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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-18 · Heft 38 (18.9.1877) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 38 (18.9.1877)
Date
1877-09-18
Page
Seite 607 (sequence 11)
Language
German
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607 und 1836: „DaS Israelitische Predigt- und Schul-Magazin" (Magdeburg im Selbstverlag) heraus. Je das vierte Heft war historischen Inhalts. Die ersten Hefte füllten die Berichte über die neuen Veranstaltungen in Magdeburg aus, die somit der Anfang einer seitdem reich angewachsenen Entwickelung geworden. Da die Nachfrage anch späterhin fortdauerte, erschien eine „zweite, theils vermehrte, IheilS verminderte Ausgabe in einem Bande" (Leipzig, Baumgärtner 1854). Die Miscellen und Kritiken der ersten Austage wurden weggelaffen, während Confirmations-, Grab- und Traureden hinzugefügt wurden. — Jndeß hatte sich das Bedürfniß nach einer allgemeineren jüdischen periodischen Preffe fühlbar gemacht. Ich erkannte dies, brach das Predigt- und Schulmagazin ab und gab vom 1. Mai 1837 an die „Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse in Betreff von Religion, Politik, Literatur, Geschichte, Sprachkunde und Belletristik" heraus. Unter den Buchhandlungen, mit welchen ich über die Herausgabe einer solchen ganz neuen literarischen Erscheinung unterhandelte, bot Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig die beste Bürgschaft für eine energische buchhändlerische Handhabung und die angemeffensten Bedingungen dar. Der Erfolg war gleich bei Beginn ein alle Erwartungen übertreffender. Sie erschien seitdem in 41 Jahrgängen ununterbrochen unter derselben Redaction, in derselben Verlagshandluug, selbst in derselben Officin. Ich will nur eine Bemerkung hinzufügen. Es erschienen nach einiger Zeit auch andere Zeitschriften ähnlichen Inhalts. Vor den Stürmen des Jahres 1848 verschwanden sie sämmtlich. Als ich 1854 in Paris war, rief mir der sel. Albert Kohn entgegen: „Sie haben das besondere Verdienst, gesprochen zu haben, als Alles schwieg; als Alle die Arme sinken ließen, blieben Sie rüstig und mannhaft auf dem Platze!" (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Jotapata. Einen denkwürdigen Punkt in der Geschichte des römischen Krieges gegen die Juden unter Vefpasian und Titus bildet die Belagerung und Eroberung von Jotapata, der stärksten Festung in Galiläa. JosephuS erzählt sie im 7. Capitel des dritten Buches seines „Jüdischen Krieges". Er selbst commandirte in der Festung und blieb allein übrig von der ganzen Besatzung. Seine Erzählung über den ganzen Vorgang enthält viel Wundersames, das auf Uebertreibuugen und Ausschmückungen schließen läßt. In einer der jüngsten Sitzungen der ftanzösischen Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften trug Herr Guerin Mittheilungen über den Platz und die Ruinen von Jotapata vor, und ist hierüber in dem Bulletin der Akademie Serie 4. B. 5. Folgendes berichtet. Herr Guörin macht der Akademie der Inschriften nnd schönen Wissenschaften eine Mittheilung über die Ruinen von Djefat. dem ftüheren Jotapata, eine der stärksten Städte in Galiläa und berühmt durch die Belagerung, welche sie gegen Vefpasian bestand. Er beginnt damit, die Ueberreste der Stadt zu beschreiben, dann detaillirt er, nach Josephus, die hauptsächlichen Phasen des merkwürdigen Widerstandes, den sie gegen die Römer leistete. Herr Gu6rin stellt alsdann folgende Frage auf: Müssen wir allen Details der Erzählung dieses Schriftstellers vollen Glauben schenken? Was ihn betrifft, er denkt nicht daran. Vieles in der Thal stimmt mit der Natur der Orte überein, aber auch vieles Andere erscheint unwahrscheinlich, und von einer wahrhaft orientalischen Uebertreibung, wenn man das Terrain geprüft hat. Josephus spricht z. B. von so liefen Schluchten, die Jotapata umgeben, daß der Blick so schreckliche Abgründe gar nicht ermessen konnte, i) Nun, Herr Guörin schätzt die Höhe des Hauptpunktes von Djefat auf höchstens 126 Meter im Vergleich zu ven Thälern, die unmittelbar daranstoßen. Unter Anderem bezweifelt er, daß Jotapata jemals nur die Hälfte der Bevölkerung habe aufnehmen können, welche der jüdische Schriftsteller angiebt. Und was soll man schließlich von dem geheimnißvollen Versteck denken, in welchem Josephus einige Zeit ven Nachsuchungen der Römer entging, und von dem Kunststück, das er anwandte, um sein Leben zu retten, trotz der vierzig Gefährten, die mit ihm dieselbe Höhle bewohnten und die den Tod der Schande vorzogen, sich den Siegern zu ergeben? Zahlreiche Höhlen und Cisternen sind theils auf dem Plateau, theils auf de» Seilenabhängen von Djefat gegraben. Herr GuLrin hat mindestens zwanzig von ihnen untersucht, aber keine einzige von denen, in die er hineingedrungen, hätte auf längere Zeit weder Josephus noch seine vierzig Gefährten den Blicken und den Händen der Römer entziehen können 2), welche, nachdem sie Herren der Stadt geworden, alle Höhlen durchforschten, um unerbittlich Alle zu tödten, welche sich dorthin geflüchtet hatten. Kurz, Herr Guörin glaubt sich überzeugt zu haben, indem er diese Orte, nicht nur Jotapata, sondern noch viele andere Städte Palästinas, die damals in die Hände der Römer fielen, näher durchforschte, daß mehrere der befestigten von ihnen eroberten Städte niemals die militärische Wichtigkeit und besonders die Bevölkerung besessen haben, welche Josephus ihnen zuschreibt, und daß dieser Schriftsteller, nachdem er römischer Bürger geworden, in der Absicht, den Ruhm des Vefpasian und Titus zu erhöhen, denen er sein Werk vor dessen 1) Josephus sagt an der angef. St. § 7: „Jotapata liegt fast ganz aus einem steilen Felsen, rings umgeben so tiefe Schluchten die ganze Stadt, daß das Auge schwindelt, wenn man hinuntersehen will." Bei einer Tiefe von 120 Meter, wie Guerin angiebt, scheint uns der Ausdruck des Josephus, sobald es sich um jähen Abfall in die Tiefe handelt, nicht übertrieben. Redaction. 2) DieS scheint unS doch über das Vorhandensein einer größeren Aushöhlung am Fuße einer Cisterne nichts zu entscheiden. Eine völlig verschüttete Cisterne kann da leicht übersehen werden, und hiermit die Hohle nicht aufzufinden sein. Redaction. 38*

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