze, die Zahl der Stühle beträgt 80, die von 20 bis 80 Dollar einbringen, einfache Sitzplätze 10 bis 20 Dollar. Gehälter: Der Rabbiner 1500 Doll., der Organist 250 Doll., der Chor 700 Dollar, der Küster 250 Dollar, Totalkosten 350V Dollar. Die Synagoge der orthodoxen Juden Beth-El- Jacob, in der Fulton-Straße, ist klein und die Zahl der Mitglieder eine geringe. L. 8. U. Bonn, 16. September. (Notizen.) Ueber den Tod der Frau Sophie Jacques spricht sich die N. fr. Pr. folgendermaßen aus: „Eine der hervorragenden Frauen des älteren Wien ist in dieser Nacht in Hietzing verschieden. Diejenigen in unserer Mitte, welche die ersten Decennien dieses Jahrhunderts milerlebt haben, erinnern sich des Fräuleins Sophie Edlen v. Werthheimstein, welches, damals in erster Mädchenblüthe stehend, bei den Hofconcerten jener Tage oder bei der Aufführung großer Oratorien als ausgezeichnete Altistin glänzte. Zur Zeit des Wiener Congresses fang sie im Rittersaale der Hofburg vor den versammelten Fürsten, und sie bewahrte als eine ihrer schönsten Erinnerungen ein prachtvolles Service, das der Kaiser Franz ihr damals zum Geschenke gemacht hatte. In günstigen Lebensverhältnifsen lebend, widmete sie ihr Talent ausschließlich künstlerischen und Humanitären Zwecken. Sie war zugleich eine eminente Clavierspielerin, bevorzugte Schülerin des berühmten Hummel. Diese

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