Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1877)
- Date
- 1877-09-25
- Page
- Seite 615 (sequence 3)
- Language
- German
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615 Von der Gemeinde zu Bonn: Der Vorstand der Shnagogen-Gemeinde Bonn, welcher seit 16 Jahren das Vorrecht genießt, Ew. Ehrwürden zu ihren Mitgliedern zu zählen, beehrt sich am heutigen Tage zum fünfzigjährigen Jubiläum Ihres so überaus segensreichen Wirkens auf literarischem Gebiete die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen. Inmitten der schwierigsten Zeitläufte, als die größte Intoleranz noch allgemein herrschte, waren Sie der unermüdliche Vorkämpfer für alle hochwichtigen Jntereffen des Judenthums. Jede Bedrückung allgemeiner oder privater Natur, welcher unsre Glaubensgenoffen im engeren Baterlande sowohl, wie im Auslande ausgesetzt waren, fand in Ihnen den muthigsten Gegner. Wo es galt, Israels Rechte zu fördern und zu vertheidigen, sei es in der öffentlichen Meinung, bei den gesetzgebenden Factoren oder bei den Executivgewalten, wo immer es galt, Israels Feinde zu entlarven und eifrigst zu bekämpfen, tief eingewurzelte Voruriheile, die Schmach, worunter das Judenthum Jahrhunderte lang geseufzt, zu lockern und auszurotten, haben Sie unverzagt und mit größter Ausdauer Ihre ganze Kraft eingesetzt und dauernde Erfolge erzielt. Zur Herbeiführung einer der glänzendsten Errungenschaften unsres Zeitalters, der Emancipation der Juden in unserem Vaterlande, in Oesterreich, in der Schweiz, in Großbritannien rc. :c., Aufbesserung der Lage unserer Brüder in den Ländern, welche des Segens der confessionellen Toleranz noch entbehren — haben Ew. Ehrwürden im vordersten Glieds mitgewirkt. Ihre Verdienste um die Förderung unseres Gemeinwesens, um die Entstehung unseres Armenvereins, erkennen wir mit aufrichtigem Danke und inniger Verehrung an. Möge der Allgütige noch während einer Reihe von Jahren Ew. Ehrwürden seinen reichsten Segen zu Theil werden lassen und vergönnen, die Früchte Ihrer so ungemein vielseitigen und außerordentlich ersprießlichen Thätigkeil stets mehr und mehr reifen zu sehen. Robert Goldschmidt. Simon Oppenheim. Adolph Frank. Max Kohnstamm, als Mitglied des Vorstandes des israelitischen Amenvereins. Bon der Gemeinde zu Wien: Ehrwürdiger Herr Rabbiner, Hochgeehrter Herr Doctor! Sie begehen heute im Kreise Ihrer Familie, im Kreise jener nach Tausenden und aber Tausenden zählenden Familie, die Einem Stamme entsproffen. Einem Bekenntnisse folgend, scheinbar zerstreut unter den Völkern dieser Erde, und doch im engsten Zusammenhänge eine mächtige Einheit bilden, das fünfzigste Jahr Ihrer schriftstellerischen Laufbahn! Ist dieser Zeitraum an und für sich in der Thätigkeit eines jeden Mannes von großem Belange, so gewinnt er noch dadurch an Werth, ja an Bewunderung, wenn man des Inhalts gedenkt, der ihn vom ersten bis zum heutigen Tage ausfüllt! Er bedeutet .ein fünfzigjähriges Ringen und Kämpfen auf geistigem Gebiete für das Recht, die Freiheit unv Befreiung, das menschenwürdige Dasein und die sittliche Erhebung unserer israelitischen Brüder, er bedeutet ein fünfzigjähriges, treues und unausgesetztes Wachen und Sorgen im Dienste einer hehren Idee, ein unermücetes Wirken und Schaffen für sein, für unser Volk. Fürwahr! an den Namen Ludwig Philippfon wird sich stets die Dankbarkeit auch der kommenden Geschlechter knüpfen, wahrend die Gegenwart, im vollen Bewußtsein des Errungenen, zu dem Bilde jener Persönlichkeit aufschaut, die nicht zum geringen Theile von sich rühmen darf, die Fahne, die endlich zum Siege geführt hat, im ehrlichen Kampfe vorangetragen zu haben! Dieses Bild steht durchweg achtunggebietend, ja imponirend da, und zugleich als ein hocherfreuliches; denn es bekundet die von der Geschichte bestätigte Wahrheit, daß es uns an Männern der Initiative, die unbeirrt und unbefangen den Kampf ausnahmen und zu Ende führten, niemals gemangelt hat. Was wir dieser energischen Initiative Ihrer Feder verdanken, wie sie immer auf's Neue, befruchtend und anregend, hier Keime auswirft, um sie scheinbar unter Druck und' Drangsal wieder verschwinden zu sehen, dort aber das mühsam Gewordene mit den Augen eines treuen Gärtners schützt; wie sie durch kein Hinderniß und kernen Widerstand zu besiegen, immer von Neuem beginnt, wie sie jede Fußbreite Landes vertheidigt, Licht auf geistigem, wie politischem Felde verbreitet, immer von den höchsten sittlichen Factoren des Lebens ausgeht und dabei zielbewußt von jeder Maßlosigkeit sich abwencet, — was wir dieser Initiative verdanken, das wird in den Blättern, die den vielgestaltigen Zuständen unsres Volkes gewidmet sind, unvergessen sein und es hoffentlich bleiben! Unvergessen werden namentlich die Thaten Ihrer Feder bleiben, die so mächtig fördernd in die Entwickelung des israelitischen Gemeindelebens eingriff, vorzüglich in das unseres österreichischen Vaterlandes! Und so dürfen die Vertreter eines der größten jüdischen Gemeinwesens wohl mit vollem Rechte die Thatsache bestätigen und preisen, Sie, hochverehrter Herr, haben sich um uns Alle wahrhaft verdient gemacht! Der heutige Tag bildet den Abschluß einer fünfzigjährigen, erfolgreichen Thätigkeit. Möge seine Wiederkehr — dies ist unser innigster Wunsch und unsre Hoffnung — noch oft Sie begrüßen, hochgeehrter Herr Doctor! in körperlicher Frische und Kraft, in Gesundheit und ungebrochener Geistesfülle, zur Freude Ihrer Verehrer, zur Freude Ihrer dankbaren Stammesbrüder! Wien, am 12. September 187 7. Der Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde: Dr. Ignatz Kuranda, Präs. Gustav Ritter v. Epstein. Arminio Cohn. Dr. Leopold Kvmpert. Dr. Theodor Lieben, Secr. aJj. 39*