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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-18 · Heft 38 (18.9.1877) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 38 (18.9.1877)
Date
1877-09-18
Page
Seite 605 (sequence 9)
Language
German
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605 erwarten. Jndeß ist doch für die großen Träger der Philosophie ein bezeichnendes Bild ihres Gedankenganges entworfen und für die Denker zweiten und dritten Ranges die Richtung angegeben, der sie folgten. Die vorliegende Lieferung enthält den Buchstaben A. vollständig und den Anfang von B. Aber auch hieraus ist schon genügend zu ersehen, wie nur aus Unkenntniß oder bösem Willen heraus das Uriheil gefällt werden konnte, daß der jüdische Stamm dem philosophischen Denken abgeneigt oder zu ihm unbefähigt sei. Es sind hier Aben Esra, Abravanel, Abraham ben David Halevy (1180), Ahron ben Elia (1340), Ahron ben Joses (1204), die jüdisch-alexandrinische Philosophie und Andere besprochen. Ienilletov. Aebersicht -er gesarumteu Schriften -es Dr. Ludwig Philippson. Bei Gelegenheit meines fünfzigjährigen Schriftstellerjubiläums am 12. September d. I. ist mir mehrfach der Wunsch ausgesprochen worden, eine Uebersicht der sammtlichen von mir verfaßten Druckschriften zusammengestellt zu sehen. Zahlreich wie sie sind und über einen so langen Zeitraum sich erstreckend, möchten sie sich späterhin nicht leicht zufammenfinden lassen. Ich genüge dieser Aufforderung, wobei es sich selbstverständlich um keine Urtheile, um keinen Nachweis von Wirksamkeit und Erfolg handeln kann; nur daß ich hier und da einige einfache Bemerkungen hinzufüge, um das Berfiändniß näher zu bringen. — In Nr. 24 des Jahrgangs 1875 habe ich die wohl interessirende Geschichte des ersten Werkchens. das ich erscheinen ließ, die Art, wie es entstand und durch wen es zum Druck befördert wurde, erzählt. „Die Propheten Hosea, Joel, Jonah, Obadjah und Nahum in metrisch-deutscher Uebersetzung", im September 1827 (Halle, Ruff) erschienen. Die Thatsache, daß ein berühmter akademischer Lehrer die Drucklegung gewiffermaßen verlangt und ermöglicht hatte, sowie die günstigen Urtheile, die dieses Erstlingswerk erlangte, mußten entschieden auf den noch so jungen Autor wirken und ihn zum weiteren Betteten der literarischen Laufbahn aufmuntern. Zwei Jahre später (1829) hatte ich mich zum Beginn der Universitätsstudien nach Berlin begeben, und dort die Bekanntschaft des als Romanschriftsteller rühmlichst bekannten Willibald Alexis (W. Häring) gemacht, der damals den „Freimüthigen", eine angesehene Berliner Zeitschrift, redigirte. Er nahm mehrere Aussätze von mir auf, wie: „Parallelen der griechischen und nordischen Mythologie", die Bearbeitung eines Briefes des Humanisten Poggio Bracciolini, eines Theilnehmers an dem Concil zu Kostnitz aus dem Jahre 1417 von Baden aus, „über den Unterschied zwischen Vorlesung und Aufführung von Dramen". Jedoch fesselte mich dieses leichtere Genre nicht lange, und 1830 erschien als eine Frucht umfänglicher Studien: 3 E^txirß.ov xov xüv ’Iovdcuy.cäv xqaywßiwv noirytov i'iaycoyrj xut (Dtkwvog xov uQtoßvxtQov cIiQocolvfxa. „(Stftiel des jüdischen Trauerspielvichters Auszug aus Egypten und Philon des Aelteren Jerusalem. Nach ihren Fragmenten herausgegeben, übersetzt und commentirt (Berlin, List 1830)". Die in den Kirchenvätern zerstreuten Bruchstücke des genannten Trauerspiels und des Epos waren hier mit verbessertem Texte gesammelt, mettisch übersetzt und mit einer Einleitung und einem Commentar versehen. Die Bedeutung dieser Monographie lag darin, daß sie die Auffassung der griechisch-jüdischen Literatur als eines umfänglichen Literaturzweiges begründete, während man bis dahin Philo, Josephus und die Apokryphen als isolirte Erzeugnisse ansah. Nach dem Erscheinen dieser Schrift nahm die damalige „Societät der Jenaer Literaturzeitung" den Verfasser als ordentliches Mitglied auf und zwar für die Patristik, und lieferte er in den nächsten Jahren mehrere Recensionen für diese damals noch blühende kritische Zeitschrift. — Als ein Curiosum sei hier Folgendes erwähnt. Das Jahr 1830 hatte durch die ftanzösische Julirevolution einen außerordentlichen Umschwung in Deutschland hervorgebracht, der sich zwar nur in localen Bewegungen geäußert und in Hessen, Braunschweig und Sachsen politische Veränderungen hervorgebracht, hingegen allgemein in den Geistern das politische Bewußtsein geweckt und der liberalen Richtung eine große Ausbehnug gewonnen hatte. Zu eigentlichen revolutionären Thärlichkeiten war es nicht gekommen, und bald ging Alles, auch in Preußen, seinen bisherigen ruhigen Gang wieder, nur daß bald die Reaction in den maßgebenden Kreisen abermals um so stärker austrat. Aber die ganze gebildete Welt, die sich zum größten Theile mit Politik fast gar nicht beschäftigt hatte, war wie mit einem Schlage aus dem Schlummer erwacht, und dies breitete sich auch in den näherstehenden Schichten der Bolksmaffe aus. Diesem Gefühle gab ich in einem längerem Gedichte Ausdruck „Der Sturm der Zeit", welches zum 1. Januar 1831 Professor Gubitz, der bekannte Meister im Holzschnitt und Herausgeber des „Gesellschafters", in seiner Officin gratis und zwar recht elegant drucken ließ und dessen Ertrag dem „Krankenunterstützungs- Verein für Studirende", der damals gestiftet worden, bestimmt war. Das Gedicht hatte mühsam die Censur passirt, wurde aber nachträglich durch das Verbot jeder öffentlichen Anzeige unterdrückt, denn ohne eigentlichen Verleger und ohne Annoncirung (selbst nicht am schwarzen Brett der Universität) war es natürlich unverkäuflich geworden. Die ganze Geschichte dieses Gedichtes ist als Charakteristicum der damaligen Censurverhältnisse in Preußen sehr interessant und verdient wohl eine ausführliche Mittheilung. — In das Jahr 1831 gehört auch eine umfängliche Abhandlung 38

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