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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-25 · Heft 39 (25.9.1877) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 39 (25.9.1877)
Date
1877-09-25
Page
Seite 616 (sequence 4)
Language
German
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616 Von der Gemeinde zu Berlin. Weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus blickt unsre Glaubensgemeinschaft auf Ihr seit nunmehr fünfzig Jahren ununterbrochenes geistiges Wirken zurück, auf die inhaltsreichen Kampfe für Recht und Wahrheit, für Glauben und Wissen, und begrüßt den heutigen Tag als einen Tag der Freude und der Ehre in Israel. Gestalten Sie, hochverehrter Herr Doctor, auch unsrer Gemeinde, Ihnen an diesem Festtage mit dem Ausdrucke verehrungsvollen Dankes, Gruß und Glückwunsch entgegenzubringen. Möge Gott Ihr Leben segnen und Sie in der Fülle leiblicher und geistiger Kraft erhalten zum Heile des Judenthums, dem Sie Ihr Leben geweiht und in welchem Sie durch Ihre segensvolle Thätigkeit sich ein dauerndes Denkmal errichtet haben. Berlin, den 12. September 1877. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde: Siegm. Meyer. Moritz Jacoby. Moritz Wolsi. Die Gemeinde zu Pest: Hochwürdiger Herr! Die Feier, die sich heute im stillen Kreise Ihrer Familie vollzieht, ist ein Ehrentag für sammtliche Bekenner der Mischen Religion. — Wen müßte er nicht mit unendlichem Danke für die göttliche Liebe und Vorsehung, welche durch Sie, hochwürdiger Herr, Unvergängliches für das jüdische Bekenntniß gewirkt, erfüllen, wenn er in seinem Geiste einen Rückblick auf jenes halbe Jahrhundert jüdischer Geschichte wirft, das durch Ihre rastlose literarische und sociale Thätigkeit ausgefüllt ist? Keine Phase der neueren Entwickelung ves Judenthums könnten wir nennen, in welcher es nicht Ihre Initiative gewesen wäre, die dem alten Körper neuen Geist einhauchte; Thaten monumentaler Natur verdanken Ihrem schöpferischen Genius ihr Entstehen. Sie haben die jüdische Literatur und Wisienschaft dem Volke zugänglich gemacht, wie Niemand vor Ihnen, und die Begeisterung und das Interesse für dieselbe geweckt, und durch eigene unermüdliche Mitarbeit an Ihrer Schöpfung durch Jahrzehnte wach erhalten. Sie haben das Gemeinsamkeitsgefühl der Bekenner des Judenthums, das jüdische Bewußtsein nach Jahrhunderte langer Lethargie angeregt und das erwachte Gefühl jener Bewegung dienstbar gemacht, deren Frucht die Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen in Deutschland war. Aber obwohl unmittelbar auf Deutschland gerichtet, hat Ihre Arbeit weit über die Grenzen Ihres Vaterlandes hinaus Wiederhall gefunden und Segen begründet. Sie sind zum Schriftsteller nicht nur des deutschen Israel, sondern des ganzen Israel geworden, und eS giebt wohl keinen gebildeten Juden, dem nicht das, was Sie in streng wissenschaftlicher oder volksthümlicher Form geschrieben, Belehrung über die Vergangenheit, Berstandniß für die Gegenwart und Begeisterung für die Zukunft Israels vermittelt hätte. Wir beglückwünschen Sie zur fünfzigsten Wiederkehr des Tages, an welchem Sie, hochwürdiger Herr, vor einem halben Jahrhundert in voller Rüstung auszogen, um den Kampf für den Geist und die Stellung des Judenthums aufzunehmen. Wir danken der göttlichen Vorsehung für die Gnade, daß Sie Ew. Ehrwürden diesen Jubeltag in voller Kraft sehen läßt, inmitten unausgesetzten Schaffens und fortgesetzter Thätigkeit. So möge Sie denn der Allmächtige noch lange erhalten und so wie er Sie die reifen Früchte Ihrer Aussaat sehen ließ, dieselben zum Segen werden lassen für die ganze Menschheit. Budapest, am 10. September 1877. Hochachtungsvoll Der Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde: Neuwirth, Präses. Golblziher, Secretär. Von der Gemeinde zu Breslau: Breslau, den 4. September 1877. Hochzuverehrender Herr Doctor! Aus den Mittheilungen öffentlicher Blätter ist es uns bekannt geworden, daß Ew. Ehrwürden im Laufe dieses Monats Ihr fünfzigjähriges Schriftsteller-Jubiläum begehen. Die ergebenst Unterzeichneten Vorsteher und Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde fühlen sich herzlich gedrungen, bei dieser Gelegenheit als Zeichen der Antheilnahme und Verehrung an Sie einige Worte aufrichtiger Beglückwünschung zu richten. Wie Ihr erstes literarisches Auftreten in noch jugendlichem Alter dem Heiligthum unsres Glaubens, dem Worte der Schrift gewidmet war und von der Begeisterung des Jünglings für Religion und Wissenschaft des Judenthums ein rühmliches Zeugniß abgab, so blieb die Förderung dieser höchsten Guter unserer Glaubensgemeinschaft das unverrückte Ziel Ihrer fruchtbaren Thätigkeit durch ein halbes Jahrhundert, für dessen Ablauf Sie mit freudiger Genugthuung auf die Früchte desselben, namentlich auf das Ansehen und die weite Verbreitung Ihres Bibelwerks zurückblicken können. Nicht geringere Anerkennung hat Ihnen, hochgeehrter Herr Doctor, auch die deutsche Judenheil gezollt, für Ihre durch einen fast gleichen Zeitraum auf dem literarischen und publizistischen Gebiete entfaltete Thätigkeit, welche den gesammten Umkreis fast aller sonstigen jüdischen Interessen umspannt und mit unermüdlicher Wachsamkeit und Tapferkeit überall eingetreten ist, und Erfolge zu verzeichnen hat, wo es galt, das Recht zu wahren, ungerechten Angriff abzuwehren, Anregungen zu guten Werken zu geben, Mißbräuche und eingewurzelte Uebelstände abzuschaffen. Es ist darum nur ein winziger Tribut, der dem Verdienste geleistet wird, wenn zu Ihnen als einem der wenigen noch lebenden Veteranen der verjüngten jüdischen Wissenschaft und dem Vorkämpfer für alle Interessen des Judenthums heute sich die Gefühle der gebildeten jüdischen Glaubensbrüver in Deutschland mit Antheilnahme wenden und sich in dem Segenswunsch ver-

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