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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-18 · Heft 38 (18.9.1877) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 38 (18.9.1877)
Date
1877-09-18
Page
Seite 604 (sequence 8)
Language
German
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604 getauft und wolle von ihren „früheren^ jüdischen Eltern nichts wissen". Nachdem alle Mittel zur Befreiung des Mädchens gescheitert waren, wurde eine List angewendet. In einer finstern stürmischen Nacht im Monat Juni dieses Jahres wurde an das Thor des Klosters heftig geklopft. Der Pförtner erschien und sah einen jungen Geistlichen mit einem Mädchen auf einem Wagen sitzen, die dringend Einlaß begehrten, unter dem Vorwände, daß das Mädchen eine Jüdin sei und getauft zu werden wünsche. Es sei Gefahr im Verzüge, da die Ellern des Mädchens die Taufe zu Hintertreiben suchen, weshalb letzteres so schnell als möglich in's Kloster gebracht werden muß. Dies geschah. Der Wagen mit dem Geistlichen und dem Mädchen fuhr in den Hofraum des Klosters. ES war eine pechschwarze Nacht; es regnete wie aus Eimern, so daß es völlig unmöglich war, irgend welchen Gegenstand im Hofraume zu unterscheiden. In diesem Augenblicke näherte sich bas ersterwähnte verführte Judenmäbchen dem Wagen, bestieg denselben und entfernte sich mit dem angeblichen Geistlichen (der kein Anderer als der Bruder des Mädchens war) aus dem Kloster. Daß diese Flucht gelungen, dies ist dem gedachten jüdischen Kaufmann zu verdanken, der Alles eingeleilet und das Mädchen auf die Art und den Zeitpunkt der Flucht vorbereitet hatte. Das angebliche Judenmäbchen, das mit dem angeblichen Geistlichen im Kloster erschien und daselbst blieb, war eine Christin, die man gegen gute Bezahlung für dieses Manöver gewonnen hat. Bonn, 10. Septbr. (Literarische Notizen). Am 10. Juni 1876 wurde zu Danzig der noch im ersten Mannesalter sich befindende Rabbiner vr. Josu6 Wallerstein zur Erde bestattet, und an demselben Tage des laufenden Jahres auf seinem Grabe ein Denkmal enthüllt, das ihm die Pietät seiner Gemeinde gesetzt hat. Herr Rabbiner vr. Bamberger aus Königsberg hielt die Gebächtnißrede, und diese ist jetzt auf Verlangen der Gemeinde dem Druck übergeben worden (Königsberg, Schwibbe). Die Rede ist mit so tiefer Empfindung und in so würdiger Weise abgefaßt, daß auch uns die Lectüre derselben wahrhaft ergriffen hat.. Möge der Wunsch, den der Verstorbene tiefgefühlt, und den auch der Redner ausspricht, in Erfüllung gehen, nämlich, daß die fünf Gemeinden Danzigs sich endlich zu einer vereinigen, und dadurch aus einem schwächlichen Dasein zu einem kräftigen Gemeindeleben erwachsen. — „Zur Geschichte der Juden in Frankfurt am Main von G. Wolf." (Halberstadt, Meyer, 187 7). Es ist dies ein Separatabdruck aus dem 111. B. der Jahrbücher für jüdische Geschichte und Literatur von vr. N. Brüll. Die in der Abhandlung mitgetheilten sehr interessanten Urkunden hat der Verfasser aus den Wiener Archiven geschöpft. Es handelte sich um die Frage: Wem die Juden zu Frankfurt am Main gehörten? Denn auf sie als Eigenthum machten der römische König resp. deutsche Kaiser, der Erzkanzler des deutschen Reiches Erzbischof gleich die Stadt Frankfurt selbst Anspruch. dete der Kaiser wiederholt die Juden zu Frankfurt dem Erzbischof zu Mainz. 1358 verkaufte der Erzbischof Gerlach von Mainz die Juden an die Stadt Frankfurt, und den Rest der Juden verkaufte der Kaiser 1372 an die Stadt. Dennoch machten die Kaiser wiederholt, z. B. 1495 und 1511, Ansprüche auf die Juden in Frankfurt, so daß es zu einem Processe vor dem Reichsgerichte kam. Das desfallsige Document, welches der Verfasser ebenfalls veröffentlicht, interessirt nach mehrfachen S^n. Ferdinand II. wollte die Juden wieder einlösen, wurdedaber vom Senate abgewiesen. So weit führt Herr Wolf den Faden der Geschichte und wird später, da die Angelegenheit 1684 noch einmal zur Verhandlung kam, das weitere mittheilen. Die Abhandlung wirft ein recht helles Licht auf diese eigenthümlichen Verhältnisse, die jetzt zu den begrabenen gehören. *) — „Maskeretli „Zion“ (Andenken Zions) von Jakob Psrnter, übersetzt von A. M. Weitzenberg." (Bukarest, 1877, Verlag des Verfassers). Von einem deutschen Uebersetzer in Rumänien darf mau hinsichtlich der deutschen Sprache keine großen Erwartungen hegen. Von dieser Seite des vorliegenden Merkchens sehen wir deshalb gänzlich ab. Der Verfasser hat in polnischem Jargon ein Werkchen „Chronik und Rumänische Judengeschichte" veröffentlicht und daraus ist die vorliegende Broschüre ein Auszug. Es ist unzweifelhaft, daß schon zu der Römerzeit Juden in den Ländern der unteren Donau ansässig waren. Der Verfasser sucht hierfür noch Beweise heravzubringen, von denen allerdings einige vor der historischen Kritik nicht bestehen dürsten, wenn sie auch subsidiarisch zu Hülfe kommen. Für den frühen Aufenthalt der Juden zeugen auch Ortsnamen, die die wallachischen Autoren jetzt verwischen wollen. Aus Jüdowie machen sie Jüdawa, den Namen Ceiatea Jüdowie wollen sie durch Cetatea Uriascha verdrängen , was der Verfasser ad absurdum führt. Interessant sind auch die Mittheilungen, wie bei dem Griechenaufstande die Juden viele Griechen vor den Türken der sie erwartenden Todesstrafe entzogen, was die Griechen ihnen dadurch lohnten, daß sie an vielen Orten die Juden niedermetzelten. Es ist erfreulich, daß die Juden in Rumänien anfangen, sich ihrer Haut selbst zu wehren. — „Philosophie-Geschichtliches Lexicon. Historisch-Biographisches Handwörterbuch zur Geschichte der Philosophie. Bearbeitet von Prof. vr. Ludwig Noack." (Leipzig, Koschny, 1877). Erste Lieferung. Wer über die Philosophen, die philosophischen Denker und Systeme aller Völker und Zeiten, seitdem bei den Hellenen der Begriff der Philosophie aufgegangen, resumirende Berichte, biographische Notizen und Angabe der Hauptwerke nachfuchen will, wird in dem, mit der vorliegenden ersten Lieferung begonnenen Werke die Befriedigung seines Bedürfnisses finden. Allerdings kann man in einem solchen Handwörterbuch weder ausführliche Biographien, noch erschöpfende Darstellungen der Systeme von Mainr und ru- *) 2*5« haben dreien locialen Auswuchs vc« »uhbiuki® ui 8 ... Novelle „Verschenkt! — Verkauft!" im Jahrgang 1867 zu zeichne Brs 1349 verpfan-| versucht.

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