Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-25 · Heft 39 (25.9.1877) · p. Seite 617

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 39 (25.9.1877)
Date
1877-09-25
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227163--35676-3305656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

617 einigen, Laß ein gütiges Geschick Sie noch eine lange Reihe von Jahren in der Fülle Ihrer rüstigen Kräfte der gemeinsamen guten Sache erhalten möge. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand und die Repräsentantenversammlung der Synagogen-Gemeinde: Friedenthal. Milch. Gurach. Werther. M. Borchert. vr. Honigmann, Syndicus. Dr. Grätzer. S. Weichert. H. Joachimsohn. Julius Hainauer. Bon der Gemeinde zu Potsdam: Hochwürden! Ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem Ew. Hochwürden in jugendlichem Lebensalter fich dem Studium der Wiffenschaften und des Glaubens gewidmet, und jeder Abschnitt dieses Zeitraums ist bezeichnet durch Denkmäler Ihres edlen Strebens und Ihrer fruchtbaren Wirksamkeit. Der heutige Jubellag ist daher nicht allein ein fteudiges Ereigniß für den engen Familienkreis, er ist es für das ganze Judenthum, und auch unsre Gemeinde schätzt sich glücklich, den Gefühlen ihrer Hochachtung und Verehrung Ausdruck verleihen zu können. Eingedenk Ihrer großen Verdienste um die Erhaltung und die Läuterung unseres Glaubens, zu besten Hüter der Allmächtige Sie erkoren, eingedenk Ihres unermüdliche Strebens, in Wort und Schrift alte Boruriheile zu zerstören und die bürgerliche Gleichstellung unserer Glaubensgenosten zu erringen, senden wir die innigsten Gebete zu Gott, daß er Ew. Hochwürden noch lange Jahre in ungeschwächter Geistes- und Körperkraft erhalte, zum Heile des Judenthums. Möge der heutige Ehrentag durch die Liebe, die er Ihnen entgegenbringt, Sie erquicken und erheben, und mögen Sie in der Anerkennung Ihres hochverdienten Strebens Befriedigung finden. Mit Stolz blicken wir auf Ew. Hochwürden in der Ueberzeugung, daß Ihr edles Vorbild Vielen der kommenden Geschlechter als Muster voranleuchten wird. Der Vorstand und die Nepräsentanten-Versammlung der Synagogen - Gemeinde: E. Luboscher, Vorsitzender im Vorstande. Samuel Zielenziger, Vorsitzender d. Nepräsentanten-Versammlung. Potsdam, den 12. September 1877. (Schluß folgt.) 2betbau^j du/öccßttc&fcctt. Deutschland. Bou der Isar, 13. Sept. (Privatmitth.) In der Correfpondenz „Aus Bayern" in Nr. 37 d. Ztg. ist ein Ausdruck gebraucht, der Manchem sehr auffällig erscheinen konnte. Bekanntlich hat das bayerische Unterrichtsministerium entschieden, daß die städtischen Behörden zwar Simultanschulen Herstellen könnten, diese jedoch den „chrisilichen Charakter" behalten müßten. Dies heißt nichts anderes, als es dürfen keine jüdischen Lehrer an diesen Simultrnschulen angestellt, und im Unterricht und in allen sonstigen Einrichtungen muß der christliche Charakter bewahrt und zum Ausdruck gebracht werden. Diese Art Simultanschulen belegt die angef. Corresp. im Hinblick auf die Juden mit dem Beiwort „Moloch". Dies mag wohl etwas zu stark sein, aber die Lage ist für die jüdische Schulfrage voller Schwierigkeit. Daß auch jüdische Kinder solche Schulen zu besuchen die Erlaubniß haben, ist nichts Neues. Diese hatten und haben sie auch für die confefsionell geschiedenen Lehranstalten. Ebenso wenig hat sich die Simultanschule für sie geändert: sie ist in Bezug auf die jüdischen Kinder so confefsionell geblieben wie sie war. Die Erfahrung lehrt sogar, daß christliche Anstalten, in welchen die Bekenner der katholischen und Protestant. Kirche vereinigt werden, den Antrieb fühlen, die beiden gemeinschaftliche Dogmatik nun um so nachdrücklicher hervorzuheben, um zu erhärten, daß sie christlichen Charakters seien. Es ist also nur ein Scheingrund, wenn die Juden solchen Simultanschulen mit christlichem Charakter gegenüber ihre bestehenden Schulen aufgeben sollen oder aufgeben. Was sie bewog und bewegt, jüdische Schulen zu gründen und zu erhalten, besteht trotz jenen fort, und was durch die gemeinsamen Unterrichtsanstalten erzielt werden soll, kann durch diese Art Schulen nicht erreicht werden: sie sind keine Pflanzstätten der allgemeinen Humanität und der bürgerlichen Gleichstellung, und die jüd. Zöglinge werden in ihnen stets benachtheiligt sein. Man wird uns bei dieser Erörterung keiner Intoleranz und Einseitigkeit beschuldigen dürfen. Aber wir wollen nicht, daß die wahrhaft freisinnigen Ideen der Zeit durch eine falsche Maske verkümmert werden. Jede Halbheit bringt um so mehr Schaden als mit ihr ein Bedürfnis zu befriedigen heuchlerisch vorgegeben wird. Dadurch wird das wahre Ziel nur um so weiter hinausgerückt. Diejenigen, welche deshalb auf halbem Wege nicht mitgehen wollen, erwerben sich um die wahre Idee ein wesentliches Verdienst. Wie lange übrigens eine pädagogische Verquickung der beiden Confessionen „mit christlichem Charakter" anshallen wird, muß die Zukunft lehren. Berlin, 11. September. (Privatmitth.) Wenn die ultramontanen Judenhetzen auch vollständig Fiasco gemacht, so sucht doch die Hauptleiterin derselben, die „Germania", ihrem gepreßten und haßerfüllten Herzen von Zeit zu Zeit Luft zu schaffen. So enthielt ihre Nummer vom 7. Septbr. unter der Ueberschrift:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.